Markt für Bio-Erdbeeren wächst

Markt für Bio-Erdbeeren wächst

Bio-Erdbeeren sind in der Direktvermarktung sehr gefragt. Für den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel ist das empfindliche Obst ein schwieriges Produkt. Das vergleichsweise teure Produkt wird meist in relativ kleinen Packungseinheiten angeboten.

Erdbeersorten von früh bis spät im Jahr

Die Erntesaison für deutsche Erdbeeren beginnt meist im Mai und geht bis in den August. Hauptsaison für Freilanderdbeeren ist der Juni. Um über einen so langen Zeitraum Erdbeeren aus heimischer Erzeugung liefern zu können, werden verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Reifezeitpunkten angebaut. Die ersten Erdbeeren des Jahres werden in der Regel mit Vlies oder unter einem Folientunnel verfrüht gereift.

Nach Angaben von Andrea Sausmikat, Beraterin für ökologischen Beerenobstanbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, beginnt die Saison mit Sorten wie Clery, Flair, Darselect sowie der in diesem Jahr erstmalig stärker angepflanzten Malling Centenary. Im späteren Freilandanbau hat sich Sonata stark etabliert. Auf geeigneten Standorten ist auch Elsanta nach wie vor bedeutsam. Für die Direktvermarktung werden auch weichere Sorten genutzt, die sich im Handel meist weniger bewähren. Im späteren Saisonverlauf kommen dunklere Sorten wie Malwina in den Handel.

Kleinere Bio-Erdbeerfläche 2019

Die Größe der ertragsfähigen Anbaufläche von Bio-Erdbeeren in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr. Mit 350 Hektar fiel sie 2019 kleiner aus als im Jahr zuvor, so das Statistische Bundesamt. Entsprechend weniger Erdbeeren holten die Bio-Landwirtinnen und -Landwirte vom Feld. Die Erntemenge im Freilandanbau belief sich auf 2.570 Tonnen. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern wurden 2019 die größten Bio-Erdbeerflächen ausgewiesen.

Neben der geringeren Anbaufläche wirkte sich die Witterung bereits das zweite Jahr in Folge auf den Ernteertrag aus. Nicht nur die hohen Temperaturen  erschwerten die Produktion – auch Starkregen und Hagel sorgten für Ernteausfälle in einigen Regionen. Wegen der Hitze reiften die Erdbeeren im Freiland nicht wesentlich langsamer als im geschützten Anbau. Teilweise überschnitten sich dadurch die Erntefenster erheblich.

Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen Bio-Erdbeeren auch außerhalb der inländischen Saison. Diese stammen dann vor allem aus Südspanien, aber auch aus Italien oder Marokko. In Polen werden ebenfalls große Flächen mit Bio-Erdbeeren angebaut. Davon wird allerdings ein Großteil für die Produktion von Konfitüren und Marmeladen verwendet. Da Erdbeeren von Hand gepflückt werden müssen, ist deutsche Ware vergleichsweise teuer.

Enormer Anstieg der Nachfrage

Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben 2019 erheblich mehr Bio-Erdbeeren gekauft als im Vorjahr. So kauften die privaten Haushalte von Jahresanfang bis Mai 23 Prozent mehr Bio-Erdbeeren als im Vorjahr. Allerdings stammten die größeren Einkaufsmengen überwiegend aus Spanien. Ab Juni ist der Anstieg laut AMI-Analyse des GfK-Haushaltspanels geringer ausgefallen. Trotz der gestiegenen Einkaufsmenge sind die Bio-Anteile noch klein – weniger als drei Prozent der gesamten Erdbeereinkäufe in Deutschland sind Bio.

Einige Handelsketten haben ihr Angebot an Bio-Erdbeeren auch schon den Wünschen der Bio-Verbraucherinnen und -Verbraucher angepasst. So finden sich beispielsweise in der Saison 2020 deutsche Bio-Erdbeeren aus Demeter-zertifiziertem Anbau und mit dem Regionalsiegel von Edeka Südwest im Sortiment. Die Bio-Erdbeeren stammen demnach aus dem Einzugsgebiet von Edeka Südwest. Dieses umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Teile Hessens. Die 250g-Schale wird für 3,49 Euro angeboten.

Auch die norddeutschen Cittimärkte bieten Bio-Erdbeeren aus deutscher Demeter-Erzeugung an. Der Ende Mai 2020 aufgerufene Kilopreis liegt mit 15,95 Euro allerdings auf hohem Niveau. Der Einstieg von Demeter in den LEH hat für den Verband neben der Bündelung größerer Mengen eine zusätzliche Herausforderung gebracht: Die frischen Demeter-Erzeugnisse sollen mit einer zweijährigen Übergangszeit bis spätestens 1. Januar 2022 ohne Kunststoffverpackungen auskommen.

LEH bietet Bio-Erdbeeren in Kunststoffpackungen an

Die hohe Verderblichkeit und eine komplizierte Logistik machen das Weichobst schwierig im Handling für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). In den Vollsortimentern wie Rewe und Edeka werden frische Bio-Erdbeeren zum Teil in der Kühltheke angeboten – neben Produkten, die eigentlich für den To-Go-Kauf gedacht sind. Hinzu kommt, dass die Bio-Beeren in Plastik verpackt werden, damit es nicht zu einer Vermischung mit den konventionell erzeugten Erdbeeren kommt, welche in offenen Pappschalen gekauft werden können.

In Discountern ist das Angebot von Bio-Erdbeeren eher gering. Die geringere Umschlaggeschwindigkeit im Vergleich zu den konventionellen Produkten ist bei der schnellen Verderblichkeit der Bio-Erdbeeren ein Problem. In der Regel beträgt die Verkaufsfähigkeit von vollreif geernteten Erdbeeren nur ein bis zwei Tage. Entsprechend schnell müssen die Beeren bei den Kundinnen und Kunden ankommen. Gängige Verpackung für das ökologisch erzeugte Beerenobst ist im Discounter die PET-Kunststoffschale mit Deckel. Ungeachtet dieser umweltunfreundlichen Verpackungsform haben die Discounter beim Absatz von Bio-Erdbeeren in den vergangenen Jahren etwas zugelegt. So wurden 2019 immerhin sechs Prozent aller Bio-Erdbeeren in Discountern gekauft.

Regionalität spielt eine große Rolle

Mit Abstand die wichtigsten Einkaufsstätten für Bio-Erdbeeren sind der Naturkosthandel und die Direktvermarktung. Viele Bio-Betriebe in Deutschland haben sich auf den Anbau von Erdbeeren spezialisiert und bieten, neben dem Ab-Hof-Verkauf oder Wochenmarktstand, auch zunehmend Selbstpflücke an. Fast zwei Drittel der gesamten Bio-Erdbeereinkäufen werden im Fachhandel und den erzeugernahen Einkaufsstätten wie Wochenmärkten und Ab-Hof-Verkauf getätigt. Dort werden sie in offenen Schalen bis hin zu großen Spankörben angeboten.

Bei Bio-Erdbeeren wird immer mehr auf die Herkunft geachtet. "Allein das Merkmal „aus deutscher Produktion" reicht nur in der frühen Saison", so Norbert Schick von Grell Naturkost. Während der Hauptsaison für den Freilandanbau im Juni entscheiden sich Verbraucherinnen und Verbraucher oft wegen der Regionalität zum Kauf. Während sich das Angebot beim Bio-Großhandel oft aus vielen kleineren Erzeugungsbetrieben zusammensetzt, gehen Filialisten bevorzugt feste Lieferverträge mit einzelnen Produzenten ein. In diesem Zusammenhang ist immer wieder die durchgehende Liefersicherheit ein Thema. Für weniger breit aufgestellte Handelsbetriebe oder Erzeugerbetriebe mit festen Abnahmeverträgen stellen tagelange Regenfälle oder Temperaturextreme eine Herausforderung dar. Der geschützte Anbau bietet da eine Alternative.

Verpackungsgrößen: 250 g und 300 g Schalen sind die Regel

Bei konventionellen Erdbeeren sind in der Vor- und Nachsaison Verpackungen in 250 g-Schalen geläufig, während in der Hauptsaison 500 g-Einheiten Standard sind. Bio-Erdbeeren werden in der Regel – auch in der Hauptsaison – meist in kleineren Schalen angeboten. Der Anteil von Verpackungseinheiten ab 400 g aufwärts beträgt bei Werbeaktionen im deutschen Einzelhandel weniger als zehn Prozent. Fast 70 Prozent der Aktionen bewarben 300 g-, gut 20 Prozent 250 g-Schalen.

Gründe für die kleineren Packungen sind die insgesamt geringere Warenverfügbarkeit und der kleinere Packungspreis. Dadurch kann mit attraktiveren Preisen pro Gebinde geworben werden. Denn selbst zur Zeit der Hochpflücke liegt der Kilopreis für Bio-Erdbeeren nur knapp unter sechs Euro. Schalen mit 300 g Erdbeeren ermöglichen so Aktionspreise für die Verbraucherinnen und Verbraucher ab 1,79 Euro pro 300 g, 250 g-Schalen sind ab 1,49 Euro erhältlich. "Lediglich bei sehr starkem Angebotsdruck wird auch auf größere Verpackungen in 400 g und 500 g gewechselt", sagt Carmen Kowalzek von Behncken’s Vierländer Gemüsestand. Absolute Ausnahme sind Ein-Kilo-Angebote. In den zurückliegenden drei Jahren lag deren Anteil bei Werbeaktionen unter zwei Prozent.

Aktuelle Saison: Beeinträchtigungen durch Covid-19

Von den Schutzmaßnahmen und Hygieneauflagen zur Eindämmung von Covid-19 bleibt in der Saison 2020 auch der Erdbeeranbau nicht verschont. Insbesondere die Abstandsregel stellt eine Herausforderung dar. Die volle Arbeitskapazität kann dadurch nicht ausgeschöpft werden, stattdessen wird teils nur mit der halben Belegschaft gearbeitet. Zudem fehlt es an Arbeitskräften. Durch die höheren Produktionskosten ist ein hohes Preisniveau für die Bio-Erdbeeren in dieser Saison sehr wahrscheinlich. Zumal im Zuge der Pandemie regionale Früchte bei den Konsumentinnen und Konsumenten einen anderen Stellenwert bekommen haben. So kauften Verbraucherinnen und Verbraucher nach dem Wegfall des Außer-Haus-Konsums bislang erheblich mehr frische Bio-Produkte für zu Hause. Dies taten sie aber bevorzugt im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

In der Direktvermarktung, speziell im Ab-Hof-Verkauf, hatte der Verkauf von Bio-Erdbeeren aufgrund der Corona bedingten Schutzmaßnahmen dagegen einen schwierigen Start. Viele Hofläden blieben zu Saisonbeginn geschlossen, selbst nach den Lockerungen sorgen die Hygiene-Auflagen für eingeschränkte Öffnungszeiten. Stattdessen wird mehr auf Selbstpflücke gesetzt. Dabei sind die einzuhaltenden Abstandsregeln deutlich einfacher einzuhalten. Bereits bei der Sortenwahl im Frühjahr wurden dieser Vermarktungsweg berücksichtigt.

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Letzte Aktualisierung 03.06.2020

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