Biorohstoffe sind gefragt

Biorohstoffe sind gefragt

Bio wächst weiterhin zweistellig. Bei vielen Produkten könnte der Markt sogar noch mehr wachsen, wenn genügend Biorohstoffe verfügbar wären. Verarbeitungsbetriebe stehen immer häufiger vor der Herausforderung, sichere Quellen für Rohstoffe zu finden. Am Beispiel Getreide, Futtermittel und Schweinefleisch zeigt Ökolandbau.de mögliche Strategien.

Mehr Tiere brauchen mehr Futter 

Die Biotiere in Deutschland benötigen Futtermittel – und mit den neu umgestellten Betrieben auch deutlich mehr davon. Nach Schätzungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) gelangen knapp zwei Drittel des in Deutschland verbrauchten Biogetreides ins Futter – rund 500.000 Tonnen (Stand: 2014). Die Erntemengen schwanken zwischen 735.000 Tonnen im Jahr 2012 und nur 649.000 Tonnen im Jahr 2015. Auch die Nachfrage nach Speiseware steigt bei allen Getreideprodukten außer Brot deutlich, so dass in Deutschland immer mehr Biogetreide nachgefragt wird. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 importierten die Verarbeitungs- und Handelsunternehmen deshalb gut 200.000 Tonnen Biogetreide nach Deutschland, davon war mehr als die Hälfte Weizen. Auch die Importe von Eiweißpflanzen, insbesondere Futtererbsen sind auf insgesamt 35.000 Tonnen gestiegen. Inzwischen stammt ein Drittel der Eiweißpflanzen aus dem Ausland.

Mit der Umstellung neuer Milchviehbetriebe auf ökologische Haltung werden bis 2017 zwischen 13.000 und 18.000 mehr Biomilchkühe erwartet, die allein rund 30.000 bis 40.000 Tonnen mehr Biogetreide fressen. Auch die Biolegehennenplätze sind 2015 nach amtlicher Statistik um weitere 400.000 gestiegen, die wiederum rund 20.000 Tonnen mehr Biogetreide verbrauchen. Die Bioackerflächen dagegen sind in Deutschland schon seit Jahren nicht mehr gewachsen und auch bei den neuen Betrieben stellen nur wenige Ackerbaubetriebe um. In den osteuropäischen Ländern sieht es mit dem Angebot schon etwas besser aus. Dadurch mag das Getreide europaweit noch verfügbar sein. Wirklich schwierig wird aber die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. 

Günstig oder sicher einkaufen? 

Insbesondere für den Anbau von Sonnenblumen und Sojabohnen, die als Ölkuchen wichtige Eiweißkomponenten darstellen, sind südeuropäische Standorte besser geeignet als Deutschland. Daher versuchen verschiedene Verarbeitungs- oder Handelsunternehmen direkte Kontakte zu Biobetrieben in Rumänien, Ungarn, der Slowakei, der Ukraine oder anderen Ländern aufzubauen. So wollen sie sicherstellen, wo die Ware herkommt und wie diese angebaut wird. Das kostet Zeit und Geld, schafft aber Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Der Wunsch vieler Verarbeitungsunternehmen in Deutschland ist es aber auch, mehr Biorohstoffe aus Deutschland einzusetzen. Erstens, weil die Herkunft Deutschland mit einer höheren Biosicherheit gleichgesetzt wird und zweitens, weil die heimische Herkunft der Vorstellung der Verbraucherinnen und Verbraucher von Bio entspricht. Außerdem haben Skandale in der Vergangenheit, wie der mit ukrainischem umdeklarierten Sonnenblumenkuchen, das Vertrauen in ausländische Herkünfte geschmälert. 

Insbesondere größere Mischfutterwerke sind aber auf die Lieferung großer Partien angewiesen und beziehen Schiffsware aus den gleichen Ländern, die häufig über Handelsunternehmen nach Deutschland gelangt. Günstige Ware ist vor allem dann gefragt, wenn Ware ohne Verbandssiegel unter Handelsmarken im Preiseinstiegssegment verkauft wird, sei es als Fleisch, Milch, Ei oder als Müsli. Natürlich versuchen alle Unternehmen so gute Produkte wie möglich anzubieten, müssen aber bei günstiger Ware besonders skeptisch sein, ob die Landwirtinnen und Landwirte ausreichend bezahlt wurden. 

Immer mehr langfristige Verträge 

Bioschweine waren und sind auch weiterhin knapp. So sind die Schlachtungen 2015 auf rund 220.000 bis 230.000 zurückgegangen. Seit der BioFach 2015 aber suchen Unternehmen, die vorrangig für die Discounter produzieren, vermehrt Bioschweine und Bioschweinefleisch. Diese waren aber schlichtweg ausverkauft oder vertraglich gebunden. Daher suchen nun Verarbeitungsunternehmen, die vorher auf dem freien Markt Teilstücke gekauft haben, Landwirtschaftsbetriebe mit denen sie direkte und langfristige Verträge abschließen können. Dadurch wären beide Seiten abgesichert – über Mengen und Preise. Außerdem versuchen jetzt auch diese Verarbeitungsunternehmen, alle Teilstücke des Schweins zu verarbeiten und haben dadurch weitere Produkte entwickelt. Verträge von bis zu zehn Jahren sind den Landwirtinnen und Landwirten angeboten worden. Nichtsdestotrotz versorgen sich verschiedene Verarbeiterinnen und Verarbeiter weiterhin über den freien, zurzeit immer noch leergefegten Markt. Sie hoffen auf niedrigere Preise, wenn sich das Angebot wieder erholt hat. 

Ähnlich langjährige Liefervereinbarungen werden zunehmend über Biogetreide abgeschlossen. Kontrakte über Dinkel oder Hafer von bis zu fünf Jahren sind keine Seltenheit. Insbesondere Dinkel war in den vergangenen Jahren knapp, so dass sich einige Verarbeitungsunternehmen mit langjährigen Verträgen abgesichert haben. Dadurch kommt es insgesamt zu weniger Preisschwankungen und einer besseren Planbarkeit für beide Seiten. 

Um die heimische Erzeugung von Biorohstoffen voranzutreiben, wird es zunehmend wichtiger, verlässliche und langfristige Kooperationen einzugehen. Solchermaßen ist den Verarbeitungsunternehmen und den Landwirtinnen und Landwirten gedient. Beide Seiten brauchen ein gewisses Maß an Planungssicherheit, um ein eventuelles finanzielles Risiko absichern zu können. Auf Verbraucherebene müsste die heimische Herkunft von Biorohstoffen besser kommuniziert werden, um diesen Zusatznutzen klar zu erkennen. Der Handel kann dann mit den heimischen Rohstoffen auch werben und sich darüber profilieren.


Letzte Aktualisierung 16.10.2018

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

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