Bio-Importe 2019

Bio-Importe sinken wegen höherer Selbstversorgung

Immer mehr deutsche Landwirtschaftsbetriebe stellen seit 2016 auf Bio-Produktion um. So lag zum Beispiel 2019 die produzierte Bio-Milch-Menge um 62 Prozent höher als 2015. Die Bio-Ackerfläche ist um 53 Prozent gewachsen, die Schweinebestände um 57 Prozent und die Grünlandfläche um 43 Prozent. Die inländische Rohwarenproduktion, die lange Zeit der Nachfrage in Deutschland hinterherhinkte, trägt nun stärker zur Versorgung bei und drängt bei verschiedenen Produkten die Importe zurück.

Bio-Getreideimporte nehmen ab

Fast eine Million Tonnen Bio-Getreide wurden 2019 in Deutschland geerntet – so viel wie noch nie! Die Erntemenge wuchs um rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund war vor allem die größere Anbaufläche. Die Ernteerträge pro Hektar fielen bei den meisten Getreidearten bedingt durch die Trockenheit gering aus. Die Futterversorgung war durch die höhere Verfügbarkeit an Umstellungsware zwar besser als in den Vorjahren, die größere Anzahl an Bio-Betrieben führte jedoch auch zu einer größeren Nachfrage.

Die Bio-Getreideimporte sind 2018/19 das zweite Jahr in Folge gesunken. Der Importanteil aller Getreidearten betrug nur noch 17 Prozent, 2016/17 lag er noch bei 26 Prozent. Verarbeiter bevorzugen eindeutig inländische und EU-Ware.   Die Ukraine verlor als Lieferland für Bio-Getreide dadurch deutlich an Bedeutung. Wichtigste Lieferanten sind Rumänien, die Slowakei und Polen. Für 2019/20 wird mit weiter sinkenden Importen von Bio-Getreide gerechnet.

Milchimporte nur leicht gesunken

Trotz deutlich gestiegener Milchanlieferung seit 2017 sind die Importmengen an Bio-Milch auch 2019 nur leicht gesunken. Denn die Nachfrage nach Bio-Milch- und Molkereiprodukten ist ungebrochen groß und allein 2019 bei fast allen Produkten zweistellig gestiegen.

Bei einer inländischen Produktion von 1,185 Milliarden Kilogramm ist die Importmenge 2019 bei knapp 500 Millionen Kilogramm stabil geblieben. Der Importanteil bei Milch – umgerechnet in Milchäquivalente – ist demnach leicht auf 29 Prozent gesunken. 2015 lag er noch bei 33 Prozent. Maßgebliche Lieferländer für den deutschen Bio-Markt sind Österreich und Dänemark. Die Nähe zu Deutschland hat hier seit vielen Jahren zu etablierten Lieferwegen geführt. So liefern beispielsweise österreichische Bauern Rohmilch an bayerische Molkereien, und österreichische Molkereien liefern Joghurt, Trinkmilch oder Käse an deutsche Supermärkte. Mit einer konsequenten Mengensteuerung und Wartelisten haben die Molkereien den Bio-Milchpreis in Deutschland trotz Produktionssteigerung stabil halten können.

Für Umsteller in Deutschland ergeben sich Chancen, wenn die Wartelisten wieder geöffnet werden und die Molkereien gute Absatzmöglichkeiten für die Produkte sehen. Besonders gefragt sind Demeter-Milch oder Weide- und Heumilch. Wichtig ist es für umstellungsinteressierten Betriebe, sich vorab um die Vermarktung zu kümmern und in Kontakt mit möglichen Abnehmern zu treten.

Importe von Bio-Schweinen stabil, bei Bio-Rindern zurückgegangen

Das Angebot von heimischen Bio-Rindfleisch wuchs 2019. Dies lag zum einen daran, dass ein größerer Anteil der Bio-Rinder auf dem Biomarkt verkauft und nicht konventionell vermarktet wurde. Zum andern gab es ein größeres Angebot an Altkühen. 2018 und 2019 war nach den trockenen Sommern die Versorgung mit Bio-Grundfutter in manchen Regionen knapp. Deshalb wurden vermehrt Absetzer konventionell verkauft. Gleichzeitig haben seit 2017 auch einige Rindermast- und Mutterkuhbetriebe umgestellt, welche die Knappheit wieder ausglichen. Aus Österreich und Dänemark sowie dem Baltikum kommen Altkühe, die meist zu Hackfleisch verarbeitet werden. Rindfleisch aus Südamerika oder Irland, das für den konventionellen Markt in größeren Mengen importiert wird, spielt auf dem Bio-Markt keine Rolle. Die Importrate bleibt bei Bio-Rindfleisch bei geringen acht Prozent stabil.

Die Nachfrage nach Bio-Schweinen hat sich 2019 deutlich erhöht. Verschiedene Handelsketten haben sowohl ihr Schweinefleischangebot erweitert, als auch wieder gemischtes Hackfleisch in die Regale gestellt. Gleichzeitig sind die Bestände nach 20 prozentigem Zuwachs 2018 ein Jahr später kaum noch größer geworden. Schon im Herbst 2019 wurde die Versorgung knapper, und auch 2020 ist – auch wegen der Corona-Krise – das Angebot an Bio-Schweinen zu gering. Die Importe aus den Niederlanden sind 2019 leicht gestiegen, die dänischen Importe leicht gesunken. Immer noch stammten 24 Prozent des Bio-Schweinefleisches aus den Nachbarländern.

Bessere Inlandsversorgung bietet Chancen für die Verarbeitung

Mit der besseren Versorgung mit inländischer Ware bei vielen Bio-Produkten können Verarbeitungsunternehmen aus dem Vollen schöpfen. Jetzt besteht die Möglichkeit, inländische Ware auch als solche auszuloben. Einige Vollsortimenter oder auch Discounter tun das mit eigenen regionalen Produktranges oder der Auslobung von Verbandsware. Die Verarbeiter können mit dem größeren Angebot besser die deutsche Herkunft garantieren.

AMI analysiert Marktversorgung mit Bio-Produkten

Alljährlich analysiert die AMI die Importe der wichtigsten Bio-Produkten nach Deutschland. Basis für die Auswertung der Importentwicklung ist eine Befragung von mehr als 370 importierenden Unternehmen in Deutschland, Gespräche mit Fachleuten und die Analyse des GfK-Haushaltspanels.


Letzte Aktualisierung 02.07.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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Meldungen zum Bio-Markt

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bietet zahlreiche Bilanzen, Studien und Charts rund um den Bio-Markt an.

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