Bio-Direktvermarktung – Jahresumsätze 2018

Bio-Direktvermarkter – Hofläden, Wochenmärkte und Versandhandel in Zahlen

Das Projekt "Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt – Verbesserung der jährlichen Marktschätzung unter besonderer Berücksichtigung des Lebensmitteleinzelhandels und der 'sonstigen Einkaufsstätten" wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert.

3.830 direktvermarktende Bio-Betriebe ermittelt

Nach fast dreijähriger Recherche hat die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) die Adressen von insgesamt 2.948 Hofläden, 845 Versandhändlern und 244 Wochenmarktbeschickern mit Bio-Angebot in Deutschland zusammengetragen. Die meisten dieser direktvermarktenden Einkaufsstätten befinden sich mit Abstand in Bayern (23 Prozent). Es folgen Baden-Württemberg (14 Prozent), Nordrhein-Westfalen (13 Prozent), Niedersachsen (12 Prozent) und Berlin/Brandenburg (9 Prozent).

Für die Adressrecherche wurden sowohl die Bio-Einkaufsführer der Bundesländer als auch die Internetplattform bioC.info genutzt. Auf dieser Internetseite sind die Bio-Zertifikate von Bio-Unternehmen, die von 13 der 17 in Deutschland zugelassenen Kontrollstellen kontrolliert wurden, sowie die Bio-Zertifikate der Mitglieder von fünf Bio-Verbänden gelistet. Die recherchierten Einkaufsstätten wurden online jeweils 2018 und 2019 über einen Fragebogen zu ihrem Bio-Umsatz und dem Bio-Anteil am gesamten Umsatz mit Lebensmitteln an Endverbraucherinnen und -verbraucher in den Jahren 2017 und 2018 befragt. Insgesamt konnten 3.830 direktvermarktende Betriebe befragt werden – bei nicht allen der 4.037 konnte die AMI eine E-Mail-Adresse finden.

Umsätze sehr unterschiedlich

Von den befragten Unternehmen machten 455 Direktvermarkter Angaben zu ihren Umsätzen, davon 197 Hofläden, 84 Wochenmarktbeschicker und 79 Versandhändler. Die ermittelten Umsätze unterscheiden sich stark je nach Betrieb, spiegeln aber die Bandbreite der direktvermarktenden Betriebe gut wider. Häufig nutzen die Betriebe auch mehrere Vermarktungswege. So machen sie ihre Umsätze nicht nur mit dem Hofladen, sondern auch auf Wochenmärkten oder mit dem Versand von Abokisten. 2019 wurde die Umfrage so angepasst, dass diese Umsätze den einzelnen Geschäftstypen zugeordnet werden konnten, während sie in der vorherigen Befragung zum Hauptgeschäftstyp gezählt wurden. 

Für die Hofläden ermittelte die AMI einen durchschnittlichen Umsatz von 82.500 Euro pro Jahr. Dieser Wert liegt deutlich unter den Erwartungen. Allerdings haben sich viele Nebenerwerbslandwirtinnen und -landwirte beteiligt, die zum Beispiel saisonal Obst oder Kartoffeln vermarkten. Außerdem hat die AMI alle Betriebe mit mehr als 50.000 Euro Nettozukauf herausgerechnet. Diese Betriebe werden nach Definition des Projektteams "Marktdaten Naturkosthandel" zum Naturkosthandel gezählt. Der Wert liegt auch weit unter dem, was normalerweise in betriebswirtschaftlichen Berechnungen als Durchschnittsumsatz unterstellt wird. Rechnet man die Betriebe mit mehr Netto-Zukauf dazu, ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresumsatz von 214.000 Euro, das entspricht eher einem "normalen" Hofladen.

Als durchschnittlichen Umsatz der Wochenmarktbeschicker hat die AMI 284.000 Euro ermittelt. Dabei wird nicht ein einzelner Wochenmarktstand gezählt, sondern das Unternehmen, welches die Stände betreibt. Über die Anzahl der Wochenmarktbeschicker gab es im Laufe des Projektes viele Diskussionen – und nach wie vor sind sich Expertinnen und Experten einig, dass deren ermittelte Anzahl zu gering ist. Auch hier gibt es bei den Umsätzen eine hohe Bandbreite von Betrieben mit einem Stand und 20.000 Euro und Wochenmarktspezialisten mit bis zu 11 Millionen Euro Umsatz.

Auch bei den Versandhändlern ist die Bandbreite hoch: Ihre Umsätze lagen zwischen 5.000 Euro und 4,7 Millionen Euro. Im Durchschnitt erzielten die Versandhändler und Versandhändlerinnen, zu denen auch Abokistenversender zählen, 511.000 Euro. Die Adressgrundlage hatte sich bei den Versandhandelsunternehmen für die zweite Befragungsrunde deutlich vergrößert, sodass mehr spezialisierte Händlerinnen und Händler, wie zum Beispiel Tee- oder Weinhändlerinnen und -händler, Angaben zu ihren Umsätzen machten.

Zukauf bei den Versandhändlern am größten

Erstmals wurden auch Daten über den Zukauf der Direktvermarkterinnen und -vermarktern erhoben. Die Versandhändler haben unter den Einkaufsstätten den höchsten Zukaufanteil (77 Prozent). Allein Betriebe mit Abokistenversand bieten meist über das ganze Jahr hinweg ein breites Sortiment an Bio-Produkten an. Online-Händler mit speziellen Warengruppen – zum Beispiel Tee, Getränken oder Trockenprodukten – produzieren in der Regel nicht selbst. Genauso werden auf den Wochenmärkten breite Sortimente angeboten, die mit zugekauften Waren ergänzt werden.

Die Hofläden haben mit 28 Prozent einen vergleichsweise kleinen Zukaufanteil. Allerdings sind in dieser Betrachtung die größeren Hofläden mit mehr als 50.000 Euro netto Zukauf herausgerechnet. Zählt man sie hinzu, erhöht sich der Anteil des Zukaufs auf 61 Prozent. Es wird also deutlich, dass insbesondere größere Direktvermarkter einen Großteil ihrer Ware zukaufen, während kleinere Betriebe zum größeren Teil eigene Produkte verkaufen.

Über 1,5 Milliarden Euro Umsatz

Aus der ermittelten Anzahl der Geschäfte und den durchschnittlichen Umsätzen konnte die AMI eine Hochrechnung über die Gesamtgröße dieser Einkaufsstätten zusammenstellen. Dazu wurden für die Anzahl der Geschäfte teilweise Korrekturfaktoren verwendet. Für die direktvermarktenden Betriebe hat die AMI für 2018 einen Umsatz von 706 Millionen Euro ermittelt. Zusammen mit den Bäckereien, Metzgereien und den Reformhäusern, die auch in diesem Projekt betrachtet wurden, ergibt sich damit ein Jahresumsatz der Einkaufsstätten außerhalb des Lebensmitteleinzelhandels und Naturkosthandels von 1,58 Milliarden Euro.


Letzte Aktualisierung 30.03.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

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