Bio-Lebensmittel wurden 2020 teurer

Bio-Lebensmittel wurden 2020 teurer

Die Preise von frischen Bio-Lebensmitteln sind 2020 um fast drei Prozent gestiegen. Vor allem pflanzliche Produkte wie Obst und Gemüse verteuerten sich deutlich gegenüber dem Vorjahr. Konventionelle Lebensmittel wurden sogar um gut vier Prozent  teurer.

Die Preise für frische Bio-Lebensmittel sind 2020 gestiegen. Im zweiten Halbjahr sorgte die temporäre Senkung des Mehrwertsteuersatzes dafür, dass der Preisauftrieb insgesamt nachließ, so der AMI-Verbraucherpreisspiegel.

Bei konventionellen Lebensmitteln sind die Verbraucherpreise noch deutlich stärker gestiegen als bei Bio-Produkten, nämlich um knapp fünf Prozent. Auch hier waren insbesondere die Preise für Obst und Gemüse, aber auch Schweinefleisch betroffen. Seit der Mehrwertsteuersenkung im Juli 2020 ist die Teuerungsrate frischer Lebensmittel beinahe kontinuierlich zurückgegangen. Im Dezember wurden erstmals und einmalig günstigere Lebensmittelpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat registriert  . Mit der Zurücksetzung der Mehrwertsteuer auf den regulären Satz dürften sich die Lebensmittelpreise im Januar wieder etwas erhöhen.

Hohe Nachfrage, Fröste, teurere Logistik lassen Obst und Gemüse teurer werden

Insbesondere die Ladenpreise für frisches Bio-Obst- und -Gemüse stiegen 2020 an. So konnte im Frühjahr das Angebot nicht mit dem Corona-bedingten Nachfrageanstieg Schritt halten. Frostnächte im April und Mai in Deutschland, aber auch in anderen wichtigen Produktionsländern Europas, führten im Erntejahr 2020 zu immensen Ausfällen bei Sommerobst. Die Verbraucherpreise zogen deutlich an.

Bei Gemüse waren nicht unbedingt die Erntemengen zu klein. Insbesondere im Frühjahr fehlten die Erntehelfer sowohl in Deutschland als auch in den südeuropäischen Lieferländern – und die Transporte dauerten oftmals länger als sonst. Die Kundinnen und Kunden mussten entsprechend mehr für Obst und Gemüse zahlen. Im Sommer hatten sich die Logistikströme sortiert und auch die Erntehelferinnen und -helfer konnten wieder geregelter arbeiten, sodass das Bio-Obst- und Gemüseangebot wieder größer ausfiel. Damit sanken auch die Ladenpreise wieder etwas. Allerdings haben sich die Produktionskosten mit den während der Pandemie eingeführten Hygiene- und Abstandsregeln dauerhaft erhöht.

Der Außer-Haus-Verzehr erholte sich zwar nach April 2020 wieder etwas, erreichte aber im Sommer und Herbst noch nicht wieder das Vorkrisenniveau. Die Gemeinschaftsverpflegung wurde ebenfalls nur zögernd wieder hochgefahren. Der erneute Lockdown im November 2020 stoppte den zögerlichen Erholungstrend dann abrupt und hat dem Lebensmitteleinzelhandel wie im Frühjahr erneut Rekordumsätze beschert.

Der gestiegene Umsatz mit Obst und Gemüse lässt sich auch damit erklären, dass Verbraucherinnen und Verbraucher häufiger selber kochten und auf frische Lebensmittel achteten. Zitrusfrüchte, Beeren, Ingwer waren dann auch trotz höheren Preisen die Renner am Bio-Obstmarkt. Außerdem wurde regionales Obst bei den Konsumentinnen und Konsumenten immer beliebter. Die Preise waren vor allem in den Sommermonaten hoch. Davon profitierte im Herbst auch noch das Kernobst. 

Um auf ihr Angebot von Obst und Gemüse aufmerksam zu machen, haben die Einzelhandelsketten durchaus auch mehr für Werbung ausgegeben. Bei sechs der acht am meisten beworbenen Obst- und Gemüsearten ist die Zahl der Werbeaktionen teils deutlich gestiegen. Nur bei Äpfeln und Möhren, deren Angebot das ganze Jahr über vergleichsweise klein war, haben die Ketten weniger Anzeigen geschaltet. Insbesondere beim Fruchtgemüse und Zitrusfrüchten hat sich die höhere Zahl an Werbeaktionen auch in den Verkäufen niedergeschlagen. Die Werbeaktionen locken nicht nur Kundschaft in die Läden, sie können auch in Absprache mit den Produktionsbetrieben beim Abbau von kurzfristigen Überschüssen helfen.

Große Bio-Fleischnachfrage + höhere Produktionskosten = höhere Verbraucherpreise

Die große Nachfrage nach Bio-Fleisch – die Konsumentinnen und Konsumenten haben 2020 fast 50 Prozent mehr Bio-Fleisch gekauft als 2019 – hat auch die Verbraucherpreise steigen lassen. So haben die Handelsketten ihre Sortimente erweitert. Mit den Corona-Fällen in verschiedenen Schlachthöfen kam es teilweise zu Verzögerungen bei den Schlachtungen, was zusammen mit den Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen langfristig die Schlacht- und Zerlegekosten erhöht hat. Dadurch ist Bio-Fleisch für die Verbraucherinnen und Verbraucher teurer geworden ist. Außerdem hat sich die Produktvielfalt vergrößert, wodurch auch mehr höherwertige Fleischartikel in die Läden gelangt sind. Dennoch bestehen die Bio-Fleischkäufe nach wie vor zu 61 Prozent aus Hackfleisch. Beide Segmente, das Einstiegsprodukt Hackfleisch als auch höherwertige Fleischprodukte sind demnach gleichermaßen gewachsen.

Noch stärker als rotes Fleisch hat auch Bio-Geflügel beim Verkauf zugenommen – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Die Kundinnen und Kunden haben 2020 rund 53 Prozent mehr Bio-Geflügel gekauft, und sich dabei nicht von den fünf Prozent höheren Preisen abhalten lassen. Erst im zweiten Halbjahr hatte sich das Angebot soweit erhöht, dass die hohe Nachfrage auch annähernd bedient werden konnte. Bei Geflügel hat sich aber auch das Sortiment vergrößert, besonders in den Vollsortimentern, aber zum Beispiel auch bei Lidl, der zuvor kein Bio-Geflügel im Sortiment hatte.

Einige günstigere Lebensmittel

Einige Bio-Lebensmittel sind 2020 auch günstiger geworden. 2019 kam es bei Kartoffeln beispielsweise zu besonderen Preisanstiegen, da auch die Erzeugerpreise auf hohem Niveau lagen. Seit der Ernte 2020 erhalten bei hoher Ernte auch die Landwirtschaftsbetriebe deutlich weniger für ihre Bio-Kartoffeln – zusammen mit den konventionellen Kartoffeln, deren Absatz und Preise wegen der fehlenden Außer-Haus-Vermarktung insbesondere bei Pommes zurückging. Damit haben auch die Bio-Erzeuger- und Verbraucherpreise nachgegeben.

Die Verbraucherpreise für Bio-Eier sind fast stabil geblieben, weil die Handelsketten die Preise in der Regel für ein ganzes Jahr mit den Packbetrieben Abpackern   verhandeln und die meisten Eier über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet werden. Herrschte zum Jahresanfang 2020 ein leichter Überschuss, hat sich dieser durch die hohe Nachfrage in der Krise schnell aufgelöst.

Die leichten Preisrückgänge bei Käse und Speiseöl lassen sich durch veränderte Sortimente erklären. Immer noch liegt der Fokus bei Bio-Speiseölen auf Olivenöl und Spezialölen, aber immer häufiger griffen die Verbraucherinnen und Verbraucher auch zu günstigeren Ölen wie Bio-Sonnenblumenöl oder Bio-Bratöl. Ähnliche Verschiebungen gab es auch beim Bio-Käse: Schnittkäse und Frischkäse, beides eher günstige Produkte unter den Käsesorten, haben am meisten zugelegt.

Bei Kartoffeln und auch vielen Obst- und Gemüsearten, die unverarbeitet vermarktet werden, wirken sich die Erzeugerpreise in der Regel direkt auf die Verbraucherpreise aus. Das ist bei verarbeiteten Produkten meistens nicht der Fall. Preiseänderungen auf Erzeugerseite kommen erst verzögert oder gar nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Das passiert insbesondere bei Produkten wie Fleisch oder Trinkmilch, welche die Einzelhandelsketten zu möglichst günstigen stabilen Preisen positionieren.

Preisstellungen der verschiedenen Produkte sind für die Läden ein Abwägen aus Einkaufskosten, Wettbewerb mit benachbarten Läden, Wahrnehmung bei der Kundschaft und vielen anderen Faktoren. Letzten Endes ist eine Frage der Positionierung des eigenen Ladens und eine Einschätzung der Kundschaft. Eine Möglichkeit, auf Preise aufmerksam zu machen, wäre auch „wahre Preise“ auszuloben, wie Penny es in einer Berliner Filiale ausprobiert hat.  Penny hatte in einem Versuch für verschiedene Produkte Preise ausgewiesen, welche die ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette im Verkaufspreis berücksichtigt. An der Kasse mussten zwar nur die „normalen Preise“ bezahlt werden. Trotzdem lenkt die Aktion die Aufmerksamkeit der Kundschaft auf die Wertschöpfungsketten und die Produktion der Produkte.


Letzte Aktualisierung 10.02.2021

BÖLW – Branchenreport 2021

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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