Onlinehandel

Onlinehandel als Chance?

Im Jahr 2015 wurden 1,2 Prozent aller in Deutschland gekauften Lebensmittel über einen Online-Versand bestellt. Spätestens seit dem Eintritt von Amazon in den Versand von Lebensmitteln im Frühjahr 2014 stellt sich die Frage, wie erfolgreich der Onlinehandel insbesondere mit Biolebensmitteln in Zukunft sein wird. Laut einer Prognose der Beratungsgesellschaft Ernst & Young wird der jährliche Onlineumsatz mit Lebensmitteln von 0,56 Milliarden Euro im Jahr 2014 bis 2020 auf rund 20 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Damit erhöht sich der Marktanteil von rund 0,4 Prozent im Jahr 2014 auf dann zehn Prozent. Ein Grund für diesen Anstieg werden die sogenannten "Cross-Channel-Kunden" sein, die verschiedene Vertriebs- und Informationskanäle gleichzeitig nutzen. Sie informieren sich im Laden und kaufen dann online ein. 

Zielgruppen für den Onlinehandel

Ein wichtiger Grund für den prognostizierten Boom ist das steigende Angebot im Netz und zahlreiche neue Zielgruppen. Vor allem junge, internetaffine Kundinnen und Kunden werden den Service, Lebensmittel online zu bestellen, vermehrt nutzen. Gleichzeitig gibt es immer mehr Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind und wenig Zeit zum Einkaufen bleibt. Der Onlinehandel bietet auch für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten, wie zum Beispiel Zöliakie, eine einfache Möglichkeit, spezielle Produkte zu finden. Das Gleiche gilt für Spezialitäten. Durch den Onlinehandel können zudem neue Kundinnen und Kunden generiert werden, die in Gebieten mit fachhändlerischer Unterversorgung leben. Nicht zu unterschätzen ist auch der demografische Wandel in unserer Bevölkerung: immer mehr immobile aber internetaffine Menschen werden den Service der Lebensmittellieferung bis vor die Haustür nutzen.

Das richtige Logistikkonzept – die Achillesferse

Über die Plattform Amazon werden aktuell rund 25.000 Bioartikeln angeboten, wobei der größte Teil der Produkte über Zwischenhändler, Bioonlineshops oder den stationären Fachhandel angeboten werden. REWE und andere Lebensmittelhändler arbeiten intensiv an attraktiven Onlineangeboten und der Verzahnung von stationärem und Onlinehandel. So bietet REWE seinen Lieferservice mit einem großen Angebot an Bioprodukten inzwischen in allen großen Städten an. Aber es gibt auch reine Bioonlinehändler mit bundesweiter Auslieferung, wie amorebio oder Natur.com mit einem umfangreichen Sortiment von Obst und Gemüse über Wurst bis zu Trockenprodukten. Auch mancher stationäre Biohändler und Liefer- und Abokistenservice bietet eine Onlinebestellung an. Aber noch steckt der Verkauf von Biolebensmitteln im Internet in den Kinderschuhen und mancher Ansatz scheitert an den noch fehlenden innovativen Logistikkonzepten. Denn bisher sind die Kosten für Auslieferung und die nicht optimalen Lieferzeiten (meist dann wenn die Kundin oder der Kunde nicht zu Hause ist) eines der größten Hemmnisse.

Die Frage: Bedrohung oder Chance für den Biohandel?

Noch ist der stationäre Biohandel im Onlinegeschäft nur wenig präsent, besonders wenn es um Frischware geht. Das Einkaufsverhalten der Kernzielgruppe des Biohandels wird sich allerdings ändern und beide Vertriebsformen, stationär wie digital, werden stärker genutzt werden. Hier liegt die Chance für den Biohandel: Vorreiter werden mit innovativen Konzepten, die beide Vertriebskanäle bedienen. Die Herausforderung liegt darin, die Fachhandelskompetenz, sprich insbesondere die Beratungstätigkeit, mit den Vorlieben der Kundschaft und einem hohen Maß an Flexibilität und Mobilität zu verbinden.


Letzte Aktualisierung 30.11.2017

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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Meldungen zum Bio-Markt

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bietet zahlreiche Bilanzen, Studien und Charts rund um den Bio-Markt an.

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