Transparenz beim Kauf von Bio-Lebensmitteln

Mehr Transparenz beim Kauf von Bio-Lebensmitteln: So kann es gehen!

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher legen besonderen Wert auf nachhaltige und regionale Produktion zu fairen Bedingungen. Verschiedene Vermarktungskonzepte garantieren eine hohe Transparenz beim Ein- und Verkauf von Lebensmitteln.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wünschen sich mehr Transparenz beim Einkauf von Lebensmitteln, wie eine Studie von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. zeigt. Drei Viertel der Befragten wünschen sich demnach exakte Informationen über die Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln und Getränken, jeder Zweite (51 Prozent) achtet beim Einkauf auf Siegel oder Label wie das Bio-Siegel. Wichtige Aspekte sind zudem Themen wie Tierwohl und Nachhaltigkeit (87 Prozent) sowie Regionalität (71 Prozent). Beim Ernährungsreport 2021 des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung gaben sogar 82 Prozent der Befragten an, dass sie auf regionale Produkte beim Einkauf achten. Für qualitativ hochwertige Produkte sind die Konsumentinnen und Konsumenten zudem gewillt, mehr Geld auszugeben. "Wer mehr Geld für Lebensmittel ausgibt, wirft weniger davon in den Müll. Mehr Transparenz ist eine Win-Win-Situation für alle: die Umwelt, die Erzeugungsbetriebe und für die Verbraucherinnen und Verbraucher", heißt es in der Bitkom-Studie weiter.

Im Folgenden werden drei unterschiedliche Ansätze vorgestellt, die alle zum Ziel haben, die Transparenz beim Ein- und Verkauf von (Bio-) Lebensmitteln zu erhöhen.

Marktschwärmer fördert faire Produktions- und Handelsketten

Marktschwärmer beschreibt sich selbst als eine Kombination aus Onlineshop und Bauernmarkt. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Erzeugerinnen und Erzeuger regionaler Lebensmittel, oftmals auch in Bio-Qualität, zusammenzubringen und einen Austausch zu ermöglichen. Bestellt und bezahlt werden die Waren online, die Bestellung kann einmal pro Woche zu festgelegten Zeiten in der nächstgelegenen Schwärmerei, quasi dem Marktplatz, abgeholt werden. 2011 entstand das Projekt als "La Ruche Qui Dit Oui!" in Frankreich, 2014 eröffnete die erste Schwärmerei in Deutschland. Aktuell (Stand Mai 2021) befinden sich in Deutschland 140 Schwärmereien in elf Bundesländern, Tendenz steigend. Im Durchschnitt legen die rund 2.000 registrierten Erzeugerinnen und Erzeuger 40 Kilometer Strecke zur Schwärmerei zurück und beliefern insgesamt 34.000 aktive Kundinnen und Kunden. Die Zahl der registrierten Nutzerinnen und Nutzer liegt viereinhalbmal höher.

Transparenz, Nachhaltigkeit und Regionalität steht bei diesem Konzept an vorderster Stelle. Wer eine Schwärmerei beliefert, zahlt derzeit eine Servicegebühr in Höhe von 18,35 Prozent des Nettoumsatzes. Davon erhält die Gastgeberin oder der Gastgeber der Schwärmerei 8,35 Prozent für Organisation, Werbekosten und Betreuung der lokalen Gemeinschaft. Daneben fließen zehn Prozent an das Marktschwärmer-Team für Betrieb und Weiterentwicklung der Online-Plattform sowie die Betreuung der Marktbeteiligten.

Weitere Vorteile beim Beliefern einer Schwärmerei sind neben der höheren Wertschöpfung durch den Wegfall von Zwischenhändlerinnen und -händlern auch die faire Preisgestaltung, die Risikominimierung durch Vorbestellung sowie die kurzen Markt- beziehungsweise Abholzeiten. Des Weiteren können die Produkte über die Plattform flexibel an die jeweiligen Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei kurzfristigen Lieferengpässen, angepasst werden. Voraussetzung, um eine Schwärmerei zu beliefern ist, dass die Produkte in derselben Region produziert werden, in der sie auch verkauft werden.

"Du bist hier der Chef!" – Die Verbrauchermilch ist erst der Anfang

"Du bist hier der Chef!" ist Teil einer internationalen Bewegung von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die sich aktiv bei der Mitgestaltung von fairen und nachhaltigen Produkten einbringen und somit das Konsumverhalten positiv gestalten möchten. Transparenz, Tierwohl, Regionalität und eine faire Vergütung für die Landwirtinnen und Landwirte zählen zu den Grundsätzen der Initiative. Ende 2016 entstand die Bewegung "C’est qui le patron!?" in Frankreich, 2019 gründete Nicolas Barthelmé den gemeinnützigen Verein "Die Gemeinschaft "Du bist hier der Chef! Die Verbrauchermarke" e.V." in Deutschland. Weitere Initiativen haben sich in Spanien, Italien, Griechenland, Belgien, Marokko und England mit den gleichen Zielen gebildet. Als erstes Produkt in Deutschland wurde im Juli 2020 die sogenannte Verbrauchermilch in den Handel gebracht, weitere Produkte wie Eier sollen bald folgen.

Wie funktioniert das Ganze? Mitmachen kann jeder und jede! Zunächst wählen die Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Internetseite ein Produkt aus, äußern ihre Erwartungen und Präferenzen mittels eines Online-Fragebogens, entscheiden über wichtige Produktmerkmale und bestimmen so den Verkaufspreis. Parallel dazu werden Landwirtinnen und Landwirte, Herstellerinnen und Hersteller sowie Händlerinnen und Händler gesucht, die das von den Verbraucherinnen und Verbrauchern gewählte Produkt in den Handel bringen. Danach überprüfen Mitglieder der Initiative auf der einen und ein externes Prüfinstitut auf der anderen Seite die Einhaltung der festgelegten Produktmerkmale.

Wie finanziert sich die Initiative? Fünf Prozent aller Umsätze, die unter der Verbrauchermarke „Du bist hier der Chef!“ verkauft werden, gehen an den gemeinnützigen Verein. Das Geld fließt unter anderem in die Vorbereitung der Fragebögen, die Entwicklung und Einführung der Produkte, den Aufbau der Community, die Suche und Betreuung der Partnerinnen und Partner und deckt zudem die Betriebskosten ab.

Kooperative Supermärkte setzen auf demokratische Entscheidungen

Ein weiteres Konzept gründet auf dem Prinzip der Genossenschaft, deren Grundideen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurzeln. Unter einer Genossenschaft versteht man einen Zusammenschluss von mehreren Personen, die gemeinsame wirtschaftliche Ziele verfolgen und dadurch günstiger wirtschaften können. Als Vorreiter und Vorbild der genossenschaftlichen beziehungsweise kooperativen Supermärkte gilt die 1973 gegründete Park Slope Food Coop in Brooklyn, New York, mit mehr als 17.000 Mitgliedern, die gleichzeitig auch Gesellschafter sind. Diese können hochwertige Lebensmittel, sehr oft nachhaltig produziert, verpackungsfrei und in Bio-Qualität, gegen geringe monatliche Mitarbeit in der Kooperative zu erschwinglichen Preisen einkaufen. Zudem werden auf diese Weise Personalkosten eingespart, da sich die Zahl der festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich reduziert. Ende 2017 eröffnete mit La Louve in Paris der erste kooperative Supermarkt Europas und zählt inzwischen schon 7.000 Mitglieder.

In Deutschland entstehen gerade mehrere kooperative Supermärkte: SuperCoop in Berlin, FoodHub in München und Köllektiv in Köln. Diese sehen sich selbst als lokalen Teil einer globalen Bewegung für eine sozial gerechte Veränderung des Lebensmittelsystems. Durch Kooperation, Teilnahme und Transparenz können die Konsumentinnen und Konsumenten dieses System laut SuperCoop aktiv mitgestalten und es allen Menschen ermöglichen, gute, gesunde und faire Produkte zu kaufen. Transparenz bezieht sich nicht nur auf die Produkte, über die möglichst viele Informationen geteilt werden, sondern auch auf die Preisgestaltung und die Entscheidung aller Mitglieder. Im Falle von SuperCoop sind die Generalversammlung und das Plenum die wichtigsten Entscheidungsgremien. Als Anteilseignerin und Anteilseigner hat jedes Mitglied eine Stimme und kann demokratisch beispielsweise bei den Kriterien für die Produktauswahl mitbestimmen.


Letzte Aktualisierung 16.06.2021

BÖLW – Branchenreport 2021

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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