FoodCoops

FoodCoops – Lebensmittel(einkaufs)gemeinschaften

Der Begriff FoodCoop fasst eine Vielzahl an Organisationsformen zusammen: Selbstversorger-Kooperativen, Lebensmitteleinkaufsgemeinschaften, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften, Community Supported Agriculture (CSA) und viele mehr.

Ein Rückblick

Aus Sorge vor steigenden Lebensmittelpreisen gründeten 1844 Weber in einer englischen Kleinstadt die erste Lebensmitteleinkaufsgemeinschaft beziehungsweise Konsumgenossenschaft. Die „Pioniere von Rochedale“ kauften Lebensmittel in größeren Mengen günstig ein, um sie in kleineren Posten an ihre Mitglieder zu verkaufen. Nach diesem Vorbild gründeten sich auch in Deutschland ab 1850 die ersten Konsumgenossenschaften. Im Jahr 1907 gab es bereits 1.200 Konsumvereine mit über eine Millionen Mitgliedern.

Von den Nationalsozialisten aufgelöst, wurden nach Kriegsende wieder Konsumgenossenschaften gegründet. Der steigende Lebensstandard und die Konkurrenz durch Warenhäuser und Discounter setzten sie unter Druck. Viele verschmolzen zur sogenannten Co op AG, die im Laufe eines großen Wirtschaftsskandals 1988/89 zerschlagen wurde. Für neuen Aufschwung sorgten nach dem Fall der Mauer die rund 200 Konsumgenossenschaften der DDR.

Einkaufsgemeinschaften heute

Die größte Konsumgenossenschaft ist heute in Norddeutschland tätig (coop eG) und betreibt ihre Läden unter der Marke SKY. Ein weiteres Beispiel ist KONSUM DRESDEN, eine Einkaufsgenossenschaft, die 1888 von sieben Dresdner Familien gegründet wurde. In ländlichen Regionen sind Konsumgenossenschaften als Dorfläden aktiv, um dort die Einwohnerinnen und Einwohner mit Einkaufsmöglichkeiten zu versorgen.

Einkaufsgemeinschaften B2B (Business to Business)

Als Zusammenschlüsse von Unternehmen erzielen sie durch die gemeinsame Beschaffung günstigere Preise und können die Kosten für Zwischenhandel und Logistik senken. Einkaufsgemeinschaften bilden ein Gegengewicht zur Marktkonzentration und ermöglichen die Beteiligung vieler kleiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Markt. Gerade für kleine Biohändlerinnen und -händler kann es sinnvoll sein, durch den gebündelten Einkauf bessere Konditionen auszuhandeln.

Einkaufsgemeinschaften B2C (Business to Consumer)

Bedeutend sind hierbei Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften: Beide Seiten gehen eine längerfristige wirtschaftliche Beziehung ein, die sie unabhängiger von Marktschwankungen macht und die Planungssicherheit erhöht. Als alternative Lebensmittelnetzwerke beziehen diese FoodCoops ökologisch erzeugte Produkte von lokalen/regionalen Landwirtinnen und Landwirten. Transparenz, faire Entlohnung, nachhaltige Lebensmittelproduktion und kleinbäuerliche Strukturen sollen gestärkt werden.

Bioläden und FoodCoops in Konkurrenz?

Gerade im Biomarkt haben sich einige FoodCoops erfolgreich etabliert. Beispiele hierfür sind die LPG aus Berlin (www.lpg-biomarkt.de), die Verbrauchergemeinschaft Dresden (www.vg-dresden.de) oder Schachtelhalm e.V. Naturkost in Witzenhausen (www.schachtelhalm-naturkost.de). Der Trend zur Bildung von Biolebensmittelkooperativen hält an.

Die Zielgruppen von Biohändlerinnen und -händlern und FoodCoops sind ähnlich, wobei Letztere vorrangig ihre Mitglieder versorgen. Wird nur der Grundbedarf durch die FoodCoop abgedeckt, kaufen die Mitglieder auch noch in anderen Einkaufsstätten ein. Biohändlerinnen und -händler sollten die Entwicklung aufmerksam beobachten, da FoodCoops zu Wettbewerbern auf dem Biomarkt werden können. Eine Strategie kann sein, sich als Händler/in in den Prozess einzubinden und, zum Beispiel, eine Verteilerfunktion zu übernehmen. Eine weitere Möglichkeit ist, mit anderen Biohändlerinnen und -händlern den Einkauf zu bündeln.


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Letzte Aktualisierung 30.11.2017

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