Biomineralwasser

Ist bei Wasser "Bio" wichtig?

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland trinken gerne Mineralwasser. Fast 150 Liter werden pro Kopf und Jahr konsumiert – Leitungswasser nicht mitgerechnet. Seit den siebziger Jahren hat sich der Verbrauch damit mehr als verzehnfacht. Vom Wasserboom profitieren auch ökologisch erzeugte Mineralwasser.

Was macht Mineralwasser aus?

In Deutschland gibt es über fünfhundert Mineralquellen und 34 Heilwasser. In mehr als 200 Unternehmen wird das Wasser direkt aus der Quelle gefördert. Aber Mineralwasser ist nicht gleich Mineralwasser. Für eine einheitliche Definition gibt es die deutsche Mineral- und Trinkwasserverordnung. Laut dieser Regelung hat Mineralwasser immer einen unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten natürlichen Ursprung. Es muss an der Quelle abgefüllt werden und darf nur nach genau definierten Vorgaben behandelt werden. Dazu gehört die Zugabe oder Entnahme von Kohlensäure sowie der Entzug von Eisen oder Schwefel.

Damit unterscheidet sich Mineralwasser deutlich von Tafelwasser, Sodawasser und Leitungswasser, das nicht mit einer Ursprungsquelle gekennzeichnet sein muss. Als einziges Lebensmittel in Deutschland erhält natürliches Mineralwasser eine amtliche Anerkennung. Dafür wird die Qualität laufend kontrolliert. Derzeit sind rund 850 natürliche Mineralwasser amtlich anerkannt.

Kann Wasser "bio" sein?

In der EU-Bio-Gesetzgebung sind Produkte tierischen und pflanzlichen Ursprungs enthalten. Mineralwasser gehört nicht dazu. Daher kam es zu einer Klage beim Bundesgerichtshof mit dem Verweis, dass Mineralwasser per se ein Naturprodukt sei und es kein Zutun und keinen Mehrwert gäbe, das ein Bio-Siegel rechtfertigen würde. Der Bundesgerichtshof wies die Klage ab und entschied "ja", es dürfe Biomineralwasser geben, sofern sich das Mineralwasser in puncto Schadstofffreiheit und umweltfreundlicher Herstellung von konventionellen Produkten deutlich abhebt. Dass das bei Biomineralwasser nach den Kriterien der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V. der Fall ist, hatte das Oberlandesgericht Nürnberg-Fürth bereits bestätigt.

Zur Sicherung der Reinheit sind ein flächendeckender Ausbau des ökologischen Landbaus sowie zusätzliches Engagement und regelmäßige Kontrollen nötig, mahnt die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V. Seit 2008 etabliert sie ein privatwirtschaftliches Bioqualitätssiegel für Mineralwasser, welches auch von den Bioverbänden Demeter, Bioland, Naturland und Biokreis unterstützt wird. Die Bedingungen für das Siegel basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und betreffen die Faktoren Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit, Mikrobiologie, Chemie, gutes Lebensmittel und transparente Information. 45 Kriterien mit Hunderten von Einzeluntersuchungen stehen dabei auf dem Plan (Mehr Infos unter www.bio-mineralwasser.de).

Höhere Anforderungen an Biomineralwasser

Grundsätzlich gelten für Biomineralwasser strengere Grenzwerte als die gesetzlich vorgegebenen sowie zusätzliche Grenzvorgaben für im Gesetz unberücksichtigte Substanzen. Neben den inhaltlichen Komponenten werden in den Biorichtlinien umweltrechtliche Vorgaben, Kriterien für eine ökologische und nachhaltige Unternehmensführung, Ansprüche an Qualitätssicherung und -dokumentation sowie gesundheitsfördernde Merkmale einbezogen.

In sechs Bereichen, die wiederum in 45 Einzelkriterien und Hunderten von Unterpunkten unterteilt sind, ist festgelegt, welchen Anforderungen ein Biomineralwasser genügen muss.

Die Hauptpunkte sind:

  • Nachhaltigkeit
  • Naturbelassenheit
  • Mikrobiologische Reinheit
  • Chemische Reinheit
  • Gutes Lebensmittel/Nutzwert
  • Transparente Deklaration.

So ist es nicht erlaubt, unerwünschte Inhaltsstoffe zu entfernen oder auszufällen. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sowie deren Abbauprodukte, Arzneimittel oder synthetische Süßstoffe dürfen nicht nachweisbar sein, da sie ein Indiz für den nicht ausreichenden Schutz der Quelle vor Außeneinflüssen sind.

Nachhaltigkeit wird sehr ernst genommen

Das Thema Nachhaltigkeit spielt für die Anerkennung als Biomineralwasser eine große Rolle. Es wird von den Unternehmen erwartet, dass sie sich ökologisch aber auch sozial vorbildlich verhalten. Dazu gehört ein transparentes Umweltmanagementsystem, die Förderung des Biolandbaus im Einzugsgebiet der Quelle, Engagement im Wasserschutzprojekten genauso wie eine Ausbildungsquote von fünf Prozent und die regelmäßige Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ansprüche ja, aber nicht unbedingt Bio

Es gibt keine Regelung darüber, welche Mineralwasser im Bioladen verkauft werden dürfen. Für den Handel ist es also nicht erforderlich, Biomineralwasser anzubieten. In vielen Bereichen des Einzelhandels, aber auch in der Gastronomie wird daher auf die Biovariante verzichtet.

Aber es gibt andere Ansprüche. Viele bevorzugen Wasser artesischen Ursprungs. Dazu wird Wert gelegt auf einen niedrigen Trockenrückstand, also auf mineralstoff- und spurenelementarmes Wasser. Ein weiteres Kriterium ist ein pH-Wert ähnlich dem in der menschlichen Zelle zwischen 6,4 und 6,8. Wichtig ist auch das Ursprungsgestein, durch das das Wasser fließt und das den Geschmack des Wassers prägt. Und das Wasser sollte nach Möglichkeit quelleigenen Sauerstoff und kein Arsen, Uran oder ähnliche Substanzen enthalten.

Viele Kundinnen und Kunden legen zudem Wert auf regionales Mineralwasser, alleine um des Transportweges willen. Und es werden natürlich Mehrwegflaschen bevorzugt.

Bei der Auswahl geht es neben dem Durstlöschen auch um weitere Attribute, die natürlichem Mineralwasser zugesprochen werden. Vor allem die enthaltenen energetischen Schwingungen und andere Informationen spielen dabei eine Rolle.

Das spiegelt sich auch im Angebot und im Einkaufsverhalten im Naturkosthandel wider. Unter den Top Ten im Warensegment Getränke findet sich mit der Neumarkter Lammsbräu nur ein biozertifiziertes Mineralwasser. Dabei ist Mineralwasser nach Wein das Getränk mit dem zweithöchsten Umsatz innerhalb der Warengruppe.

Stattdessen rangieren Mineralwasser mit ganz oben, die wesentliche Kriterien wie die der artesischen Quelle erfüllen oder bestimmte Inhaltsstoffe enthalten. Dazu gehören St. Leonhards Quelle, Lauretana oder Hornberger Lebensquell.

Wenige Quellen sind biozertifiziert

Im Markt für Mineralwasser besetzt das Bioangebot nur eine kleine Nische. Aktuell gibt es sieben zertifizierte Biomineralwasser und zwei Biolimonaden. Nach Angaben des VDM wurden im vergangenen Jahr 11,3 Milliarden Mineral- und Heilwasser abgefüllt, wobei Heilwasser mit 81 Millionen Litern nur einen kleinen Anteil hat. Daraus ergibt sich ein Pro-Kopf-Verbrauch von 148 Litern.

Absatzzahlen für den Bioanteil von Mineralwasser gibt es nicht. Einzelne Brauereien sind in den zurückliegenden Jahren aber deutlich gewachsen. Während der Absatz im gesamten Markt für Mineralwasser konstant ist, meldet Lammsbräu eine deutliche Zunahme bei BioKristall, dem ersten von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser biozertifizierten Wassers Deutschlands. Mit einem Plus von 23,8 Prozent wurden im vergangenen Jahr fast 20.000 Hektoliter verkauft, 2016 waren es rund 16.000 Hektoliter.

Zertifiziert ist ferner Christinen Bio-Mineralwasser und Carat, Ensinger Gourmet, Bio-Mineralwasser von der Rheinsberger PreussenQuelle, Landpark Bio-Mineralwasser, Bad Dürrheimer Bio-Mineralwasser und das Labertaler Stephanie Brunnen Bio-Mineralwasser. Dazu gibt es die beiden Bio-Limonaden BioZisch und Now.

Wie geht es weiter?

Der Dauerregen von Juli bis Februar und die dadurch durchweichten, nicht befahrbaren Böden haben in diesem Spätwinter viele Landwirtinnen und Landwirte in eine heikle Situation gebracht. Die Güllebehälter drohten überzulaufen. Erst mit dem Frost trauten sich viele wieder auf den Acker. Die ausgebrachte Gülle versickerte natürlich nicht im Boden, sondern lief größtenteils oberflächig ab. In der Presse kochten Themen wie Umweltverschmutzung und vor allem Belastung des Grundwassers durch Nitrat vermehrt wieder auf. Dazu gibt es immer wieder Berichte über Medikamentenrückstände.

Aber bereits seit längerem weiß man, wie es um das Grundwasser steht. Es ist nicht auszuschließen, dass immer sensiblere und verunsicherte Verbraucherinnen und Verbraucher in den kommenden Jahren verstärkt Biomineralwasser nachfragen. Insbesondere das Problem von Pestizidabbauprodukten in Trink- und Mineralwasser werden wir in wenigen Jahren flächendeckend und damit in allen Lebensmitteln, die Wasser enthalten, haben.


Letzte Aktualisierung 02.04.2018

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

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