Bioweihnachtsbäume

Warum sollten Weihnachtsbäume Bio sein?

Bei Bioweihnachtsbäumen wird auf Kahlschläge, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht löslichen Mineraldüngern verzichtet. Gras und Unkräuter zwischen den Baumreihen werden in der Regel mechanisch kurz gehalten. Immer häufiger kommen bei der Unkrautregulierung aber auch Schafe zum Einsatz. Biobäume wachsen in sogenannten Mischkulturen, wodurch sie weniger anfällig für Schadinsekten sind und gleichzeitig nützliche Insekten gefördert werden.

Immer mehr Bioweihnachtsbäume werden in Deutschland aufgezogen und der Bund Naturschutz (BN) spricht von einem weiteren Umstellungsbedarf, um der wachsenden Nachfrage standzuhalten. Denn Biokundinnen und Biokunden freuen sich über den naturnahen Aufwuchs der Bäume.

Bei einer Stichprobe von BUND zusammen mit dem BUND Naturschutz in Bayern (BN) wurden 2017 in 13 von 17 konventionell erzeugten Weihnachtsbäumen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Um den Trend zu mehr Bio und Regionalität beim Kauf eines Weihnachtsbaums zu unterstützen, legt der BN seit 2012 einen Bio-Einkaufsführer für Weihnachtsbäume auf. Während 2012 nur elf Verkaufsstellen für Bioweihnachtsbäume in ganz Bayern in der BN-Liste aufgeführt wurden, waren es 2018 bereits über 110.

Die Betriebe vermarkten ihre Biobäume hauptsächlich direkt an ihre Kundschaft. Manche Anbieter von Weihnachtsbäumen organisieren Hoffeste, nur zum Thema Advent. Sie laden ihre Kundinnen und Kunden auf den Hof und reichen Glühwein und Kinderpunsch an allen Adventssonntagen. Die Hofgäste können dann frisch geschlagene Biochristbäume erwerben. Aktiv werden die Kundinnen und Kunden, wenn sie die Bäume selber schlagen können.

Warum Bioweihnachtsbäume? – Argumente für den Verkauf

Die über die BN-Liste aufgeführten Anbieter sind mit ihren Bioweihnachtsbäumen aber zunehmend auch in Baumärkten und Supermärkten vertreten. So bietet beispielsweise Tegut in seinen Filialen zusätzlich zu den konventionellen Bäumen auch Bioweihnachtsbäume an. Auch der bundesweit tätige Baumarkt Bauhaus führt im Großteil seiner Filialen Bioweihnachtsbäume. Selbst beim schwedischen Möbelhaus IKEA können Biokundinnen und Biokunden fündig werden.

Auch online können Biokundinnen und Biokunden vor Weihnachten ihren Wunschbaum bestellen und anliefern lassen. Diverse Onlineshops finden sich mit einem Angebot an Weihnachtsbäumen aus ökologischem Anbau. Der Versand erfolgt in der Regel im Karton. Manche Anbieter stellen ihre Kundenbewertungen ins Netz und nutzen das überwiegend positive Feedback als Werbung.

Eine nützliche Liste bundesweiter Anbieter von Weihnachtsbäumen aus ökologischer Waldwirtschaft und aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen samt Adressen, Telefonnummern und anderen Infos gibt es auch bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Hier sind auch – sofern die Betriebe nach Verbandsrichtlinien wirtschaften – die  Anbauverbände genannt und zum Teil die Meterpreise für ausgewählte Baumarten.
Auch im Ökolandbau kommen die Christbaumarten immer mehr zum Tragen, die konventionell angesagt sind.

Ohnehin kommt der Wahl der richtigen Baumart eine große Bedeutung zu, da der Baum über viele Jahre wächst und die Weihnachtsbaumproduzentinnen und -produzenten weit im Voraus planen müssen. Die Standortfaktoren bestimmen maßgeblich die Wahl der Baumart und die zunehmende Trockenheit in Deutschland ist zum Beispiel für die Fichte ein Problem. Wegen ihrer weichen und festsitzenden Nadeln ist die Nordmannstanne der beliebteste Christbaum in Deutschland – auch beim Bioanbau dominiert diese Baumart. Auch die Blaufichte findet sich im Ökolandbau, allerdings von untergeordneter Rolle.

Auf Ökolabel und kurze Transportwege achten

Rund ein Zehntel der in Deutschland gekauften herkömmlichen Weihnachtsbäume kommt aus Dänemark und Polen, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Nordrhein-Westfalen. Nordrhein-Westfalen hat mit 18.000 Hektar bundesweit die größte Anbaufläche für Weihnachtsbäume, zwei Drittel davon liegen im Sauerland. Allein von dort kommen rund acht Millionen Weihnachtsbäume in den Handel. Der NABU NRW empfiehlt, wegen des leider immer noch massiven Einsatzes von Düngern und Pflanzenschutzmitteln bei den herkömmlichen Weihnachtsbäumen, den Kauf der Biovariante.

Oekolandbau.de hat sich mit Fragen rund um die Erzeugung und Vermarktung an zwei Erzeugerbetriebe für Bioweihnachtsbäume gewendet. Der Biobetrieb Gut Mergenthau baut seit 50 Jahren Christbäume an und ist seit 2015 Mitglied im Naturland-Verband. Die ökologisch produzierten Weihnachtsbäume des Biolandbetriebs Koster im Hunsrück können Kundinnen und Kunden direkt ab Hof, aber auch online bestellen. Der Bioland-Hof Koster wird als Familienunternehmen schon in der zweiten Generation betrieben und liegt mitten im Hunsrück.

Oekolandbau.de: Was unterscheidet die konventionelle von der ökologischen Weihnachtsbaumerzeugung?

Fottner: In der konventionellen Bewirtschaftung wird der aufkommende Begleitwuchs chemisch vernichtet. Der Wuchs der Bäume wird chemisch geregelt, so dass sie keine zu langen Triebe bilden können, die Kundinnen und Kunden ablehnen. Auch eine Schädlingsbekämpfung mit chemischen Spritzmitteln wird durchgeführt. In der zertifizierten Biobewirtschaftung sind chemische Spritz- und Düngemittel hingegen verboten. Wir müssen das Begleitgrün entweder durch Schafe oder durch Mäharbeiten regulieren, um den Pflanzen einen optimalen Start zu ermöglichen.

Resele: Die Schädlingsbekämpfung erfolgt durch zugelassene biologische Mittel, wie zum Beispiel Molke. Wir pflanzen mit einem höheren Abstand, um den Bäumen mehr Platz zu geben. Somit können sich Schädlinge nicht so stark entwickeln. Durch diese Maßnahme generieren wir weniger Bäume pro Hektar und akzeptieren einen geringeren Gewinn. Bei der Beikraut-Regulierung hilft eine Herde von Shropshire Schafen. (Anmerkung oekolandbau.de: Von den weltweit rund 800 Schafrassen können nur Shropshire-Schafe in Christbaumkulturen eingesetzt werden, weil die Tiere die Bäume nicht verbeißen oder schälen. Für weitere Auskünfte steht u. a. die "Interessengemeinschaft Shropshireschafe Deutschland e. V." zur Verfügung.)

Koster: Wir arbeiten am Hof nach Bioland Richtlinien. Aber nicht, weil wir es müssen, sondern weil es uns am Herzen liegt, artgerecht und ohne den Einsatz von Gentechnik oder Chemie, mit der Natur und den Tieren umzugehen.

Oekolandbau.de: Wie bewerten Sie den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Regionalität der Bioweihnachtsbäumen?

Fottner: Regional ist sicherlich sehr gut, jedoch ist regional nicht das neue Bio. So wird es manchmal von Mitbewerberinnen und Mitbewerbern beworben.

Oekolandbau.de: Was läuft besser, Ballenware oder geschnittene Bäume?

Fottner: Ballenware haben wir versucht, jedoch waren unsere Kundinnen und Kunden mit dem Anwuchserfolg nicht zufrieden. Bis zum Frühjahr müssen die Bäume in zu engen Töpfen bleiben und können erst ab März/April ins Freie gepflanzt werden. Ebenso verkraften sie die Temperaturunterschiede zwischen Zimmertemperatur und Freiland nicht. Wir verkaufen auf unserem Hof nur geschnittene Bäume.

Oekolandbau.de: Welche Baumarten werden in Deutschland ökologisch angebaut?

Resele: Der am meisten gekaufte Weihnachtsbaum in Deutschland ist die Nordmanntanne. Sie vereint die Eigenschaften der heimischen Weiß-Tanne, wie lange Nadelhaltbarkeit, dunkles Nadelkleid und natürlich ihren unvergleichlichen Geruch, mit den Eigenschaften der Nordmanntanne, die die Nadeln rund um den Zweig angelegt hat und ein symmetrisches Wuchsverhalten aufweist. Trotzdem bieten wir auch heimische Fichten, Blaufichten und serbische Fichten an. Vor etwa 10 bis 15 Jahren war der Verkaufsschlager die Schwarzkiefer. Diese wird nun nur noch von Liebhabern verlangt.

Koster: Tatsächlich ist die Nordmanntanne nicht nur ein Modebaum, sondern kommt aufgrund ihrer tiefreichenden Wurzeln auch besser mit Trockenheit klar. Gerade die vergangenen beiden heißen und trockenen Sommer haben gezeigt, dass Flachwurzler wie Fichte dann an ihre Grenzen kommen. Wir haben in der Vergangenheit auch Kieferbäume für Weihnachten angeboten, aber die Kundinnen und Kunden haben diese wenig nachgefragt. Da wir im Hunsrück das ganze Jahr über einem relativ rauen Klima ausgesetzt sind, liegt unser Hauptaugenmerk beim Anbau auf den etwas robusteren Gewächsen – wie unseren Nordmann- und Nobilistannen.

Oekolandbau.de: Achten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf eines Bioweihnachtsbaumes auf Verbandslabel?

Resele: Zertifizierte Ware schafft Vertrauen. Ein Verbandslabel mit gutem Ruf ist da sehr hilfreich. Daher haben wir uns für Naturland entschieden. Wir haben jedes Jahr umfangreiche Kontrollen auf unserem Betrieb. Jeder, der es wünscht, ist bei uns willkommen und kann sich den Betrieb ansehen.

Oekolandbau.de: Wie viel mehr kosten Bioweihnachtsbäume im Vergleich zur konventionellen Variante?

Fottner: Das kommt darauf an, wo der Verkaufsstand liegt. Am Starnberger See kostet der konventionell produzierte Baum sicherlich mehr als der Biobaum in Schwaben. Zurzeit können wir für einen Biobaum keinen höheren Meterpreis erzielen.

Koster: Die Biobäume werden mit bis 30 Prozent Aufpreis angeboten. Unser Betrieb liegt im Westerwald und hier ist die konventionelle Variante preislich auch nicht mit den Händlerpreisen in Ballungsgebieten zu vergleichen.

Oekolandbau.de: Welche Vermarktungswege nutzen Sie?

Resele: Wir freuen uns seit vielen Jahren über Firmen, die ihre Weihnachtsfeier mit Kunden oder Mitarbeitern bei uns veranstalten. Diese sind von der Qualität überzeugt und kommen jedes Jahr erneut.

Koster: Wir freuen uns über treue Kundschaft auf dem Hof. Zusätzlich zur Direktvermarktung betreiben wir einen Onlineshop. Hier ist das Verpacken und Versenden der Bäume ein finanzieller Aufwand, den die Kundinnen und Kunden zusätzlich zum Kaufpreis zahlen müssen. Auch ist es aufwendig, einen Onlineshop zu betreiben, gerade weil das Geschäft nur saisonal stattfindet. Die Webseiten müssen gepflegt werden und der Auslieferer muss die Kapazitäten dann auch nur im Weihnachtsgeschäft bereitstellen. Ein ganzjähriger Internetverkauf wäre hier einfacher mit dem Lieferdienst umzusetzen.

Oekolandbau.de: Vielen Dank für das Interview.

Auch einige der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau bieten Bio-Weihnachtsbäume zum Verkauf an:

Letzte Aktualisierung 20.11.2019

BÖLW – Zahlen, Daten, Fakten

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Biobranche in Deutschland

Zur BÖLW-Webseite

Nach oben