Unverpackt für Direktvermarkter

Unverpackt-Trend auch für Direktvermarkter interessant

Viele Kundinnen und Kunden versuchen möglichst ressourcensparend einzukaufen. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Unverpackt-Läden in Deutschland eröffnen, die nahezu ohne Verpackungsmüll auskommen. Seit 2016 erobert das Konzept Städte und auch Dörfer. Mittlerweile gibt es bundesweit rund 200 verpackungsfreie Läden, etwa 200 weitere sind in Planung. Auch vor den Hofläden macht der Trend zu weniger Müll keinen Halt. Da Direktvermarkter in der Regel viele Produkte vom eigenen Hof verkaufen, haben sie es selbst in der Hand, wie sie ihre Waren anbieten – aufwendig verpackt oder lose. Da der komplette Umstieg auf verpackungsfreie Ware in vielen Fällen gar nicht möglich ist, empfiehlt sich eine partielle Umsetzung des Unverpackt-Gedankens, zum Beispiel in Form einer verpackungsfreien Zone.

Der Beitrag ist zunächst erschienen in der "Hof direkt" (Ausgabe 2/2020), Fachzeitschrift für landwirtschaftliche Direktvermarkter.

Viele Ideen der Unverpackt-Pioniere können sich Direktvermarkter abschauen. Dennoch sollten sie wissen: Wer ein Unverpackt-Sortiment einführen will, muss bereit sein, eingespielte Ladenabläufe anzupassen oder womöglich ganz aufzuheben. Denn die Arbeitsweise von Unverpackt-Läden ist teilweise komplexer als in Hofläden. Es fallen andere und zusätzliche Aufgaben an, etwa in den Bereichen Lagerhaltung, Reinigung, Kennzeichnung und Beratung.

Großes Einsparpotenzial

Das Potenzial, Verpackungen einzusparen, ist in verpackungsarmen beziehungsweise -freien Läden enorm. Das fand ein Forschungsteam der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) in einem Forschungsprojekt, finanziert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), heraus. So wurden die Abfallmengen in jeweils vier Unverpackt-Läden und Bioläden am Beispiel von 19 Produkten erfasst. Das Ergebnis: In den untersuchten Unverpackt-Läden fiel im Schnitt 84 Prozent weniger Verpackungsmüll an als in den Vergleichsläden. Am größten war der Einspareffekt bei Essig, Espresso, Pfeffer und Ölen, am geringsten bei Datteln mit 20 Prozent. Den höchsten Anteil am Verpackungsmüll machte die Transportverpackung aus. Ein noch relativ großes Hindernis, um den Verpackungsmüll auf ein Mindestmaß zu reduzieren, ist die Warenlogistik. "Die Umstellung von Prozessen bei Herstellern und Großhandel ist aufwendig, für vieles gibt es noch keine Standardlösungen. Das macht das Weglassen von Verpackungen auf allen Stufen ressourcenintensiv. Es sind mehr Arbeitsschritte, Handgriffe und Lagerkapazitäten erforderlich. Auch in der Logistik gibt es eingespielte Routinen, Gewohnheiten und Konventionen, zum Beispiel beim Handling – diese zu ändern ist nicht immer einfach", erklärt Professor Jens Pape von der HNEE.

Teurer sind die Produkte in Unverpackt-Läden trotz des logistischen Mehraufwands allerdings in den meisten Fällen nicht. Für eine Abschlussarbeit der HNEE verglich man die Produktpreise in Unverpackt-Läden, klassischen Bioläden, Biosupermärkten und konventionellen Supermärkten. Danach waren die 20 untersuchten lose verkauften Produkte im Schnitt nicht teurer als die vergleichbaren verpackten Varianten. In derselben Region kann ein Unverpackt-Laden in der Regel preislich gut mit anderen Geschäftstypen mithalten. Manche Lebensmittel, wie etwa Basmatireis, waren im Unverpackt-Laden sogar günstiger.

"Unverpackt-Läden zeigen, dass kleine, inhabergeführte Läden auch gegen größere Ketten bestehen können, wenn die Vorteile dieser Ladenkonzepte klar betont werden: Eine familiäre Atmosphäre, die persönliche Beziehung zu Inhaberinnen und Inhabern und die damit verbundene hohe Glaubwürdigkeit", berichtet Alexandra Wittwer, Mitarbeiterin im Forschungsprojekt. So werden die Läden von vielen Kundinnen und Kunden gerade wegen des kleineren, aber sorgfältig ausgewählten Sortiments geschätzt – ähnlich wie im Hofladen.

Unverpackt im Hofladen?

Eine Unverpackt-Ecke kann das Profil eines Hofladens erweitern und damit neue Kundinnen und Kunden anlocken. Die meisten Waren werden in Bio-Qualität angeboten. Folgende Eckpunkte sind zu beachten:

Fazit

Eine gute Beschreibung des Ablaufs, also Wiegen, Abfüllen, Bezahlen, sollte auf einer Tafel oder einem Aufsteller beschrieben sein. Dennoch müssen die Hofladenmitarbeitenden mit jeder Menge zusätzlicher Arbeit rechnen. Viele Kundinnen und Kunden benötigen Hilfe beim Wiegen oder Einfüllen. Fragen zu den Produkten müssen beantwortet, Schütten und Kästen aufgefüllt werden. Der Boden muss regelmäßig gereinigt werden, denn oft geht etwas daneben.

Außerdem sollten Sie damit rechnen, dass sich viele Kundinnen und Kunden erst einmal mit dem neuen Angebot vertraut machen müssen.

Weitere Angebote

"unverpackt"-Toolbox

Sammlung von praxisnahen "unverpackt“-Einkaufs-Tipps" für Verbraucherinnen und Verbraucher, die als Postkarten und Poster ausdruckbar sind oder sich als Online-Post verwenden lassen (Anfrage von unverpackt-Läden beim Forschungsteam, E-Mail: melanie.kroeger@hnee.de).

Controllingtool

Das Controllingtool und die Wirtschaftlichkeitskennziffern unterstützen unverpackt-Läden dabei, ihre Betriebsergebnisse zu bewerten und die Wirtschaftlichkeit ihres Ladens besser einzuschätzen. (Weitere Informationen zur Nutzung des Controllingtools durch das Forschungsteam, E-Mail: melanie.kroeger@hnee.de)

Praxisratgeber für unverpackt-Ladenbesitzerinnen und -Ladenbesitzer

Der Ratgeber bietet viele interessante Hinweise für Praktikerinnen und Praktiker, unter anderem zur Ladeneinrichtung, Sortimentsgestaltung und zur Ansprache der Kundinnen und Kunden. Zum Ratgeber

Fachbeitrag auf der Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau

"Nicht schwieriger, aber anders? Herausforderungen des unverpackt-Einkaufens aus Kundensicht"
Zur Beitragszusammenfassung (PDF-Dokument)


Letzte Aktualisierung 03.06.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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