Torffreie Bio-Erden und -Substrate

Torffreie Bio-Erden und -Substrate sind gefragt

Es gibt bei Bio-Erden eine Vielzahl von Herstellern in Deutschland. Wer auf Torffreiheit Wert legt, muss beim Einkauf auf das richtige Siegel achten. Auch beim Kompost entspricht nicht jedes Produkt den Öko-Richtlinien. Oekolandbau.de gibt einen Überblick.

Jedes Jahr, wenn die neue Gartensaison vor der Tür steht, werden große Mengen an Erden und Substraten für neuangelegte Beete oder zur Bepflanzung von Kübeln benötigt. Die Bio-Kundinnen und -Kunden wünschen sich auch hierzu ökologisch einwandfreie Substrate und Erden. Blumenerde wird meist in Säcken in Gartencentern, Baumärkten und Blumengeschäften angeboten. Auch im klassischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) stehen zum Saisonbeginn Paletten mit Blumenerde, allerdings eher selten in Bio-Qualität. Wo im Handel finden die Kundinnen und Kunden aber die unbelasteten Bio-Erden und welche Prüfsiegel sind richtungsweisend? Was bedeutet Bio bei einer Erde oder was sind ökologisch hergestellte Substrate?

Es gibt in den EU-Öko-Verordnungen klare Richtlinien, was in einer Bio-Erde drin sein darf und was nicht. Allerdings beziehen sich die gesetzlichen Vorgaben nicht auf die Torffreiheit des Produkts. Demnach müssen die Bio-Erden frei sein von:

  • Chemischen Hilfs- und Zuschlagstoffen wie zum Beispiel Styropor, Styromull und anderen Kunststoffteilen.
  • Synthetischen Düngern/Kunstdüngern: Es dürfen nur natürlich-organische Dünger wie Schafwolle, Wirtschaftsdünger (Stallmiste), pflanzliche Dünger, Hornspäne (mit Abstrichen) und andere verwendet werden.
  • Chemischen Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden, auch „Lausstäbchen“ dürfen nicht verwendet werden.
  • Ebenfalls verboten sind Klärschlamm-Erden, die mit Schwermetallen belastetet sind.

Noch immer ist Torf die wichtigste Basis für Blumenerden. Torf wird jedoch in Mooren gewonnen, die über Jahrhunderte bis Jahrtausende gewachsen sind. Der Abbau zur Erdengewinnung zerstört damit die Hochmoore und zudem den Lebensraum von vielen Pflanzen und Tieren. Welche Bedeutung die Moore für das Klima haben, können Sie hier nachlesen.

"Moore entziehen der Atmosphäre weltweit jedes Jahr 150 – 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) und wirken damit als Kohlenstoffsenke. Das von den Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommene CO2, wird nach ihrem Absterben im Torf festgelegt. Im Laufe vieler Jahrtausende haben sich Moore so zu einem gigantischen Kohlenstoffspeicher entwickelt. Obwohl sie nur 3 Prozent der terrestrischen Erdfläche bedecken, binden sie in ihren Torfschichten ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs, etwa das doppelte wie alle Wälder weltweit in ihrer Biomasse."
Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Nach Angaben des BUNDs werden in Deutschland alljährlich zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren für Pflanzerden verbraucht – und dies "nur" für die privaten Haushalte. Für die Bio-Gärtnerin und den Bio-Gärtner sind torfreduzierte oder torffreie Erden, wie sie bei Neudorff, Palaterr und Floragard geführt werden, eine Alternative. Der Torfanteil in Bio-Erden ist bisher nicht klar geregelt. Die im Handel erhältlichen Bio-Erden bestehen meist aus einem Gemisch von organischen Substanzen. Die Basis bilden oft Rindenhumus und Kompost. Rindenhumus kann ähnlich wie Torf auch viel Wasser und Nährstoffe speichern.

Der BUND e.V. hat einen Einkaufsführer für Blumenerde ohne Torf erstellt. Zum Einkaufsführer (PDF-Dokument)

Floragard baut zum Beispiel seit mehreren Jahren das Sortiment an Bio-Erden ohne Torf aus. Dazu gehören neben einer Allrounderde verschiedene Spezialerden und der sogenannte Grow Bag Bio Mini-Garten für das Pflanzen direkt im Sack.

Auch die Firma Neudorff produziert torffreie Bio-Erden, die nach Unternehmensangaben je nach Erdentyp bis zu 70 Prozent CO2 im Vergleich zu einer Standardtorfmischung sparen. Die NeudoHum-Erden tragen ein Siegel für "aus nachwachsenden Rohstoffen" und "Bio + torffrei". Der organische Dünger in den Erden enthält eine besondere Algen-Biomasse, die in ihrer Wachstumsphase das 1,8-fache ihres Eigengewichts an CO2 bindet und so einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Hauptbestandteile der NeudoHum-Erden von Neudorff sind schnell nachwachsende Rohstoffe, wie zum Beispiel Holzfasern und Rindenhumus, die aus überwiegend heimischer Produktion mit kurzen Transportwegen stammen.

Torfalternativen sind oftmals ungewöhnlich

Die Zutaten für Bio-Erden werden nicht immer regional bezogen. So wirbt Aries Umweltprodukte mit einer eher exotisch anmutenden Alternative zu Erde in Form eines reinen Kokosblocks. Aus Reststoffen der Kokosnussverarbeitung wird dieser, unterstützt vom Gepa Fair-Handelshaus, in Sri Lanka hergestellt. Die Kokosblöcke sind erstaunlich ergiebig − einfach mit Wasser angerührt, ergeben sie viele Liter Öko-Pflanzenerde.

Die Beimischung von Schafwolle in Bio-Erden ist ebenfalls eine interessante Alternative. Damit kommen die Inhaltsstoffe zwar nicht von weit her, aber sind dennoch relativ ungewöhnlich. Für versierte Bio-Gärtnerinnen und -Gärtner allerdings sind sie ein durchaus gängiges Mittel im Hausgarten. Schafwolle ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, die ähnlich wie Hornspäne als Dünger wirkt. Ein weiterer Vorteil ist die Feuchtigkeitsspeicherung der Wollfasern. Die Wolle – vor allem die verschmutzte Wolle – findet kaum Verwendung in der Schäferei. Schafwollpellets gibt es beispielsweise von FloraPell auch online zu kaufen.

Fertige Komposterden in Bio-Qualität kaufen?

Wenn die Bio-Gärtnerinnen und -Gärtner zusätzlich zur eigenen Herstellung Kompost benötigen, gilt es einiges zu beachten. Teilweise werden lose Komposterden vom TÜV geprüft, teilweise aber auch im Rahmen der Bio-Zertifizierung. Laut EU-Öko-Verordnung darf für bio-zertifizierte Komposte nur Grünschnitt und Bioabfall-Kompost eingesetzt werden, die bestimmte Schwermetall-Grenzwerte nicht überschreiten.

Ein Prüfzeugnis gibt Auskunft über die Qualität und enthaltenen Nährstoffe des Komposts. Auch abgepackten Kompost kann man kaufen. Hierzu hat der WDR in einer Spezialsendung zu Kompost fünf Bio-Komposte getestet. In drei der fünf getesteten Komposte war der Gehalt von Schwermetallen wie Blei, Arsen und Cadmium erhöht, die festgelegten Grenzwerte wurden jedoch nicht überschritten.

Die Qualitätsfrage bei Bio-Kompost beginnt also bereits mit der Auswahl der "Zutaten". In den Schredder sollte nur Baumschnitt und pflanzliches Abfallgut gelangen – kein Streu aus Tierhaltung, gekochte Nahrung oder tierischen Produkte. In fast allen Landkreisen und Städten finden sich Grünabnahmestellen, von denen die gesammelten Grünabfälle kompostiert werden. Ob der Kompost Bio-Qualität hat, muss dann vor Ort erfragt werden. Ein Vorteil ist, dass die Kompostieranlagen die gewünschten losen Mengen zu relativ günstigen Preisen anbieten. Wer ganz sicher gehen will, sollte im Garten selbst Kompost anlegen. Allerdings erfordert das Kompostieren viel Fachwissen und Erfahrung.

Auch im professionellen Bio-Landbau gibt es mittlerweile viele Betriebe, die keine Tiere mehr halten. Diese sind oftmals auf externen Kompost angewiesen, um ihre Böden zu verbessern und zu düngen. Wird Kompost im Öko-Betrieb eingesetzt, gelten immer auch die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Öko-Betriebe, die Mitglied in einem Öko-Anbauverband sind, müssen zudem die Verbandsrichtlinien einhalten. Für den Öko-Landbau sind Grünschnitt- und Bioabfall-Kompost von Bedeutung. Sie werden auch als Grüngut oder Biogut-Kompost bezeichnet und oft in verschiedenen Rottegraden angeboten.


Letzte Aktualisierung 18.05.2020

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