Regionale Lebensmittel: Gemüse

Regionale Lebensmittel: Gemüse

Mit Bioprodukten aus der Region wollen Käuferinnen und Käufer frische Ware mit einer glaubwürdigen Herkunft erwerben und damit Erzeugerbetriebe in der eigenen Umgebung unterstützen. Besonders wichtig ist ihnen die Herkunft bei Gemüse, wie eine Umfrage unter knapp 300 Kundinnen und Kunden von Biosupermärkten und Naturkostläden ergab. Die Unterstützung der Region sehen deutlich mehr Kundinnen und Kunden als Kaufkriterium bei Biogemüse als die Frische, die Qualität oder den Preis der Produkte.

Eine stärkere Positionierung bei der Regionalität im Gemüseregal trifft damit den Kundenwunsch. Was braucht der Handel, damit die eigene Ökogemüse-Abteilung für ihre Regionalität bekannt wird?

Was heißt hier regional?

Es gibt keine Festlegung zum Begriff der Region. Meist gilt als regional die Produktherkunft aus der räumlichen Umgebung des Verkaufsorts. Eine Befragung in drei Biomärkten weist darauf hin, dass die Mehrzahl der Kundinnen und Kunden für Regionalprodukte eine Entfernung von weniger als 100 Kilometern bevorzugt. Herstellungsbetriebe und Biohandel verfolgen unterschiedliche Strategien. Die Bandbreite reicht von der festen Kilometerbegrenzung (beispielsweise "maximal 100 Kilometer vom Firmensitz entfernt") beim regionalen Einzelhändler Feneberg über die Naturräume oder Bundesländer als Regionen bis hin zum Verzicht auf eine starre Definition beim Konzept "Regional ist 1. Wahl" mehrerer Naturkostgroßhändler. Zur geographischen Nähe kommt bei der Regionalvermarktung eine persönliche Nähe zum Produzenten. Der Kontakt des Verbrauchers zum regionalen Erzeugerbetrieb wird beispielsweise durch Erzeugerportraits oder Verkostungsaktionen ermöglicht.

Herkunft kennzeichnen

Meist sind Kartoffeln und regionale Feldgemüse wie Kohl oder Möhren bereits im Regal, ohne dass Kundinnen und Kunden darüber Bescheid wissen. Auffällige Herkunftsbezeichnungen fehlen oft. Diese sollten am besten direkt auf den Preisschildern, zumindest aber in deren direkter Nähe oder an den Obst- und Gemüsekisten angebracht werden. Werden weitere Kommunikationsträger wie Poster oder Flyer eingesetzt, müssen diese sorgfältig gestaltet und platziert werden, um von der Kundschaft wahrgenommen zu werden.

Unternehmensstrategie festlegen

Mit Regionalprodukten können Händlerinnen und Händler auf Dauer nur dann punkten, wenn die Geschäftsführung dies in ihrer strategischen Ausrichtung berücksichtigt und den Mitarbeitenden einen entsprechenden Handlungsspielraum zugesteht.

Wertschöpfungskette entwickeln

Vor allem bei Feingemüse bieten Großhändlerinnen und Großhändler oft nur ein lückenhaftes regionales Sortiment an. Nicht ohne Grund: Regionalität in diesem Segment erfordert einen erhöhten Kommunikationsaufwand und die Bereitschaft, sich auf die vorhandenen Erzeugerstrukturen einzulassen. Die Anforderungen des Handels an Lieferfähigkeit der Erzeugerbetriebe und an Kontinuität und Homogenität der Belieferung wachsen. Zudem erwarten die Abnehmer einen kontinuierlichen Handelspartner auch bei wechselnden Erzeugerbetrieben. Gleichzeitig sind ökologische Gemüseerzeugerbetriebe in vielen Regionen weiterhin klein strukturiert, häufig mit einem Schwerpunkt in der Direktvermarktung. Soll nicht nur im Hofladen und auf dem Wochenmarkt mehr regionales Ökogemüse im Einkaufskorb landen, so müssen sich Erzeugerbetriebe ebenso wie Händlerinnen und Händler für den Aufbau einer regionalen Wertschöpfungskette engagieren.

Wie gelingt Regionalität?

Erfolgreiche Initiativen zum Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten zeigen, dass solche Handelsstrukturen auch bei Ökogemüse gelingen können, jedoch Kooperation und Engagement aller Wertschöpfungsstufen voraussetzen. Einige wichtige Kennzeichen einer erfolgreichen Regionalvermarktung sind: 

  • Regionalmarketing-Konzept mit klaren Aussagen zur Region beziehungsweise zu den beteiligten Erzeugerbetrieben: Die Unternehmensleitung bemüht sich ausdrücklich um ein stärkeres Regionalprofil.
  • Erzeugergespräche: In der Region finden Gespräche statt mit Erzeugerbetrieben, die am Regionalkonzept Interesse zeigen.
  • Koordination des Angebots: Ein regionaler Akteur, beispielsweise Großhändler oder Erzeugergemeinschaft, ist für die Abstimmung der Erzeugerbetriebe untereinander und mit der Abnehmerin oder dem Abnehmer verantwortlich.
  • Mitarbeiterschulung: Mitarbeitende in den Märkten werden in Seminaren und bei Betriebsbesichtigungen regelmäßig zum Thema geschult und für die Regionalvermarktung motiviert.
  • Kommunikation: Ein wirksames Kommunikationskonzept wird erarbeitet und auch vor Ort flächendeckend umgesetzt. Gezielte Aktionen, Verkostungen und Informationen auch im Internet ergänzen die entsprechende Kennzeichnung der Ware.

Regionalität leben: Partnerschaft mit Erzeugerbetrieben

Langfristig benötigt eine konsequente Regionalvermarktung im Einzelhandel den Ausbau der produzierten Menge und eine größere Lieferkontinuität bei den Erzeugerbetrieben. Auf Seiten der Ökolandwirtschaft und Ökogärtnereien bedeutet dies oft erhebliche Neuinvestitionen, beispielsweise beim Unterglas-Anbau. Eine Beteiligung des Handels an Investitionen oder andere Konzepte zur Risikostreuung können zum dauerhaften Ausbau regionaler Handelsbeziehungen im Ökogemüsemarkt einen entscheidenden Beitrag leisten.

Die Informationen in diesem Beitrag stammen aus dem Projekt "Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten zur Steigerung des Absatzes von ökologisch erzeugtem Gemüse im Lebensmitteleinzel- und Naturkosthandel" (FKZ 06OE085), das die Bioland Markt GmbH & Co. KG im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt hat. Ziel dieses Vorhabens war die Weiterentwicklung von Qualitätsstandards und Wertschöpfungsketten mit verschiedenen Handelspartnern in vier exemplarischen Regionen.

Gemeinsame Regionalvermarktung von ökologischen und konventionellen Produkten? (2011)

Ist die Verwendung von Regionalmarken, die sowohl Ökoprodukte also auch regionale Nicht-Bioprodukte umfassen, eine attraktive Marketingstrategie? Oder bedeutet es einen Profilverlust für den Naturkosthandel, wenn an anderer Stelle auch konventionelle Erzeugnisse mit demselben Regionallabel gekennzeichnet werden wie Bioprodukte? Das Institut für ländliche Strukturforschung (IfLS) hat bestehende und potenzielle Synergien zwischen Biomarkt und regionalen Vermarktungsinitiativen untersucht.

Projekt-Schlussbericht "Synergie oder Profilverlust? Potentiale und Probleme einer gemeinsamen Regionalvermarktung ökologischer und konventioneller Produkte" in der Datenbank Organic Eprints


Kontakt

Bioland Markt GmbH & Co. KG
Auf dem Kreuz 58
86152 Augsburg
Tel. +49 821 34680140
Fax +49 821 34680149
info@bioland-markt.de
www.bioland-markt.de

Letzte Aktualisierung 17.08.2017

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