Regeln für regionale Lebensmittel

Regeln für regionale Lebensmittel

Regionale Lebensmittel sind in aller Munde und voll im Trend. Die Region und daraus abgeleitete Worträume wie Heimat, Idylle, Natur oder Sehnsucht werden fast inflationär in Wirtschaft, Handel und Politik verwendet. Der Ruf von Verbraucherschutz und Politik nach einer transparenten Kennzeichnung von regionalen Produkten wurde deshalb immer lauter.

Doch wie kann Regionalität glaubwürdig kommuniziert werden? Diese Frage sollte ein im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) erstelltes Gutachten klären. Ziel war es, Kriterien für eine bundesweit geltende Regionalkennzeichnung zu entwickeln.

Analyse von vorhandenen Regionalkennzeichnungen

Hierfür wurden deutschlandweit zwölf Länderzeichen, 14 regionale Handelsmarken sowie acht Regionalauslobungen des Handels und 185 Regionalinitiativen erfasst und nach ihrer Regionendefinition, dem Rohstoffbezug aus der Region, der Produktionstiefe, dem Verarbeitungsort, Zusatzkriterien sowie dem Kontroll- und Zertifizierungssystem bewertet.

Ergebnis: Die Kriterien der verschiedenen Initiativen für die Definition von Regionalität sind sehr unterschiedlich. So reichte die Regionenabgrenzung von administrativen Grenzen (Landkreis) bis zu Naturlandschaftsräumen (beispielsweise Eifel) oder dem Kilometerradius um einen Standort. Die Kriterien für den regionalen Rohstoffbezug reichen von 10 bis 100 Prozent und die Überprüfung der Kriterieneinhaltung geht von der Selbstkontrolle bis zu einem fünfstufigen Kontrollsystem.

Definition der Regionalität

Sowohl geografische Umschreibungen für den Begriff Region als auch die Auswertung einer aktuellen Verbraucherstudie zum Thema Regionalität liefern keine klare Beschreibung, wie viele Kilometer eine Region umfassen soll. Dazu sind aus Verbrauchersicht die Vorstellungen zum Begriff Region zu unterschiedlich. Daher wurde als Basis für eine Definition der Region eine Umschreibung aus der Geografie benutzt, die besagt, dass eine Region kleiner als ein Nationalstaat (zum Beispiel Deutschland) und größer als eine Kommune ist.

Mindestkriterienkatalog

Auf Basis der vorgenommenen Analysen wurde ein Mindestkriterienkatalog für die Auslobung von regionalen Produkten entwickelt. Der Inhalt dieses Kriterienkataloges umfasst:

  • eine klare Regionendefinition = kleiner als Deutschland und größer als eine Kommune;
  • Rohstoffanteil aus der Region: Bei Monoprodukten 100 Prozent und bei zusammengesetzten Produkten müssen mehr als 50 Prozent der Gesamtmasse des Produktes aus der Region stammen sowie 100 Prozent der ersten Hauptzutat;
  • keine verpflichtende Berücksichtigung aller Vorstufen in der Landwirtschaft;
  • Verarbeitung in der Region;
  • mindestens ein dreistufiges Kontroll- und Zertifizierungssystem

Das Regionalfenster - ein alternativer Kennzeichnungsansatz

Auch die ausführlichen Gespräche mit allen relevanten Akteuren zeigte kein einheitliches Bild, wie eine verbrauchergerechte Kennzeichnung aussehen soll. So wurde im Gutachten ein Ansatz zur Regionalkennzeichnung, das "Regionalfenster", entwickelt, welches unter der Prämisse der bestmöglichen Verbrauchertransparenz steht.

Die wesentlichen Eckpunkte sind:

  1. Das Regionalfenster ist ein Informationsfeld auf der Rückseite des Produktes. Damit wurde ein alternativer Ansatz ausgewählt, der wegführt von der Zeichen- und Siegelflut auf den Etiketten.
  2. Die Vergabe des Regionalfensters ist an die oben genannten Mindestvergabekriterien gebunden.
  3. Das dreistufige Kontroll- und Zertifizierungssystem ist ein Muss für mehr Verbrauchertransparenz. Regionale Bioinitiativen brauchen keine zusätzlichen Kosten zu befürchten, da die Einhaltung der Mindestkriterien mit der jährlichen Biokontrolle überprüft werden kann und die dreistufige Kontrolle schon gegeben ist.
  4. Wenn der Platz für das Informationsfeld auf der Verpackung nicht ausreicht, können die notwendigen Informationen für die Verbraucherinnen und Verbraucher auch über einen "Quick Response Code" (QR-Code) oder ein vergleichbares Verfahren wie die "bio-mit-Gesicht-Nummer" vermittelt werden.

Das gesamte Gutachten steht auf der Internetseite des BMEL zum Herunterladen bereit.


Letzte Aktualisierung 17.08.2017

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