Bio-Wein – was kommt ins Regal?

Bio-Wein – was kommt ins Regal?

Das Weinregal ist für jeden Supermarkt oder Naturkostladen ein Aushängeschild. Was gilt es beim Verkauf von Bio-Weinen zu beachten? Wo kommt er her? Oekolandbau.de gibt einen Überblick.

Laut einer Studie zum weltweiten Markt für Bio-Weine "The Global Organic Wine Market 2012 – 2022" sind Bio-Weine das einzige Wachstumssegment des Weinmarkts – in Deutschland wie auch bei weltweiter Betrachtung. Die Studie wurde im Auftrag des französischen Bio-Weinverbands SudVinBio vom renommierten britischen Marktforschungsinstitut IWSR erstellt. Demnach ist Deutschland mit einem Absatz von 1,215 Millionen Hektoliter noch der größte Markt für Bio-Weine weltweit, ein Viertel des weltweiten Bio-Weinkonsums entfällt auf Deutschland. Allerdings dürfte schon 2021 Frankreich diese Position übernehmen, denn dann wird sich die französische Bio-Weinverbrauch gegenüber 2013 voraussichtlich verdoppelt haben.

In Deutschland ist Bio-Wein schon lange kein Exot mehr im Weinregal. Eine große Auswahl wird mittlerweile in vielen Einkaufsstätten angeboten. Die Palette reicht dabei von einfachen Weinen für einen stimmungsvollen Abend bis hin zu exquisiten Jahrgangstropfen. Angeboten werden die Weine sowohl im Naturkosthandel, im Lebensmitteleinzelhandel als auch im klassischen Weinhandel. Ein Großteil der nationalen Vermarktung läuft jedoch über den Direktverkauf und über den Versandhandel. Für viele Winzerinnen und Winzer sind regionale Weinfeste ein wichtige Einkommens- und Prestigequelle. Knapp zwei Drittel des Bio-Weins in Deutschland verkaufen die Supermärkte und Discounter, so das GfK-Haushaltspanel, das allerdings bei Wein die Direktverkäufe nicht berücksichtigt. Auch die Discounter profilieren sich mit Bio-Weinen, die preislich zum Teil erheblich günstiger angeboten werden als im Naturkosthandel beziehungsweise der Direktvermarktung. Allerdings sind in den Supermärkten vornehmlich importierte Tropfen zu finden.

In Europa und weltweit konzentriert sich der Rebanbau auf wenige Länder. Spanien und Italien sind die größten Produktionsländer. Die Weine von dort werden vornehmlich exportiert, so auch nach Deutschland. Der französische Anbau steht dem nur wenig nach, allerdings produzieren die französischen Winzerinnen und Winzer vor allem für den inländischen Konsum. Fast eine Milliarde Euro gaben die französischen Haushalte für Bio-Wein aus, rund neun Prozent des französischen Bio-Marktes. Dort entfallen nur 24 Prozent des Verkaufs auf die Supermärkte. 99 Prozent des Bio-Weines stammt aus dem Inland, so die französische staatliche Bio-Agentur Agence Bio.

Davon sind deutsche Läden weit entfernt. Aber auch in Deutschland stellt sich für die Ladnerin oder den Ladner die Frage, wie das Weinsortiment aufgebaut sein soll. Wie soll die Mischung von einheimischen Tropfen und ausländischen Spezialitäten am besten aussehen. Welche Klientel kommt in meinen Laden und kann ich mit einer guten Weinauswahl noch weitere Kundinnen und Kunden in den Laden locken?

Darauf ist beim Weinverkauf zu achten

  • Alkoholgehalt: maximal 12,5 Prozent Alkoholgehalt bei Weißwein und 13,5 Prozent Alkoholgehalt bei Rotwein
  • Jahrgang: Weißwein sollte nicht älter als zwei Jahre und Rotwein in etwa drei Jahre alt sein. Älterer Wein ist nur bei optimaler Lagerung und sicherer Herkunft zu empfehlen und kann dann als edler Tropfen verkauft werden.
  • Weinetikett: je mehr Informationen auf dem Etikett, desto vertrauenswürdiger. Also möglichst Geschmacksrichtung (feinherb, halbtrocken, lieblich, trocken, süß), Rebsorte, Winzerin oder Winzer und Abfüllort.

Subjektives Empfinden beim Wein verkaufen

Beim Wein wird subjektives Empfinden mit verkauft. Nicht nur der Geschmack, auch die Region und Landschaft oder besondere Herstellungsweisen zählen. Daher sind regelmäßige Verkostungen wichtig, um die Kundinnen und Kunden vom Geschmackserlebnis zu überzeugen. Jeder hat seinen Geschmacksstil. Verschiedene Vermarkter bieten Tests für den persönlichen Wein-Geschmacksstil an, zum Beispiel Jacques Weindepot oder im Magazin Weinfreunde.

Einige Standardsorten sollten im Bio-Weinregal nicht fehlen. Das sind beim Weißwein Chardonnay, Riesling, oder Grauburgunder und beim Rotwein Merlot, Dornfelder, Cabernet Sauvignon und Spätburgunder. Auch alle Arten von Schaumweinen werden immer beliebter, sei es Sekt oder auch Champagner und Prosecco.

Preisliche Einordnung

Bio-Wein wird praktisch überall verkauft: direkt beim Winzer oder der Winzerin, über den Fachhandel, im Supermarkt, im Internet. Wein verkaufen bedeutet zunächst, sich selbst einzuordnen. Verkaufe ich einen günstigen Wein und gehe damit in Konkurrenz zu Discountern? Oder möchte ich alte Weine verkaufen, die eher Liebhaberinnen und Liebhaber ansprechen? Habe ich teure Weine für Genießerinnen und Genießer oder günstigere Weine für jede und jeden? Die Preisaufschläge von Bio-Weinen gegenüber konventionellen Weinen liegen zwischen 30 und 60 Prozent. Dabei sind die Aufschläge für deutsche und französische Weine in der Regel größer als für spanische und italienische Weine.

Der Naturkostgroßhandel bieten in der Regel ein großes Weinsortiment an. Möglich ist auch immer die direkte Zusammenarbeit mit Winzerinnen und Winzern. So lassen sich Kosten für den Zwischenhandel vermeiden und der Laden kann sich auf ausgesuchte Weine aus bestimmten Regionen spezialisieren.

Bei der Preisstellung von Bio-Wein im Laden hat eine Untersuchung der Universität Kassel ergeben, dass bei Bio-Weinen noch viel Luft nach oben ist. Höhere Preise würden den Weinverkauf sogar noch ankurbeln und von einer Niedrigpreisstrategie wird dringend abgeraten.

Wie bekannt ist Bio-Wein bei jungen Leuten?

Unter anderem dieser Frage nahm sich Katherine Hauck in ihrer  Promotion zur Akzeptanz von Bio-Wein an. Sie evaluierte in ihrer Arbeit, dass insbesondere bei den 20- bis-30-Jähringen der Unterschied zwischen konventionellem und Bio-Wein nicht zwangsläufig bekannt ist. Zum Teil sei die Existenz von Bio-Wein nicht bekannt, da Wein generell als sehr natürliches Produkt gesehen wird. Das zumeist am Flaschenrücken angebrachte Bio-Siegel erschwert zusätzlich die Vermarktung als Bio-Produkt. Besonders dann, wenn konventionelle und Bio-Produkte im Handel gemischt in den Regalen stehen. Beim Wein ist auf Grund der Flaschenabfüllung eine strikte Trennung wie beispielsweise beim Gemüse oder Obst nicht notwendig. Die Bekanntheit und die Akzeptanz von Bio-Weinen müssen verbessert werden. Neue Konzepte in der Werbung und im Design sind wahrscheinlich notwendig, um dies zu erreichen. Ebenso sind besonders bei großen Sortimenten separate Bio-Regale sinnvoll. Derzeit liegt der Fokus nach wie vor darauf, die Herkünfte und nicht die Erzeugungsart auszuweisen, insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel.

Es gibt auch veganen Bio-Wein

Für Kundinnen und Kunden, die ihren Wein ohne tierisches Protein genießen wollen, gibt es auch ein wachsendes Angebot an veganen Bio-Weinen. Proteine, sei es tierischer oder pflanzlicher Herkunft, sind in der konventionellen wie in der biologischen Weinbereitung erlaubte Hilfsmittel um Wein leichter filtern zu können. Für Bio-Wein darf es als tierisches Eiweiß nur frisches Hühnereiweiß von Bio-Hühnern oder pflanzliches Eiweiß sein. Erzeugern von Demeter Biowein ist die Verwendung von Hühnereiweiß nicht erlaubt.


Letzte Aktualisierung 08.09.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

Zur BÖLW-Webseite

Termine

Keine Artikel vorhanden.
Nach oben