Die neue EU-Öko-Verordnung

Neue EU-Öko-Verordnung – was ist anders?

Am 1. Januar 2021 tritt die neue EU-Öko-Verordnung in Kraft. Auf die Bio-Branche kommen damit zahlreiche Änderungen zu. Welche Neuerungen sich für den Handel mit Bio-Produkten ergeben, erfahren Sie hier.

Im Jahr 1992 traten erstmals europaweit gültige Kontrollvorschriften für ökologisch wirtschaftende Betriebe, Verarbeitungs- und Handelsunternehmen in Kraft. Die aktuell gültige Fassung gilt seit dem 1. Januar 2009 (VO 834/2007). Diese soll ab dem 1. Januar 2021 von der neuen Verordnung 2018/848 als rechtliche Grundlage abgelöst werden. 

Bis dahin müssen allerdings noch einige Regelungen konkretisiert werden, sodass es möglich ist, dass der Start der neuen Verordnung aufgrund der Corona-Krise um ein Jahr auf Januar 2022 verschoben wird. Dennoch ist es für Handelsunternehmen wichtig, sich rechtzeitig mit den Änderungen – soweit bereits bekannt – auseinanderzusetzen. 

Kontrollen und Vorsorge

Kleine Einzelhandelsgeschäfte, die vorverpackte oder unverpackte Bio-Produkte verkaufen, sollen entlastet werden. Anstatt diese in Mitteilungs- und Zertifizierungsplichten einzubinden, sollen hier weiterhin amtliche Kontrollen über die Einhaltung der Vorschriften ausreichend sein. Das Verfahren bleibt somit für Kleinunternehmen einfacher und günstiger als für größere Unternehmen.

Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung sind alle Unternehmen entlang der gesamten Produktionskette verpflichtet, Kontaminationsrisiken zu verringern. Bisher waren insbesondere Verarbeitungsunternehmen davon ausgenommen. Ziel ist es, den Wettbewerb fair zu gestalten, das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und mehr Produktsicherheit zu erhalten. 

Neu ist auch eine Positivliste mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, die bis Ende 2021 erstellt werden soll. In der Herstellung und Verarbeitung von ökologischen Lebensmitteln dürfen dann nur noch Produkte von dieser Liste verwendet werden. Bislang gibt es eine Negativliste mit Produkten, die nicht zulässig sind.

Geltungsbereiche ausgeweitet

Die Haltungsvorschriften für Gatterwild und Kaninchen wurden konkretisiert. Allerdings gelten Erzeugnisse der Jagd und der Fischerei wild lebender Tiere nach wie vor nicht als ökologische oder biologische Erzeugnisse. Bei Produkten mit Wildfleisch oder -fisch als Hauptzutat muss der Bio-Bezug klar und deutlich mit einer anderen Zutat verbunden sein, die aus ökologischer Produktion stammt und sich von der Hauptzutat unterscheidet.

Zudem wurde der Geltungsbereich der Verordnung auf landwirtschaftsnahe Erzeugnisse ausgeweitet. So können dann beispielsweise Salz, Mate, Bienenwachs, Baumwolle, Wolle und Häute in Bio-Qualität angeboten werden. Babynahrung war bisher ein Grenzbereich, sofern sie mit Zusätzen angereichert wurde. Zusätze wie Mineralstoffe, Vitamine, Mikronährstoffe und Aminosäuren haben künftig keinen Einfluss mehr auf die Deklarierung als Bio-Produkt. Die Bio-Bezeichnung ist auch bei Zugabe der genannten Zusatzstoffe zulässig.

Mehr Platz für Geflügel, mehr Bio-Futter und mehr Bio-Saatgut

Für die Stallflächen der verschiedenen Tierarten gelten neue Vorgaben. So dürfen beispielsweise Volieren von Legehennen nur noch zwei statt bisher drei Etagen über dem Boden hoch sein. Die Mindestmaße der verfügbaren Fläche werden bei Geflügel, insbesondere bei Junggeflügel, ausgeweitet. Bei der Haltung von Schweinen und Rindern ändern sich die Vorschriften nur minimal, beispielsweise müssen bei Schweinen 50 Prozent der Flächen durchgängig befestigt sein. Für Bienen und Aquakulturen gibt es angepasste Fütterungsvorgaben. 

Schweine und Geflügel erhalten mit der neuen Verordnung 100 Prozent Bio-Fütterung. Eine Ausnahme sind Jungtiere, bei denen noch 5 Prozent konventionelle Zufütterung erlaubt ist. Umstellungsware darf nur noch zu 25 Prozent im Mischfutter eingesetzt werden.

Mit der neuen Verordnung wird auch die Öko-Pflanzenzüchtung erleichtert, gleichzeitig aber der Einsatz von konventionellem Pflanz- und Saatgut weiter eingeschränkt. Ökologisch gezüchtete Sorten werden besser geschützt, und lassen sich damit stärker als Verkaufsargument nutzen. Die schon in Deutschland und einigen anderen EU-Ländern genutzte Datenbank organicxseeds.com wird auf alle Mitgliedsstaaten verpflichtend ausgeweitet.

Bio-Importe

Der Import und die Vermarktung von Bio-Produkten aus Drittländern sind zukünftig nur noch dann möglich, wenn die Produktionsvorgaben der neuen EU-Verordnung auch im Herkunftsland angewendet werden – oder wenn ein Handelsabkommen mit dem jeweiligen Land existiert. Besonderheiten beim Klima und Tradition können hierbei jedoch berücksichtigt werden, das Zulassungsverfahren muss aber noch konkretisiert werden. Daraus ergeben sich folgende Handelswege:

  • Die Produkte entsprechen den Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau und alle Unternehmen werden regelmäßig kontrolliert.
  • Die Produkte stammen aus einem Drittland mit einem Handelsabkommen mit der EU und entsprechen den Bedingungen und Vorgaben dieses Abkommens.
  • Die Produkte stammen aus einem Drittland mit gleichwertigen Vorgaben (siehe aktuelle Drittlandsliste), dieses Verfahren läuft 2026 aus.

Die Liste der Kontrollstellen, welche für die Kontrolle in Drittländern gemäß Gleichwertigkeit anerkannt sind, läuft 2024 aus. Ware, die bis 2026 über die Drittlandsliste importiert wird, muss auch weiterhin mit einer Kontrollbescheinigung importiert werden.

Bio-Kontrolle

In der neuen Basisverordnung ist der Kontrollrhythmus auf "maximal 24 Monate zwischen zwei Kontrollen" erweitert worden – vorausgesetzt, dass während der letzten drei Kontrollen keine Verstöße festgestellt wurden und der Betrieb nicht als risikoreich eingestuft ist. 

Neu ist auch die Möglichkeit von Gruppenzertifizierungen, wie sie bislang nur in Drittländern möglich war. Das kann in Deutschland zum Beispiel Kooperativen von Streuobstvermarktern oder auch verschiedene Filialen einer Einzelhandelskette oder filialisierte Bäckereien betreffen. Die Einbindung von Subunternehmen ist genauer geregelt als bisher.

Unternehmen, die lose oder unverpackte Ware an Endverbraucherinnen und -verbraucher abgeben, können bis zu einer bestimmten Umsatz- und Mengengrenze national aus der Kontrollpflicht entlassen werden. Diese Grenze liegt bei Verkäufen bis zu einer Menge von 5.000 Kilogramm pro Jahr oder einem Jahresumsatz von 20.000 Euro mit unverpackten Bio-Lebensmitteln. Oder die potenziellen Zertifizierungskosten überschreiten zwei Prozent des Gesamtumsatzes mit unverpackten Bio-Lebensmitteln.

Umgang mit Verstößen

Der Umgang mit Verstößen ist sehr viel genauer geregelt als in der bisherigen Verordnung. Erst wenn ein Verdacht bestätigt ist, also nicht ausgeräumt werden kann, werden Meldungen an Kontrollstelle und Kontrollbehörde abgegeben. Wichtig ist, dass die zu treffenden Vorsorgemaßnahmen verhältnismäßig und angemessen sind. Eine genaue Beschreibung des Ablaufs ist in einem Artikel von Dr. Alexander Beck (PDF-Datei) zu finden.

Kennzeichnung

Unverändert bleibt die Vorgabe, dass mindestens 95 Prozent der Zutaten eines Produktes aus ökologischer Produktion stammen müssen, um die entsprechende Bezeichnung tragen zu dürfen. Dahingegen wurden die Vorgaben zur Regionalität gelockert. Laut der aktuellen Verordnung müssen 98 Prozent der Zutaten regional sein, um die Herkunftsangabe auf das Produkt setzen zu dürfen. In Zukunft reichen auch hier 95 Prozent.


Letzte Aktualisierung 15.07.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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Meldungen zum Bio-Markt

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bietet zahlreiche Bilanzen, Studien und Charts rund um den Bio-Markt an.

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