Bioinsekten

In Zukunft Bioinsekten essen

Nach der Umweltbewusstseinsstudie 2018 des Bundesumweltministeriums sind Nahrungsmittel aus Insekten noch unbeliebt: Nur f├╝nf Prozent der Befragten halten sie f├╝r einen guten Fleischersatz, 25 Prozent w├╝rden sie einmal probieren. Aus ├Âkologischer Sicht habe es enorme Vorteile, Insekten zu essen, bilanzieren BUND und Heinrich-B├Âll-Stiftung in ihrem Fleischatlas 2018.

W├╝rmer, K├Ąfer und Heuschrecken sind deutlich bessere Futterverwerter als Rinder, Schweine und Gefl├╝gel. Au├čerdem brauchen Insekten viel weniger Wasser und Platz als andere Nutztiere und leben auch in der Natur auf engem Raum. Bei der CO2-Bilanz liegen sie meilenweit vor anderen Nutztieren.

Bilanz vom Fleischatlas 2018

Vieles spricht also daf├╝r, k├╝nftig mehr Insekten zu verspeisen. Nat├╝rlich keine in der Natur gefangenen, sondern aus nachhaltiger Zucht.

Noch ist das Bioinsektenangebot mager

In den EU-Rechtsvorschriften f├╝r ├Âkologischen Landbau kommen Insekten bislang nicht vor. Richtlinien f├╝r die Verarbeitung von Bioinsekten fehlen ebenfalls. Entsprechend gibt es im Handel bisher nur einen europ├Ąischen Bioinsektensnack aus kanadischen Biow├╝rmern

Essen von morgen: Insekten als Lebensmittel

Auch Bioinsektenburger kommen bei uns noch nicht auf den Tisch: "Wir sind sehr daran interessiert, Bioinsekten zu verwenden, aber unser Z├╝chter bietet zurzeit leider noch keine an", erl├Ąutert Baris ├ľzel, Gesch├Ąftsf├╝hrer vom Burgerhersteller Bugfoundation. Etwas Schwung in die Sache k├Ânnten die neuen Naturland-Richtlinien f├╝r die ├Âkologische Insektenzucht bringen. "Bevor die EU Richtlinien f├╝r die Aquakultur erlassen hat, gab es schon einen Naturland Aquakultur-Standard. Daran hat sich die EU orientiert. Genau darauf hoffen wir jetzt auch", so Markus Fadl von Naturland.

Naturland startet mit Biofutterinsekten

Die Naturland Richtlinie f├╝r die ├Âkologische Insektenzucht definiert Haltungsbedingungen f├╝r sieben Arten von K├Ąfern, Fliegen und Heuschrecken. Allerdings sind das alles Biofutterinsekten, also Arten, die sich als Proteinquelle f├╝r H├╝hner, Fische und Schweine eignen. Sie k├Ânnen Fischmehl als Futter ersetzen. Das Futter f├╝r die Insekten selbst muss aus ├Âkologischer Herkunft stammen und sollte nicht mit menschlicher Nahrung konkurrieren. Wer Bioinsekten z├╝chten will, darf sie nicht verst├╝mmeln, etwa die Fl├╝gel beschneiden oder gar die Sprungbeine von Heuschrecken entfernen. Damit K├Ąfer und Co. gesund bleiben, m├╝ssen die Besatzdichten artgerecht sein. Die T├Âtung der Tiere muss mittels Temperaturschock direkt im Aufzuchtbetrieb erfolgen: Bei minus 18 Grad bekommen die wechselwarmen Tiere einen K├Ąlteschock, bei 100 Grad einen Hitzeschock.

Bioinsekten aus der Schweiz und Kanada

In Kanada und der Schweiz gibt es bereits eine Biozertifizierung f├╝r Insekten. Bio Suisse (Knospe) hat f├╝r die Insektenzucht mit Schweizer Zuchtpionieren eigene Leitlinien verfasst. Hier gelten die gleichen Bedingungen wie f├╝r andere Nutztiere: Der Hof muss ausschlie├člich nach ├Âkologischen Standards arbeiten. Irgendwo im Hinterhof ein paar Bioinsekten zu z├╝chten und seine Felder konventionell zu beackern, geht nicht. S├Ąmtliche Futter-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel m├╝ssen Bioqualit├Ąt haben.

F├╝tterung und Haltung m├╝ssen der jeweiligen Art angepasst sein. Beispielsweise sind Mehlw├╝rmer und Grillen lichtscheu und brauchen kein Tageslicht. Dagegen ben├Âtigen Wanderheuschrecken einen Tag-Nacht-Zyklus sowie UV-Licht. Die Hinterlassenschaften der Insekten m├╝ssen als D├╝nger an einen Biobetrieb gehen.

Forschung fehlt

Zu den Pionieren geh├Ârt das Schweizer Start-up Ensectable. "Wir f├╝ttern, wenn immer m├Âglich, Nebenprodukte wie Biertreber oder unverk├Ąufliche Biogem├╝sereste", berichtet Gesch├Ąftsf├╝hrer Benjamin Steiner. Die Insektenhalter machen sich viele Gedanken ums Tierwohl: "Die Aufzucht der Mehlw├╝rmer dauert bei uns 16 Wochen. Man k├Ânnte es auch schneller machen, aber wir g├Ânnen den Tieren gerne die zus├Ątzlichen Wochen." Allerdings fehle es an Forschung. Niemand wei├č, wie sich Insekten wirklich stressfrei t├Âten lassen. "Die f├╝r Wirbeltiere geltende Definition von Schmerz l├Ąsst sich auf Insekten nicht anwenden, weil ihnen die daf├╝r relevanten Hirnstrukturen fehlen. Um die verschiedenen T├Âtungsm├Âglichkeiten aus Sicht des Tierwohls besser zu verstehen, arbeiten wir aktuell in einem Projekt mit der ETH Z├╝rich zusammen", so Tierarzt Steiner.


Letzte Aktualisierung 26.06.2019

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