Äpfel mit Schalenfehlern schmecken

Äpfel mit Schalenfehlern schmecken

Äpfel mit kleinen Schalenfehlern schmecken mindestens genauso gut wie Hochglanzfrüchte. Das bestätigen zwei aktuelle Studien. Auch die vom Handel gewünschte Einheitsgröße sagt nichts über die Qualität aus. Im Gegenteil: Wer die Vielfalt im Obstgarten fördern will, sollte auch Vielfalt im Einkaufskorb zulassen. In der Natur gibt es eben keinen Normapfel.

Verführerisch pink oder leuchtend rot strahlen sie uns im Supermarkt an: Makellose Apfelschönheiten wie Pink Lady und Jonagold passen perfekt in die EU-Vermarktungsnormen. Die ordnet Früchte nach Qualität, Form und Größe in drei Qualitätsstufen:

  • Klasse extra: höchste Qualität mit allen sortentypischen Eigenschaften, nur minimale Schalenfehler erlaubt, der Stiel ist unverletzt.
  • Klasse I: gute Qualität mit allen sortentypischen Eigenschaften in Form, Größe und Färbung. Leichte Fehler in Form und Färbung und Schalenfehler sind erlaubt.
  • Klasse II: marktfähige Qualität, Fehler sind zulässig, solange die wesentlichen Merkmale von Qualität und Haltbarkeit bestehen bleiben. Der Stiel kann fehlen.

Für Bio-Qualität gibt es keine Pluspunkte. Geschmack oder Vitamingehalt spielen ebenfalls keine Rolle.

Der ideale Apfel ist fest, lecker und regional

Zwei aktuelle Untersuchungen zeigen, welche Äpfel Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich mögen. Ein Forschungsteam der Universität Kassel hat 1.000 Personen zur Akzeptanz von unterschiedlichen Schalenqualitäten online befragt. Die Ergebnisse: Egal ob bio oder konventionell - Konsumentinnen und Konsumenten achten beim Apfelkauf vor allem auf Geschmack, Festigkeit, regionale Erzeugung und Verpackung. Wer Bio-Äpfel kauft, bevorzugt zudem eine umweltfreundliche Erzeugung. Wer überwiegend konventionell erzeugte Äpfel konsumiert, legt dagegen mehr Wert auf ein makelloses Aussehen. Außerdem spielen hier der Preis und die bessere Verfügbarkeit eine größere Rolle als bei bioaffinen Menschen. Für alle gilt: Mit Bio-Äpfeln mit kleinen optischen Macken verbinden die Befragten eine größere Natürlichkeit als mit Obst der Klasse I. Nach ihrer Einschätzung schmecken Bio-Äpfel mit leichten Schalenfehlern mindestens ebenso gut wie Äpfel der Klasse I.

Äpfel mit Macken schmecken genauso gut oder besser

Den guten Geschmack von Äpfeln mit Schalenschwächen bestätigt eine bundesweite Blindverkostung der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau (FÖKO). Dabei haben 1.731 Verbraucherinnen und Verbraucher vor Discountern, Supermärkten und Bio-Läden mit verbundenen Augen Bio-Äpfel der Sorte Elstar getestet. Jede Testesserin und jeder Testesser hat vier gleich große Apfelschnitze gekostet: eine Apfelprobe mit den für Schorf typischen dunklen Flecken, eine mit Fraßschäden, eine dritte mit Berostung sowie eine Kontrollprobe ohne Schalenfehler.

Erfreulicherweise mundeten ihnen alle Äpfel gleich gut. Die Äpfel mit Berostung haben sogar besser abgeschnitten als ihre fehlerfreien Verwandten. "Durch die rauere Oberfläche ist die Schale nicht mehr komplett geschlossen: Der Apfel verliert Wasser, dadurch verdichtet sich das Aroma", erklärt Versuchsleiterin und Sensorikexpertin Christina Brugger. Außerdem böte die raue Schale einen zusätzlichen Gaumenanreiz.

Vielfalt kaufen und genießen

Wer bewusst Äpfel mit Macken kauft, sorgt dafür, dass die Obstbäuerinnen und Obstbauern weniger Ausschuss haben. Außerdem hilft es die Sortenvielfalt, aber auch die Artenvielfalt im Obstanlagen zu erhalten. Unsere hunderte von Apfelsorten sind im Lebensmitteleinzelhandel nicht zu finden. Hier dominieren konventionelle Hochglanzäpfel wie Braeburn, die Gala-Gruppe und die Jonagold-Gruppe. Bei Bio-Sorten herrscht eine größere regionale Vielfalt Äpfel: Erzeugung- BZfE. Typisch sind Elstar, Jonagold, Topaz, Nela, Santana und Goldrush. Im Norden kommen noch Ingrid Marie und Holsteiner Cox dazu. Im Süden gibt es mehr Idared, Boskoop und Piros. Aber auch hier könnten es mehr sein.

Wie entstehen Schalenfehler?

Schorfflecken

Der Schorfpilz verursacht die typischen Schorfflecken auf Blättern und Früchten. Auf den Geschmack hat der Schorfpilz keinen Einfluss. Dennoch bauen Bio-Betriebe gerne schorfresistente Neuzüchtungen wie Topaz oder Galant an.

Berostung

Eine braun-graue, raue Fruchtschale heißt Berostung. Sie entwickelt sich, wenn der Apfel feine Risse in seiner Schale wieder repariert/verkorkt. Schalenrisse entstehen, wenn in der Vegetationszeit die Temperaturen stark schwanken oder lange Nass-/Trockenperioden herrschen.

Insektenschäden

Die Raupen des Frostspanners und Wanzen hinterlassen manchmal kleine oberflächliche Fraßspuren. Schlimmer ist es, es wenn sich die Raupen des Apfelwicklers (Obstmade) im Apfel einnisten. Dieser sprichwörtliche Wurm im Apfel darf natürlich auch im Bio-Apfel nicht vorkommen.


Letzte Aktualisierung 09.09.2021

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