Bio-Kisten sind aktuell wie nie

Bio-Kisten sind aktuell wie nie

In der Coronakrise sind gelieferte Bio-Produkte besonders begehrt. Wer bequem regionale und saisonale Bio-Lebensmittel kaufen möchte, kann sie sich per Abokiste frei Haus liefern lassen. Die Bio-Kisten-Betriebe bringen vor allem Gemüse und Obst, aber auch Milchprodukte und Backwaren. Ganz nach Wunsch der Kundinnen und Kunden.

Die Bio-Kiste ist ein Lieferservice für Bio-Produkte: Meist einmal wöchentlich bringt ein Bio-Betrieb Obst, Gemüse und andere Bio-Produkte direkt an die Haustür. Da die Lieferungen meist regelmäßig erfolgen, hat sich auch der Begriff Abokisten – Abo als Kurzform von Abonnement – eingebürgert.

Die Kundinnen und Kunden können ihre Abokiste ganz einfach per Telefon, E-Mail oder online bestellen. Bei der klassischen Abokiste ordert die Kundin oder der Kunde eine Kiste mit einem bestimmten Wert, weiß aber nicht, welche Produkte drin sind. Diese Kisten enthalten vor allem saisonales Obst und Gemüse. Heute nimmt nur noch ein Drittel der Kunden solche vom Betrieb vorgegebenen Kisten. Die anderen zwei Drittel "shoppen" im Internet, was, wann und wo es ihnen passt. Schließlich haben die meisten mittleren und alle größeren Bio-Kistenbetriebe mittlerweile Webshops. Dort lassen sich die Kisten individuell zusammenstellen und verwalten.

Flexibilität ist Trumpf

Wie oft die Abokiste kommen soll, ist flexibel: Sie lässt sich wöchentlich, vierzehntägig oder vierwöchig liefern und leicht abbestellen. Wer nicht zuhause ist, kann einen anderen Abstellort vereinbaren. Die Abokisten-Betriebe versuchen die Kisten möglichst immer zur gleichen Tageszeit zu bringen. Hauptabnehmer der Abokisten sind nach wie vor Familien, aber auch Singles und junge Paare schätzen Lieferdienste. Vor allem auf dem Land oder in den Vororten, wo es noch nicht an jeder Ecke frische Bio-Produkte gibt. Unternehmen können sich frisches Obst, Kaffee und Milch ins Büro oder in die Werkstatt bringen lassen.

Die meisten Bio-Kisten-Betriebe sind selbst auch Gärtnereien. Allerdings bieten sie neben ihren eigenen Produkten zunehmend auch Backwaren und Frischeprodukte von Partnerbetrieben an. Außerdem gibt es reine Milchlieferdienste. Diese bringen ein- oder zweimal wöchentlich Milch in Mehrwegflaschen und andere Molkereiprodukte an die Tür. Ganz wie früher der Milchmann.

In Zukunft Klimakisten

Den Zeitgeist trifft die Heidelberger Klimaschutzkiste. Pro Klimaschutz-Biokiste fließen 50 Cent an die Klimaschutz+-Stiftung, eine Heidelberger Bürgerinitiative. Jährlich stimmen die Abonnenten und Abonnentinnen der Klimaschutz-Biokisten online ab, welches Projekt die Fördermittel erhält. "Ungefähr zehn Prozent aller Lieferungen sind Klimaschutz-Biokisten. In der Woche kommen so um die 90 Euro zusammen", freut sich Dirk Agena, Inhaber von Dirks Biokiste. Mittlerweile wurden schon über 60.000 Euro in Ökostrom-Bürgerkraftwerke investiert.

Drei Fragen an Jochen Saacke von Ökokiste e.V.

Seit März gibt es einen wahren Ansturm auf Abokisten

Erfolgreiche Direktvermarkter müssen immer mit der Zeit gehen. Wie die Bio-Kisten-Betriebe auf die aktuelle Krise reagieren, erklärt Jochen Saacke von Ökokiste e.V. Der Verein vertritt bundesweit vierzig Bio-Kisten-Betriebe.

Oekolandbau.de: Wie angesagt sind Abokisten derzeit?

Jochen Saacke: Schon vor der Corona-Krise waren Abokisten sehr gefragt. Praktisch alle mir bekannten Bio-Kisten-Betriebe haben zweistellige Wachstumsraten. Aber seit März gibt es einen wahren Ansturm: wir können einen Zuwachs an wöchentlichen Aufträgen von bis 30 oder 40 Prozent verzeichnen und einen Umsatzzuwachs von bis zu 100 Prozent.

Viele Betriebe können daher derzeit keine Neukunden aufnehmen. Und selbst die Aufnahme von ehemaligen Kunden ist nicht überall möglich. Allerdings dürfte sich die Lage bald etwas entspannen. Viele Betriebe haben in Windeseile ihre Kapazitäten (Personal, Kisten, Transporter) ausgebaut und beginnen die flugs eingeführten Wartelisten abzuarbeiten.

Oekolandbau.de: Was ändert sich durch Corona im alltäglichen Betrieb?

Jochen Saacke: Wir müssen verstärkt auf die Hygiene achten, so gut es im Arbeitsalltag geht. Wir passen auf, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben. Wir achten streng auf die gebotenen Abstandsregeln. Wo dies nicht möglich ist, wird Mund-Nase-Schutz zur Pflicht. Das regelmäßige Händewaschen gehört jetzt zum Alltag. Doch das geht nicht immer: Unterwegs und beim Ausliefern verwenden die Fahrerinnen und Fahrer dann Händedesinfektionsmittel. Die Übergabe an den Kunden erfolgt in der Regel kontaktlos.

Oekolandbau.de: In der Krise geht der Klimaschutz leicht unter: Wie ist die Ökobilanz einer Bio-Kiste im Vergleich zum Einkauf im Hofladen?

Jochen Saacke: Gute und schwierige Frage: Wir fahren zwei bis drei Kilometer pro Kunden. Ein solch kurzer Weg zur nächsten Bio-Einkaufsstätte ist auf dem Lande ökologisch sehr günstig. In den Städten entfällt dieser Vorteil. Geliefert wird sicher noch immer zu 95 Prozent mit Diesel-Transportern. In der näheren Umgebung liefern die Bio-Betriebe zunehmend elektrisch aus. In Ballungsräumen vereinzelt auch mit elektrischen Lastenrädern. Umfangreiche Ökobilanzen liegen jedoch noch nicht vor.

Beim Thema Verpackung macht es keinen Unterschied. Die Lieferbetriebe arbeiten fast alle hochgradig verpackungsfrei. Das bieten ja Bioläden auch an!


Letzte Aktualisierung 29.04.2020

Demonstrationsbetriebe Ökolandbau

Bio live erleben!

Die Betriebe des Netzwerkes öffnen ihre Hoftore für die Öffentlichkeit.

Zu den Demobetrieben

Die BIOSpitzenköche empfehlen

Kartoffel-Möhren-Waffeln

Kartoffel-Möhren-Waffeln

Nach oben