Langkopf-Wespenbiene

Wildbiene des Monats Mai 2021: Langkopf-Wespenbiene

Wespe oder Biene? Definitiv Biene – auch wenn sie keinen Pollen sammelt. Ihr Aussehen ist mit so mancher Wespe zum Verwechseln ähnlich. Jedoch sind Wespenbienen weder staatenbildend, noch jagen sie andere Insekten. Sie sind vielmehr geschickte Strateginnen, die keinem eigenen Brutgeschäft nachgehen.

Mit 11 bis 14 Millimeter Körpergröße gehört die Langkopf-Wespenbiene zu den größeren Arten ihrer Gattung. Ihr schwarzer Körper wird auf dem Hinterleib mit sechs gelben Binden geziert. Der Rücken und Kopf sind behaart und die Augen auffällig grün. Der langgezogene Kopf verleiht dieser Wespenbienenart ihren Namen.

Die Langkopf-Wespenbiene ist weltweit verbreitet. Sie ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich stark in ihrem Bestand gefährdet. In manchen Regionen Deutschlands sind die Datensätze zu ihrem Vorkommen so gering, dass eine genaue Bestandsaussage nicht möglich ist. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gilt sie bereits als ausgestorben (siehe Verbreitungskarte). Wir wissen von Langkopf-Wespenbienen, dass sie sich gerne auf mageren und blütenreichen Wiesen aufhalten. Zu ihren begehrten Lebensräumen gehören unter anderem Streuobstwiesen und warme, sonnenbeschienende Waldsäume.

Wir treffen die Langkopf-Wespenbiene dort an, wo ihre Wirtsbienen neuen Baugrund für ihrer Nester suchen. Als Vertreterin der Kuckucks- oder Schmarotzerbienen hat die Wespenbiene keine eigenen Nachkommen zu versorgen. Leidtragende dieses Brutparasitismus sind Langhornbienen. Besonders gerne scheint sie die Mai-Langhornbiene (Wildbienen des Jahres 2021) aufzusuchen. Bei ihr schleust sich die Langkopf-Wespenbiene ein und legt in ihr Nest ein fremdes Ei hinzu. Dafür wartet die Wespenbiene in einer Art Lauerstellung so lange, bis die Dame des Hauses, die Langhornbiene, zum Pollenflug aufbricht. Dann geht alles ganz schnell. Die Kuckucksbiene öffnet die von der Langhornbiene angelegten unterirdischen Brutzellen und legt zu den schon vorhandenen Eiern ihre eigenen Kuckucksbieneneier. Zumeist unbemerkt frisst die zeitig geschlüpfte Larve der Langkopf-Wespenbiene Ei und Pollenbrot der Gastgeberin.

Schnelle Fakten zur Langkopf-Wespenbiene

Ab Ende April des Folgejahres schlüpfen neben den unversehrten Langhornbienen auch die Langkopf-Wespenbienen. Um ihren Wirtsparasitismus erneut ausüben zu können, hat die neue Generation der Langkopf-Wespenbiene nur wenige Wochen Zeit. Ihre Flugsaison währt bis Mitte Juni. Sie spart sich nicht nur den aufwendigen Nestbau im Erdboden, sie muss auch keine Pollenvorräte für ihren Nachwuchs anlegen. Als Kuckucksbiene verwendet sie vielmehr Zeit darauf, allerlei Nektar zu saugen und Ausschau nach Wirtstieren zu halten. Für ihren Nektarbedarf fliegen Langkopf-Wespenbienen übrigens gerne Gänsedisteln, Brombeeren, Habichtskräuter und Wiesen-Witwenblumen an.

Vielleicht fragen Sie sich, wie wir auch dieser ungewöhnlichen Bienenart unter die Flügel greifen können? Ganz einfach: Lassen Sie uns die warmliebenden Biotopstrukturen erhalten. Häufig müssen Streuobstwiesen Baugebieten und artenreiche Waldsäume als Holzlager weichen. Ermutigen Sie Ihre kommunalen Politikinnen und Politiker sich auch für diese Wildbienenlebensräume einzusetzen. Und selbst können Sie artenreiche Stauden und Gehölze in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon pflanzen. Achten Sie darauf ungefüllte, möglichst einheimische und aus der Region stammende Pflanzen zu erwerben.

Tipps, wie bienenfreundliche Strukturen gestaltet und erweitert werden können, finden Sie unter:
www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de.

Die Texte und Bilder der Reihe "Wildbiene des Monats" werden von der Stiftung Mensch und Umwelt zur Verfügung gestellt.


Letzte Aktualisierung 28.04.2021

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