Frühe Ziest-Schlürfbiene

Wildbiene des Monats Juni 2021: Frühe Ziest-Schlürfbiene

Die Frühe Ziest-Schlürfbiene ist unsere Wildbiene des Monats Juni 2021. Sie ist eine seltene Spezialistin: mit ihrem dornigem Sammelapparat am Kopf schüttelt sie den Pollen aus kleinen Lippenblütlern. Der Pollen vom Aufrechten Ziest schmeckt ihr am besten. Leider ist diese Bienenart vielerorts vom Aussterben bedroht. Ein Grund mehr, diese Wildbiene kennen zu lernen!

Diese Bienenart ist eine echte Feinschmeckerin. So müssen die Weibchen, um an den leckeren Pollen zu gelangen, mit dem Kopf gegen die Blütenwand stoßen. Mit ihren am Kopf sitzenden borstigen Erntehörnchen kommt sie so erfolgreich an den Pollen kleinerer Blüten. Nachdem sie sich zunächst mit dem zuckerhaltigen Nektar gestärkt hat, folgt die Pollenernte. Mit ihren besonderen Borsten erzeugt sie an der Blüte hörbare Summ-Impulse (buzzing). Die Staubblätter kommen auf diese Weise in Schwingung. Der Blütenpollen fällt leichter heraus. Im Nachgang bürstet sie diesen mit ihren Vorder- und Mittelbeinen zum Pollenspeicher. Diese Haarbürste sitzt an ihren Hinterbeinen.

Die mit 8 bis 10 Millimeter kleine Biene besticht durch breite, helle Endbinden und einen stark vorgewölbten Kopfschild. Ihr Aussehen verknüpft sich unmittelbar mit ihrem Verhalten beim Pollensammeln. Auffällig sind dabei die relativ tief sitzenden Fühler. Die Nahrungsspezialistin fliegt ausschließlich auf Lippenblütler. Dabei sammelt sie mit Vorliebe am Ziest (Stachys), zumeist am Aufrechten Ziest (Stachys recta). Bisweilen fliegt sie auch auf Heil-Ziest (Stachys officinalis) und Wirbeldost (Clinopodium vulgare).

Die Frühe Ziest-Schlürfbiene fliegt von Mitte Juni bis Mitte Juli. Als wärmeliebende Art bevorzugt sie Trockenstandorte wie Magerrasen, Waldsäume und Brachen. In den vier Wochen Lebenszeit als fliegendes Insekt muss sie sich paaren, ihr Nest in selbstgegrabenen Hohlräumen anlegen, die Brutzellen mit Proviant für ihre Nachkommen versorgen und anschließend verschließen. Reichlich Programm für so ein kleines Bienchen.

Die Nistgänge errichtet sie auf schütter bewachsenen Flächen. An Stellen, wo es der Boden zulässt, nisten die Tiere auch in kleinen Kolonien. Ihre Brutgänge legen sie in sandig-lehmigen Böden an. Ihre Brutzellen werden mit reichlich Pollennahrung versorgt. Für eine einzelne Brutkammer muss sie dabei mindestens 350 Blüten aufsuchen. Nachdem das Weibchen das Ei auf dem kugeligen Futterproviant abgelegt hat, werden die Brutzellen vorsichtig mit Erde verschlossen. Die Bienen der kommenden Generation überwintern daraufhin als Ruhelarve. Folglich fliegt von der Frühen Ziest-Schlürfbiene nur eine Generation im Jahr.

Schnelle Fakten zur Frühen Ziest-Schlürfbiene

Die Männchen erkennen wir an ihren längeren Fühlern. Sie erscheinen im Juni etwas früher als die Weibchen. Die Stammhalter patrouillieren daher an sonnigen Tagen bereits ungeduldig an den Blütenständen in sehnsüchtiger Erwartung der Weibchen. Die Fortpflanzung ist dabei ein wichtiger, aber auch der einzige Beitrag der Männchen für die kommende Generation. Nach verrichteter Arbeit finden sich die Männchen zuweilen in kleinen Schlafgemeinschaften ein. Dabei klammern sie sich mit ihren Beinen an den Futterpflanzen fest.

Zum Überleben brauchen die relativ selten vorkommenden Ziest-Schlürfbienen Nistplätze, Nistmaterial und ausreichend Nahrung. Durch das Verschwinden ihrer Lebensräume sind auch ihre letzten Bestände zunehmend gefährdet. Doch wir können konkret etwas für diese Bienenart tun: Mähen Sie spät oder auch Jahr um Jahr nicht ihre Wiesen und Bankette. Wo immer möglich, lassen Sie einzelne Bereiche über den Winter stehen, im besten Fall sogar über das zweite Jahr hinaus. Pflanzen Sie unseren einheimischen Aufrechten Ziest. Achten Sie dabei auf die Herkunft der Stauden. Vermeiden Sie, da wo Sie Zugriff haben, dass alle offenen Bodenflächen zuwachsen. Besonders die lückigen Mager- und Trockenrasenstandorte werden von einem Großteil der Wildbienen gerne als Nistort genutzt.

Tipps, wie bienenfreundliche Strukturen gestaltet und erweitert werden können, finden Sie unter:
www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de.

Die Texte und Bilder der Reihe "Wildbiene des Monats" werden von der Stiftung Mensch und Umwelt zur Verfügung gestellt.


Letzte Aktualisierung 26.05.2021

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