Tierwohlkennzeichnung

Kennzeichen zum Tierwohl

Das geplante staatliche Tierwohlkennzeichen lässt noch auf sich warten: Das Kennzeichnungssystem des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) soll für Milchkühe, Mastrinder, Schweine, Legehennen und Masthähnchen gelten. Die Haltung dieser Tiere unterteilt das BMEL in drei Qualitätsstufen. Je nach Stufe werden die Tiere deutlich besser (Stufe 3) oder nur wenig besser (Stufe 1) gehalten, als dies der Gesetzgeber verlangt. Bio-Tiere finden sich in Stufe 3 wieder. Am weitesten fortgeschritten ist die Ausarbeitung bei Schweinen. Sie sollen im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard mehr Platz und Beschäftigungsmaterial bekommen und weniger lange Transporte zum Schlachthof haben. Die Verwendung des Labels ist freiwillig. Noch ist kein Fleisch mit dem staatlichen Tierwohl-Kennzeichen im Handel.

Die Tierschutz- und Öko-Anbauverbände fordern eine verpflichtende Fleischkennzeichnung. "Jede Fleischpackung muss zeigen, wie das Tier gehalten wurde. Was die Kundinnen und Kunden mit 0-1-2-3 beim Ei gelernt haben, muss jetzt auf ein Label für Fleisch übertragen werden. Dabei muss Bio fester Teil der Kennzeichnung sein",  so Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Der Einzelhandel kennzeichnet die Haltungsform

Die Handelsketten Aldi Nord und Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe kennzeichnen Waren von Schweinen, Hähnchen, Puten und Rindern nach der "Haltungsform". Für jede Tierart gibt es vier Stufen: Stallhaltung, StallhaltungPlus, Außenklima und Premium. Die erste Stufe entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen. Entsprechend kommen konventionell erzeugte Produkte ohne weitere Tierwohlmaßnahmen in die Stufe 1. Bio-Produkte finden sich in Stufe 4 der "Haltungsform". Fleisch von Neuland und der Premiumstufe des Deutschen Tierschutzbundes wird ebenfalls unter 4 eingestuft. Beide Label garantieren hohes Tierwohl, aber keine Bio-Standards wie beispielsweise Futter aus ökologischem Anbau.

"Diese Kennzeichnung ist kein neues Produktsiegel, sondern sortiert alle existierenden Siegel und Programme in einem einheitlichen System. So können Verbraucher auf den ersten Blick erkennen, welches Tierwohl-Niveau sie einkaufen", betont Patrick Klein von der Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH. Diese Initiative der Wirtschaft organisiert die Entwicklung des neuen Labels.

Vor allem Fleisch mit Haltungsform 2 im Handel

"Nach einem Jahr kennen laut einer Umfrage von forsa bereits 49 Prozent der Deutschen die Kennzeichnung. Die teilnehmenden Händler kennzeichnen inzwischen durchschnittlich um die 90 Prozent ihrer Gesamtware von Schwein, Hähnchen, Pute und Rind mit der Haltungsform-Kennzeichnung", freut sich Klein. Während am Anfang fast nur Fleisch der Stufe 1 verfügbar war, wächst der Anteil von Stufe 2: sie deckt bei Hähnchen 85 Prozent und bei Puten 98 Prozent des gekennzeichneten Sortiments ab. Beim Schweinefleischsortiment werden bald 60 bis 70 Prozent die Stufe 2 erreichen. Aber nur acht Prozent schaffen Stufe 3 und noch weniger (fünf Prozent) Stufe 4. Bei Rindfleisch stammen ungefähr 90 Prozent der gekennzeichneten Ware aus einer Haltung nach Stufe 1. Magere drei Prozent kommen aus der Stufe 3 und sieben Prozent aus Stufe 4. "Wir wissen: Tierwohl ist Verbrauchern wichtig, und sie fordern das. Aber die meisten wollen oder können sich keine massiven Preisaufschläge leisten", bilanziert Patrik Klein.

Bio-Standards reichen weiter

Anders als bei Eiern bekommt Bio-Fleisch weder bei dem geplanten staatlichen Label noch bei der Handelskennzeichnung eine eigene Klasse. Bio-Tierhalterinnen und Bio-Tierhalter unterscheiden sich aber nicht nur punktuell, sondern verfolgen ein anderes System. "So umfasst Bio die gesamte Produktionskette vom Futter bis zur Wurst", betont der Bundesverband für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in seiner Pressemitteilung.

Wichtige Unterschiede zum staatlichen Label sind:

  • Bio-Tiere bekommen Bio-Futter, das ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger angebaut wird.
  • Die Zahl der Tiere auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb ist flächengebunden, um Belastungen für Boden, Grund- und Oberflächenwasser zu vermeiden.
  • Ein vorbeugender Einsatz chemisch-synthetischer (allopathischer) Arzneimittel, wie zum Beispiel Antibiotika, ist in der Bio-Tierhaltung nicht erlaubt.
  • Bio-Standards gelten auch für das Metzgerhandwerk und andere Fleischverarbeiter!

Letzte Aktualisierung 14.06.2021

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Ansicht durch Smartphone auf Bäuerin im Schweinestall

Gehen Sie auf einen virtuellen 360-Grad-Rundgang in einem Bio-Stall und besuchen Sie Bio-Kühe, -Schweine oder -Hühner.

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