Neue Kennzeichen zum Tierwohl

Neue Kennzeichen zum Tierwohl

Das geplante staatliche "Tierwohlkennzeichen"

Das Kennzeichnungssystem des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) gilt zun├Ąchst nur f├╝r Mastschweine: von der Geburt bis zur Schlachtung. Die Haltung der Schweine unterteilt das BMEL in drei Qualit├Ątsstufen. Die unterscheiden sich wesentlich in vier Kriterien: S├Ąugephase, Platz, Stallausstattung und Schw├Ąnze kupieren. Je nach Stufe werden die Tiere deutlich besser (Stufe 3) oder nur wenig besser (Stufe 1) gehalten, als dies der Gesetzgeber verlangt. Ein Beispiel zum Vergleich: Ein Ferkel der Stufe 1 darf vier Tage l├Ąnger saugen als gesetzlich vorgeschrieben. Kastrationen d├╝rfen nur unter Bet├Ąubung erfolgen. Am Ende der Mast hat das 100 Kilogramm schwere Tier 0,15 Quadratzentimeter mehr Platz. Der Transport zum Schlachthof darf h├Âchstens acht Stunden dauern. Beim gesetzlichen Mindeststandard sind es 24 Stunden.

Die Verwendung des Labels ist freiwillig. Noch ist kein Fleisch mit dem staatlichen Tierwohl-Kennzeichen im Handel.

Der Einzelhandel kennzeichnet die Haltungsform

Die Handelsketten Aldi Nord und S├╝d, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe f├╝hren seit 1. April 2019 schrittweise eine eigene Kennzeichnung ein. Anders als das staatliche Label gilt es f├╝r viele Tierarten: Schweine, H├Ąhnchen, Puten und Rinder. Die Kennzeichnung orientiert sich an der "Haltungsform". F├╝r jede Tierart gibt es vier Stufen: Stallhaltung, StallhaltungPlus, Au├čenklima und Premium. Die erste Stufe entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen. Entsprechend kommen konventionell erzeugte Produkte in die Stufe 1, Bioprodukte in die Stufe 4 der "Haltungsform". Fleisch von Neuland und der Premiumstufe des Deutschen Tierschutzbundes wird ebenfalls unter 4 eingestuft. Beide Label garantieren hohes Tierwohl, aber keine Biostandards wie Futter aus ├Âkologischem Anbau.

Fast nur Fleisch mit Haltungsform 1 im Handel

"Die neue Kennzeichnung ist kein neues Produktsiegel, sondern sortiert alle existierenden Siegel und Programme in einem einheitlichen System. So k├Ânnen Verbraucher auf den ersten Blick erkennen, welches Tierwohl-Niveau sie einkaufen", betont Patrick Klein von der Gesellschaft zur F├Ârderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH. Diese Initiative der Wirtschaft organisiert die Entwicklung des neuen Labels. Bisher haben die Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch keine gro├če Auswahl: gut 90 Prozent des Schweinefleisches im Supermarkt tr├Ągt das Kennzeichen 1, erf├╝llt also lediglich die gesetzlichen Mindeststandards. Bei Gefl├╝gel dagegen sieht es schon etwas besser aus: "Hier landen 90 Prozent in Stufe 2", wei├č Patrick Klein. Wurstwaren sind jedoch noch nicht gekennzeichnet. Laut Greenpeace weigerten sich die zw├Âlf gr├Â├čten Fleischverarbeiter bisher, ihre Produkte freiwillig zu kennzeichnen.

Greenpeace-Abfrage bei Wurstwarenherstellern

Biostandards reichen weiter

Anders als bei Eiern bekommt Biofleisch weder bei dem geplanten staatlichen Label noch bei der Handelskennzeichnung eine eigene Klasse. Biotierhalterinnen und Biotierhalter unterscheiden sich aber nicht nur punktuell, sondern verfolgen ein anderes System. "So umfasst Bio die gesamte Produktionskette vom Futter bis zur Wurst", betont der Bundesverband f├╝r ├Âkologische Lebensmittelwirtschaft (B├ľLW) in seiner Pressemitteilung.

Wichtige Unterschiede zum staatlichen Label sind:

  • Biotiere bekommen Biofutter, das ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstd├╝nger angebaut wird.
  • Die Zahl der Tiere auf einem ├Âkologisch wirtschaftenden Betrieb ist fl├Ąchengebunden, um Belastungen f├╝r Boden, Grund- und Oberfl├Ąchenwasser zu vermeiden.
  • Ein vorbeugender Einsatz chemisch-synthetischer (allopathischer) Arzneimittel, wie zum Beispiel Antibiotika, ist in der Biotierhaltung nicht erlaubt.
  • Biostandards gelten auch f├╝r das Metzgerhandwerk und andere Fleischverarbeiter!

Was bringen die neuen Label aus Sicht der Tiersch├╝tzer

Das staatliche Kennzeichen geht bereits ab Stufe 1 ├╝ber den Mindeststandard hinaus, gilt aber bisher nur f├╝r Schweine. Die erste Stufe der Haltungsform-Kennzeichnung des Einzelhandels (Stallhaltung) beschreibt die gesetzlichen Mindestvorgaben, bringt also keinen Mehrwert f├╝r die Tiere. "Erst ab Stufe zwei (StallhaltungPlus) kennzeichnet das System der Superm├Ąrkte eine etwas bessere Haltung. Sie liegt jedoch ebenfalls recht deutlich unter der ersten Stufe der staatlichen Kennzeichnung", bilanziert die Albert-Schweizer-Stiftung.

Der Deutsche Tierschutzbund begr├╝├čt das einheitliche Labeling des Handels, da es f├╝r mehr Verbrauchertransparenz sorge. Mehr Tierschutz sei jedoch in der ganzen Produktionskette von der Zucht bis zur Schlachtung gefragt. Wenn der Handel es ernst meine, d├╝rfe er k├╝nftig nicht mehr f├╝r Billigfleisch werben. "Und alles mit der Ziffer 1 m├╝sste ausgelistet werden, denn der gesetzliche Standard ist aus Tierschutzsicht ungen├╝gend", kritisiert Verbandspr├Ąsident Thomas Schr├Âder.


Letzte Aktualisierung 23.04.2019

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Ansicht durch Smartphone auf B├Ąuerin im Schweinestall

Gehen Sie auf einen virtuellen 360-Grad-Rundgang in einem Bio-Stall und besuchen Sie Bio-K├╝he, -Schweine oder -H├╝hner.

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