Bioputen

Puten in Bioqualität

Laut Statischem Bundesamt wurden 2018 in Deutschland 35 Millionen Puten geschlachtet. Pro Kopf verzehren wir durschnittlich knapp sechs Kilogramm im Jahr. Davon stammt jedoch nur ein Bruchteil aus Ökohaltung. Das magere, mineralstoffreiche Putenfleisch landet häufig in Kindernahrung, Salaten und sogenannten Fitnessprodukten.

Im konventionellen Landbau werden Puten extrem schnell aufgezogen. Ein männliches Küken kann hier innerhalb von 19 Wochen sein Gewicht um das 300-fache steigern - von 60 Gramm auf über 19 Kilogramm. Die schnelle und hohe Gewichtszunahme bereitet den Tieren häufig Gelenkschmerzen. Die schwere, breite Brust bringt sie am Ende der Mast aus dem Gleichgewicht.

Im ökologischen Landbau werden die Tiere langsamer gemästet. Laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau müssen langsam wachsende Rassen verwendet werden oder die Tiere müssen bei der Schlachtung ein Mindestalter haben.

Viel Platz und Auflauf im Freien

Darüber hinaus darf das Federvieh raus ins Freie: vorgeschrieben sind zehn Quadratmeter Grünauslauf pro Tier. So können die aktiven Tiere ihr arttypisches Verhalten ausleben: ein Staubbad nehmen oder nach Samen und Insekten picken.

Puten stammen ursprünglich aus dem Steppenwald Südamerikas und halten sich dort gerne am Waldrand auf. Anders als Hühner zieht es die neugierigen Truthühner auch abends auf Erkundungstour. In einem Waldlandputen-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich die Puten auf einer drei Hektar großen Fläche aus Wald und Weide frei bewegen. Gegen Füchse schützt sie ein Drahtzaun. Die robusten aus England stammenden Kelly-Bronze-Puten können in dem abwechslungsreichen Gelände ihre natürlichen Instinkte nahezu perfekt ausleben. Manche der älteren Tiere schlafen gerne auf Bäumen. Zwischen Mai und Dezember fühlen sich die Waldlandputen auch ohne festen Stall sehr wohl. An kühlere Temperaturen im Herbst passen sie sich mit einem dichten Federkleid an.

Leben wie der Schnabel gewachsen ist

Viel Freiraum brauchen die Tiere aber auch, um nicht in Stress zu geraten und sich nicht gegenseitig mit ihren spitzen Schnäbeln zu verletzen. Damit die Puten ihre Federn artgerecht pflegen und nach Futter picken können, dürfen ihre Schnäbel in der Biohaltung nicht wie sonst üblich gekürzt oder geschliffen werden. Gegen das betäubungslose Kürzen der schmerzempfindlichen Schnäbel und anderer tierschutzrelevanter Verstöße in der Putenmast klagt die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt mit einer in Baden-Württemberg eingereichten Tierschutz-Verbandsklage.

"Vor Gericht wird es zwar eigentlich nur um eine konkrete Putenmastanlage gehen, aber wir rechnen damit, dass der Fall durch drei Instanzen gehen wird. Die Bundesregierung wird im Erfolgsfall gezwungen sein, eine Verordnung zu erlassen, die mit der heute üblichen Putenmast nicht mehr viel zu tun hat", heißt es in einer Presseerklärung der Tierschutzorganisation.

Bioputen sind entspannter

Trotz unversehrter Schnäbel lassen Puten in ökologischer Haltung wenig Federn, bestätigt eine Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. "Die geringeren Hautverletzungen bei Bioputen lassen sich möglicherweise auf das erhöhte Platzangebot im Vergleich zur konventionellen Putenhaltung zurückführen, welches den Tieren ermöglicht, pickenden Artgenossen auszuweichen. Des Weiteren können ein strukturierter Stall mit Beschäftigungsmaterialien sowie der Zugang zum Freigelände dazu beitragen, Langeweile und der damit einhergehenden Federpick- und Kannibalismusproblematik vorzubeugen", so Dr. Birgit Spindler, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Fachtierärztin für Tierschutzkunde. Wichtig sei es überdies, verletzte oder kranke Tiere sofort aus dem Bestand zu nehmen. Um den Überblick zu behalten, sollten die Herden nicht zu groß sein: Bioherden dürfen maximal 2500 Tiere haben.

Bestes Eiweiß für die Pute

Darüber hinaus ist eine maßgeschneiderte Fütterung für Tierwohl und Wachstum wichtig. Außer ihrem Hauptfutter – Biogetreide und Raufutter wie Gras oder Heu – brauchen Puten hochwertige Aminosäuren. Laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sind synthetische Aminosäuren nicht erlaubt. "Bioputen erhalten ihre Extraportion Protein aus Mais und Kartoffeleiweiß. In den ersten Lebenswochen dürfen sie auch Fischmehl bekommen, aber nur aus nachhaltiger Fischerei mit MSC-Siegel oder vergleichbaren Standards", erläutert Manfred Becker, Geflügelberater beim Ökoanbauverband Biokreis. Mangels Bioangebotes darf jedoch noch ein kleiner Teil der Eiweißration aus konventioneller Herkunft stammen.

Fitte Vögel haben festes Fleisch

Wenn sich die Tiere viel bewegen, trainieren sie ihre Brustmuskeln und Keulen. Das wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus: Biotiere bilden ein festes, feinfaseriges und zartes Fleisch, das beim Garen wenig Wasser verliert. Da Bioputen im Laufe ihres Lebens höchstens einmal mit Antibiotika behandelt werden dürfen und die Wartezeit doppelt so lang sein muss wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, enthält Bioputenfleisch höchstwahrscheinlich keine Antibiotikarückstände.

Abgepackte Bioputenfleischwaren wie Putenbrust oder Putensalami gibt es in fast allen Naturkostläden. Dagegen sind ganze Puten meist nur auf Vorbestellung bei einzelnen Bio-Direktvermarktern erhältlich. Die Adressen lassen sich über die Anbauverbände erfahren.


Letzte Aktualisierung 11.12.2019

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