Bio-Wild aus heimischer Herkunft

Bio-Wild aus heimischer Herkunft

Hirschragout und Wildsalami müssen nicht von Tieren aus freier Wildbahn stammen. Auch Bio-Betriebe bieten hochwertiges Fleisch von Rotwild und Damwild an. Die Tiere leben das ganze Jahr über in großen Gehegen und bekommen nur Futter aus ökologischem Anbau.

Wildfleisch ist etwas Besonders: Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft isst statistisch gesehen jede beziehungsweise jeder pro Jahr knapp 60 Kilo Fleisch, aber nur ein Kilogramm Wild. Dennoch können wir den Bedarf an Fleisch von Hirsch, Wildschwein, Reh und Co. aus heimischer Herkunft längst nicht decken. Schätzungsweise 40 Prozent des bei uns verzehrten Wildfleisches stammt aus dem Ausland, vor allem aus Neuseeland.

Auch Bio-Betriebe halten Wild: vor allem Rotwild und das ursprünglich aus Asien stammende Damwild. Dagegen eignen sich Rehe weniger für die Gatterhaltung. Sie stellen mehr Ansprüche als Hirsche an ihr Futter. Außerdem leben Rehe in freier Wildbahn als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen. Wildschweine gelten eher als Plagegeister der Landwirtschaft. Statt eine Fläche zu beweiden durchwühlen sie den Boden nach Futter.  Das überlebt keine Grasnarbe.

Welches Wildfleisch ist wirklich Bio?

Auch wenn Wildfleisch aus der Natur stammt, ist es nicht Bio. Nur Wildfleisch aus kontrollierter ökologischer Haltung darf sich Bio nennen. Bis es vermutlich ab 2022 EU-Bio-Richtlinien für Geweihträger gibt, gelten beim Bio-Wild die nationalen Richtlinien der Öko-Anbauverbände. So haben beispielsweise Naturland und Bioland Richtlinien für Damwild und Rotwild. Bei Biopark gelten für Hirsche dieselben Vorschriften wie für die anderen Wiederkäuer Rind und Schaf.

Ganz wichtig: Bio-Wild muss ganzjährig auf der Weide sein. Versteckplätze für Kälber und ein Witterungsschutz (Hecken, Bäume und Unterstände) sind ebenfalls vorgeschrieben. Außerdem brauchen die Geweihträger sogenannte Fegeplätze. Das können Büsche, Bäume oder Baumkronen sein, an denen sich die Tiere einmal im Jahr das Geweih abscheuern. Rotwildgehege müssen zusätzlich eine Suhle enthalten.

Bio-Wild braucht viel Fläche

Anders als bei der konventionellen Wildtierhaltung ist bei Bio-Wild das Platzangebot genau vorgeschrieben. Das Gehege muss bei Bioland für Damwild mindestens drei und für Rotwild mindestens fünf Hektar groß sein. Der maximale Tierbesatz pro Hektar Gehegefläche beträgt sieben "Produktionseinheiten" Damwild. Eine Produktionseinheit Damwild besteht aus einem Muttertier, einem Kalb, einem Jährling und einem "Zehntel Hirsch". Denn auf zehn weibliche Tiere kommt ein männliches. Beim deutlich größeren Rotwild dürfen nur halb so viele Tiere – 3,5 Produktionseinheiten Rotwild – auf den Hektar. Da die Tiere in der freien Wildbahn in Rudeln leben, gilt bei Dam- und Rotwild eine Mindestrudelgröße von jeweils fünf Tieren (vier Hirschkühe, ein Hirsch). Die Kälber kommen im Mai/Juni auf die Welt und bleiben bis zum Winter bei ihren Müttern.

Wildtiere sind Feinschmecker

Wildtiere lieben abwechslungsreiches Futter aus vielfältigen Pflanzen. Im Sommer weiden die Bio-Tiere Kräuter und Gräser von ökologisch bewirtschafteten Wiesen und Äckern. Im Herbst kommen Kastanien und Fallobst hinzu. Im Winter gibt es Bio-Heu oder Silage aus der Raufe. Die meisten Bio-Wildtiere werden im Alter von 1,5 Jahren auf der Weide geschossen und dann in einer Metzgerei schnell weiterverarbeitet. So bleibt ihnen der Schlachthof erspart. Da Wildtiere den Umgang mit Menschen nicht gewohnt sind, würde sie das Einfangen und der Transport zum Schlachthof enorm stressen. Heimisches Bio-Wildfleisch gibt es meistens nur direkt beim Erzeuger zu kaufen.

Drei Fragen an Henrik Staar

"Unsere Tiere bekommen nur Bio-Futter"

Der Demobetrieb Gut Hirschaue hält mitten in Brandenburg 500 weibliche Tiere Damwild und 150 Rothirschkühe plus deren Nachwuchs. Betriebsleiter Henrik Staar erläutert, was das Besondere am Bio-Wild ist.

Oekolandbau.de: Warum halten Sie Bio-Wild?

Henrik Staar: Nach der Wende haben wir uns auf unseren mageren Brandenburger Böden bewusst für ein Nischenprodukt entschieden. Allerdings sind Wildtiere im Vergleich zu Rindern viel anspruchsvoller, was das Futter angeht. Sie fressen eine Weide nicht komplett ab, sondern wählen sich immer das schmackhafteste Futter aus. Beispielsweise fressen sie die Luzerne solange ab, bis kein Blatt mehr hochkommt. Deswegen halten wir die Tiere auf verschiedenen Äckern. Außer Klee-Grasmischungen bieten wir ihnen in einer festen Fruchtfolge über das Jahr auch Hafer, Roggen und Mais mit Serradella als Unterwuchs zur Beweidung an. So bleibt der Speiseplan abwechslungsreich.

Oekolandbau.de: Wieso sollten Verbraucherinnen und Verbraucher überhaupt Bio-Wild kaufen?

Henrik Staar: Die heimische Jagd kann die Nachfrage nach Wild gar nicht decken. Außerdem können wir garantieren, dass unsere Bio-Wildtiere nur Futter aus eigenem ökologischem Anbau bekommen. Dagegen hat sich das Wildschwein bestimmt auch am konventionellen Mais bedient. Das Reh kann auch auf einem kürzlich gespritzten Raps- oder Getreideacker gefressen haben.

Darüber hinaus ist die Wildhaltung eine besonders extensive, naturverträgliche Form der Landnutzung. Um unseren Wildtieren einen natürlichen Wetterschutz zu bieten, haben wir auf unseren 200 Hektar über 17.000 Bäume und Sträucher gepflanzt. Von diesem Biotopverbund profitieren auch andere Wildtiere und Vögel. Da unsere Hirsche so viel Platz haben, kann es nicht zur Überdüngung der Flächen kommen.

Oekolandbau.de: Warum gibt es dann so wenig Bio-Wildtierhalter?

Henrik Staar: Die Bio-Wildtierhaltung lohnt sich eher auf großen Flächen. Oder als Nischenprodukt auf kargen Standorten. Da der Bio-Wildhalter keinen synthetischen Stickstoffdünger auf seinen Weideflächen ausbringt, kann er auf seiner Gatterfläche weniger Tiere als ein konventioneller Tierhalter ernähren. Damit kann er pro Hektar Gehegefläche deutlich weniger erlösen.

Außerdem gibt es viel Konkurrenz aus dem Ausland, vor allem aus Neuseeland. Dort haben die Engländer das Wild eingeführt und es gedeiht gut. Anders als bei uns dürfen die Tiere in Neuseeland jedoch auf dem Schlachthof geschlachtet werden.


Letzte Aktualisierung 14.09.2020

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