Rhönschaf-Naturlandhof Kolb

Rhönschaf-Naturlandhof Kolb: Erhalt durch Nutzung

Das Rhönschaf ist eine der ältesten deutschen Schafrassen und seit etwa dem 16. Jahrhundert in der Rhön verbreitet. Im letzten Jahrhundert sank mit dem Ende der Wanderschäferei die Anzahl der Rhönschafe jedoch drastisch – die Rasse musste sogar in die Liste der gefährdeten Haustierrassen aufgenommen werden. Seit 1985 setzt sich der Naturlandhof der Familie Kolb gemeinsam mit dem BUND Naturschutz Bayern ganz praktisch für den Erhalt des Rhönschafes ein. Dies geschieht getreu dem Motto "Erhalt durch Nutzung".

Das Rhönschaf ist wieder da!

Das Rhönschaf ist schon viele Jahrhunderte heimisch in der Rhön und einst umfasste die Rasse hunderttausende Tiere in Deutschland. Die Schafhaltung war seit jeher prägend für die Kulturlandschaft in diesem rauen Mittelgebirge, das auch das "Land der offenen Fernen" genannt wird. Nachdem der Tierbestand in den 1970er Jahren mit nur noch wenigen hundert Tieren seinen Minimalstand erreichte, war es fünf vor zwölf für das Rhönschaf. Daher beschloss der BUND Naturschutz Bayern das Projekt "Rhönschafe" zu gründen, um die gefährdete Tierrasse zu retten: Seit 1985 ist Josef Kolb mit der Zucht der Rhönschafe betraut. Und so kam es, dass sie in den 1980er Jahren im Volksmund als "Heimkehrer" bezeichnet wurden. "Mit 40 Rhönschafen und einem Zuchtbock begann eine neue Ära der Landwirtschaft in der Rhön", berichtet Kolb. "Bis heute wurde daraus eine Herde mit mehr als 400 Mutterschafen." Dazu kommt je nach Jahreszeit natürlich noch eine unterschiedlich große Anzahl von Jungtieren und Böcken auf dem Betrieb.

Mit 40 Rhönschafen und einem Zuchtbock begann eine neue Ära der Landwirtschaft in der Rhön.

Neben dem in der Ortschaft Ginolfs liegenden Naturland- Betrieb der Familie Kolb halten mittlerweile auch wieder einige andere Schafhalter das traditionsreiche Tier. Aktuell zählt die Rasse etwa 10.000 Muttertiere in Deutschland – wovon aber nicht einmal die Hälfte in der Rhön gehalten werden. Das Ziel von BUND Naturschutz ist es nun, dass das Rhönschaf in seiner touristisch interessanten Heimat noch zahlreicher wird. Für den Wanderurlauber in der Region ist es leicht zu erkennen: am hornlosen Kopf mit schwarzem Gesicht, der groben hellen Wolle und den langen völlig weißen Beinen.

Regionalität und Biosphärenreservat

Das Rhönschaf ist heutzutage ein großer Sympathieträger für die ganze Rhön und gleichzeitig auch Sinnbild für regionale Kreisläufe. Bei der Haltung geht es jedoch nicht nur um den Erhalt der Rasse und der Landschaftspflege im Biosphärenreservat Rhön, sondern auch sehr stark um die Stärkung der eher benachteiligten Wirtschaftsregion im Dreiländereck Bayern- Hessen- Thüringen. Im Rahmen des Biosphärenreservats Rhön wurde daher die "Dachmarke Rhön" eingeführt, um generell die Vermarktung regionaler Produkte – wie Rhöner Obstbrände, Brotaufstriche oder eben Spezialitäten vom Rhönschaf – zu fördern. Der Naturlandhof Kolb vermarktet das Fleisch seiner Lämmer an mehrere Gastronomien, mit denen seit vielen Jahren eine partnerschaftliche Zusammenarbeit besteht. Einer der Abnehmer ist das Rhönschaf-Hotel "krenzers rhön" von der Familie Krenzer im nahe gelegenen Ort Seiferts. Das außerordentlich wohlschmeckende Fleisch der Tiere findet man auf der Speisekarte als kulinarische Kreationen, wie zum Beispiel "Rhönlammtiegel – in hausgemachtem Apfelwein und Honig eingelegte Lammfleischstücke" oder "Määhh-Pasta" für die kleineren Gäste. Auch die Organisation "Slow Food" schätzt das Rhönschaf sehr und hat es aufgrund des "erstklassigen Geschmacks", der "langen Historie" und des "identitätsstiftenden Charakters" sogar in die sogenannte "Arche des Geschmacks" aufgenommen.

Biohof Kolb: Von Bildung bis Wurst

Das Rhönschaf steht auch im Mittelpunkt der Bildungsarbeit des Demonstrationsbetriebs, der eng mit dem Biosphärenreservat Rhön und mit der neuen Umweltbildungsstätte Oberelsbach zusammenarbeitet. Regelmäßig kommen Besuchergruppen und Schulkassen zum Hof, um mehr über das Tier zu erfahren. Für außergewöhnlich viel Publikum sorgt zusätzlich einmal im Jahr der Weideabtrieb zum Beginn des Winters, den die Herde dann im Stall verbringt. "Die Zuschauer reisen mittlerweile häufig von weit an, um dabei zu sein. Es herrscht nahezu Volksfestcharakter", berichtet Schafhalter Kolb.

Die Zuschauer reisen mittlerweile häufig von weit an, um beim Weideabtrieb dabei zu sein.

Im Hofladen der Familie Kolb findet man die eigenen Produkte vom Rhönschaf: Die relativ grobe Wolle der Schafe wird beispielsweise für Socken und Stofftiere verwendet, doch man kann auch die gegerbten Felle erwerben. Und vor allem kann man natürlich Fleisch und Wurst vom Rhönschaf einkaufen. Das Fleischangebot im Laden wird noch ergänzt durch die saisonale Haltung von Enten und Gänsen auf dem Betrieb. Die Aufzucht, Haltung, Schlachtung und Verarbeitung aller Tiere erfolgt fast ausschließlich auf dem Betrieb. Und auch das Futter stammt von den eigenen Flächen – regionaler geht es kaum.


Betriebsporträt: Kolb’s Bio-Hof

Das Betriebsleiterehepaar Josef und Zita Kolb arbeitet seit 1985 zusammen mit dem Bund Naturschutz am „Projekt Rhönschaf“. „Heimkehrer in der Rhön“ war einst der Slogan für das Bioprojekt. Mit diesem Beispiel hat in der Rhön eine neue Entwicklung begonnen. Die Idee: Eine alte Haustierrasse wieder zu nutzen und durch ihren Erhalt auch die Kulturlandschaft zu bewahren.
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Letzte Aktualisierung 05.03.2014

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