Gutshof Warstein: Stetig verändern, Perspektiven schaffen

Gutshof Warstein: Stetig verändern, Perspektiven schaffen

Mittagessen mit Biokomponente

12:30 Uhr – Jetzt muss es schnell gehen in der Küche des Gutshofs Warstein. Kartoffeln werden abgetropft, das Fleisch aus dem Ofen geholt und der Grünkohl in silberne Behälter gefüllt. Die Handgriffe der Küchenchefin Sabine Hückelheim und ihrer zwei Kollegen sind routiniert. In wenigen Minuten verpacken sie das Essen in Thermoboxen, kleine Post-it-Zettel markieren, wohin es ausgeliefert werden soll. Neben der benachbarten Kindertagesstätte "Hexenhäuschen" erhalten heute auch noch offene Ganztagsschulen aus dem Stadtgebiet Warstein und Umgebung ihr Mittagessen. Die fast 300 Mahlzeiten, die täglich zubereitet werden, umfassen immer eine Bio-Komponente, die zu 95 Prozent auf dem Gut Warstein ökologisch produziert wurde. Oftmals sind es die Kartoffeln als Beilage, die Tomaten im Nudelauflauf oder der Salat der Saison. Entsprechend der WHO-Vorschläge achtet das Küchenteam bei der Menügestaltung auf eine gesunde Ernährung. Einmal in der Woche gibt es einen vegetarischen Tag, grundsätzlich steht wenig Fleisch auf dem Speiseplan. Außerdem berücksichtigt die Ökotrophologin Hückelheim bei der Planung die Essgewohnheiten der verschiedenen Glaubensrichtungen sowie die Einschränkungen von Allergikern und Diabetikern.

Diese Verpflegung für Kinder und Jugendliche bietet der Naturland Betrieb seit 1998 an. Zuerst im kleinen Stil für Schülergruppen, die auf dem Hof pädagogisch betreut wurden. Aufgrund von Empfehlungen wuchs die Nachfrage und so erweiterte der Gutshof Warstein das Angebot. Betriebsleiter Heinz Nitsch weiß heute, dass diese Entscheidung richtig war: "Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss sich immer wieder neu aufstellen und verändern. Die Bedeutung der Themen Kita- und Schulverpflegung wächst stetig, sodass wir auch in Zukunft einen Abnehmer für diesen Service finden werden." Sein Fazit: Die Investition vor 15 Jahren habe sich gelohnt. Zwar seien die Anschaffungskosten horrend, aber es sei eine sichere Einkommensquelle, die sich über einen langen Zeitraum kalkulieren lasse.

"Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss sich immer wieder neu aufstellen und verändern."

Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap

Besonders wichtig ist Nitsch, dass sich dieses Angebot mit dem Konzept des Biohofs gut vereinbaren lässt. Der Gutshof Warstein ist gepachtet von der INTEGRA, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe macht, Menschen mit Behinderungen auszubilden und für sie Arbeitsperspektiven zu schaffen. So auch hier auf dem Hof, wo 17 gehandicapte Menschen sowohl für den Anbau der Pflanzen, als auch für die Zubereitung der Lebensmittel und die Anlieferung verantwortlich sind. Auf diese Weise schaffen sie sich auf dem Gutshof unbefristete und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. "Wir sind keine Behindertenwerkstatt, sondern ein am Markt orientiertes Unternehmen", betont Heinz Nitsch, "Bei uns arbeiten Menschen mit Einschränkungen, aber mit hoher Motivation. Und das brauchen wir auch, denn es ist ein Trugschluss zu glauben, dass gehandicapte Menschen automatisch in der Landwirtschaft arbeiten können."

"Bei uns arbeiten Menschen mit Einschränkungen, aber mit hoher Motivation."

Vielmehr verfolgen sie den Ansatz, dass der Betriebsinhalt die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung sein muss. Das bedeutet, dass es Mitarbeitern, die sich für eine bestimmte Tätigkeit eignen, ermöglicht wird, dieser nachzugehen. Der vielschichtige Gemischtbetrieb bietet dafür gute Voraussetzungen: die Versorgung von Zucht- und Mastschweinen, einer kleinen Mutterkuhherde und etwa 400 Legehennen, deren Eier von Hand sortiert werden. Außerdem bauen sie ökologisches Gemüse und Kräuter in der hofeigenen Gärtnerei an sowie Kartoffeln und Erdbeeren. Auch in der Verarbeitung sind die Mitarbeiter des Gutshofs im Einsatz: Bis zu 300 Kilogramm Kartoffeln schälen sie am Tag, insgesamt 60 Tonnen im Jahr. Diese werden dann ohne Konservierungsstoffe abgepackt und entweder verkauft oder in der Küche für die Kita- und Schulverpflegung weiterverwendet.

Bioessen für jedes Portemonnaie

"Mir liegt am Herzen, dass jedes Kind eine warme Mahlzeit am Tag bekommt, unabhängig vom Gehalt und den Möglichkeiten der Eltern", wünscht sich Heinz Nitsch. Deswegen gilt für die Mittagsverpflegung: Auf die Teller kommt, was gerade wächst. Die Verwendung der saisonalen und regionalen Produkte macht sich beim Preis bemerkbar. Der Betriebsleiter erklärt, dass bei drei Euro pro Mahlzeit die Schmerzgrenze der meisten Eltern erreicht sei. Ein komplettes Bioessen kann er dafür nicht realisieren. Die Biokomponente ist für ihn ein guter Kompromiss zwischen gesunder Verpflegung und einem akzeptablen Preis.

"Mir liegt am Herzen, dass jedes Kind eine warme Mahlzeit am Tag bekommt, unabhängig vom Gehalt und den Möglichkeiten der Eltern."

Autorin: Karin Wilhelm


Betriebsporträt: Gutshof Warstein

Der denkmalgeschützte Hof wurde 1996 durch den Firmenverbund INI e.V./ INITEC gGmbH/ INTEGRA gGmbH gepachtet. Als Integrationsbetrieb bietet der Hof 20 Mitarbeitern mit Behinderungen in der ökologischen Landwirtschaft oder in den nachgeordneten Aufgabenfeldern einen Arbeitsplatz.
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