Gut Adolphshof

Gut Adolphshof: Wenn Kunden zu "Mitlandwirten" werden

Demeter-Landwirtschaft seit 1952: Der Adolphshof kann eine lange Tradition in der ökologischen Landwirtschaft vorweisen. Relativ neu in das Betriebskonzept integriert wurde die "Solidarische Landwirtschaft". Dabei handelt es sich um ein neues Verhältnis zwischen produzierender Landwirtin und produzierenden Landwirt und den abnehmenden Verbraucherinnen und Verbrauchern, die nun weit mehr als nur Kundinnen und Kunden sind. Dieser neue Ansatz in der Vermarktung passt sehr gut zur Bildungsarbeit auf dem Hof, die Erwachsenen und Kindern die Landwirtschaft näher bringt.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

"Liebe Mitlandwirte": So beginnt das wöchentliche Schreiben an alle Menschen, die im Rahmen der Solidarischen Landwirtschaft vom Adolphshof mit einer Vielzahl von Produkten versorgt werden. Sie heißen "Mitlandwirte", weil sie sich finanziell an der Landwirtschaft beteiligen und gelegentlich auch ganz praktisch mithelfen. Gemüse, Obst und Eier bekommen die Mitlandwirtinnen und Mitlandwirte zum Beispiel kistenweise in sogenannte "Depots" geliefert. Dort warten diese "Ernteanteile" auf die Abholung. Anstatt für jedes einzelne Produkt zu zahlen, unterstützen die Mitlandwirtinnen und Mitlandwirte den Hof mit einem Jahresbeitrag. Auf diese Weise bilden der Hof und die Abnehmerin und Abnehmer eine Art Solidargemeinschaft. Im englischsprachigen Raum nennt man die Solidarische Landwirtschaft deshalb treffend "Community supported agriculture" oder auch kurz "CSA". Der Beitrag wird von Landwirtinnen und Landwirten und Mitlandwirtinnen und Mitlandwirten einmal im Jahr gemeinsam festgelegt – und zwar bevor man weiß, wie gut oder schlecht die Ernte ausfällt. "Dadurch haben wir als landwirtschaftlicher Betrieb jetzt mehr Planungssicherheit", erläutert Betriebsleiterin Sabine Adam den wichtigsten Vorteil für den Adolphshof. Auch dringend nötige Investitionen, etwa für einen neuen Traktor, können schon vorher in den Beitrag einkalkuliert werden.

Wir haben als landwirtschaftlicher Betrieb jetzt mehr Planungssicherheit.

Seit Jahresbeginn 2013 gibt es auf dem Adolphshof die Solidarische Landwirtschaft. Von Anfang an mit dabei ist Katharina Wenzel, die alle Fäden der "SoLaWi" – wie sie es abgekürzt nennt – in der Hand hält. Sie kümmert sich hauptverantwortlich um das Herzstück, die neu aufgebaute kleine Gärtnerei. Ihrer Ansicht nach ist die Solidarische Landwirtschaft "eine tolle Chance für Landwirtinnen und Landwirte und Abnehmerinnen und Abnehmer – aber gleichzeitig auch eine große Herausforderung." So berichtet sie, dass "es für alle einen intensiven gedanklichen Prozess bedeutet, vom individuellen Kaufen zum gemeinschaftlichen Teilen zu gelangen." Der Adolphshof geht bei der Solidarischen Landwirtschaft einen behutsamen Weg, indem er parallel auch weiterhin große Teile seiner Produkte klassisch im Hofladen oder auf Wochenmärkten verkauft. Doch nach Aussage von Sabine Adam wächst der Bereich der Solidarischen Landwirtschaft sogar deutlich schneller als erwartet. Vor Kurzem wurde erst wieder ein neues Depot in der Nähe von Hannover eröffnet. Eine Station mehr auf der Tour, wenn das Team der SoLaWi in der Region wöchentlich Gemüse, Milchprodukte, Eier, Wurst und Brote vom Adolphshof ausliefert.

Menschen die Landwirtschaft näher bringen

Die Solidarische Landwirtschaft nützt nicht nur dem Hof. Möglicherweise überwiegen sogar die "ideellen" Vorteile für die MItlandwirtinnen und Mitlandwirte: Sie können den Hof und die Tiere hautnah kennenlernen. Und sie bekommen wieder ein Gefühl dafür, wo und wie die Möhre oder der Kohl gewachsen ist und warum eine Ernte auch mal schlechter ausfallen kann. Kurz: Die Mitlandwirtinnen und Mitlandwirte erlangen die Nähe zu unserer Lebensgrundlage zurück. Vielleicht ist das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft daher auch als eine Art Gegenbewegung zum immer größer und gleichzeitig anonymer werdenden Biomarkt zu verstehen. Denn zumindest auf dem Adolphshof haben Landwirtin und Landwirt und Verbraucherin und Verbraucher – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder mehr miteinander zu tun: zum Beispiel bei einem Aktionstag, wenn sich Dutzende junge und alte Menschen zu Arbeiten auf dem Hof einfinden. Sie streichen den Hofladen, setzen einen Schweinezaun oder reparieren Futterraufen. Dann verwischen die Grenzen zwischen Produzent und Abnehmer. Und den Mitlandwirtinnen und Mitlandwirten bereitet es große Freude an solchen Tagen oder auch regelmäßig mit anzupacken! Die Verantwortlichen auf dem Hof haben schon vor Jahrzehnten erkannt, dass etwas getan werden muss, damit Kinder und Erwachsene die Landwirtschaft mit allen Sinnen erleben. Seit nun über 30 Jahren existiert auf dem Adolphshof deshalb ein landwirtschaftlicher Bildungsbereich. Fast täglich sind Gruppen von Schülerinnen und Schülern, Kindergartenkindern oder interessierten Verbraucherinnen und Verbrauchern auf dem Hof, um etwas über die Herkunft ihrer Nahrungsmittel zu lernen. Neben Ernteaktionen oder Projekttagen zu bestimmten Themen ist es zunehmend mehr "Basisarbeit". So nennt es Angelika Güntzel, die sich seit vielen Jahren um die Bildungsarbeit kümmert: "Für viele Kinder ist die Natürlichkeit eines Bauernhofes fast schon fremdartig. Und bei den praktischen Arbeiten werden zunehmend grundsätzliche motorische und soziale Fertigkeiten geübt, zum Beispiel beim Streicheln von Tieren." Jedes Jahr sind es mehrere tausend Menschen aller Altersstufen, die das Gut Adolphshof bei Bildungsveranstaltungen und Hoffesten besuchen. Ob durch die Bildungsarbeit oder durch die Solidarische Landwirtschaft: Hier kommen sich die Landwirtschaft und die Verbraucherinnen und Verbraucher wieder näher.

Solidarische Landwirtschaft heißt, vom individuellen Kaufen zum gemeinschaftlichen Teilen zu gelangen.



Betriebsporträt: Gut Adolphshof

Das Gut Adolphshof liegt in Hämelerwald, östlich von Hannover, an der Grenze zwischen Heide und Hildesheimer Börde. Seit über 50 Jahren wirtschaftet das Gut nach den biologisch-dynamischen Richtlinien von Demeter. 1995 wurde der Hof aus dem Privateigentum herausgelöst und auf die Gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft e. V. übertragen. 2017 geht Gut Adolphshof in die Trägerschaft der HB Stiftung Berneburg über.
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