Biolandhof Wack

Biolandhof Wack: Der gemischte Vermarktungsbetrieb

Die Familie Wack auf dem saarländischen Eichelberger Hof ist ein Beispiel für einen modern geführten, vielseitigen Biobetrieb. Immer wieder haben Wacks eigene, zum Hof passende Formen der Vermarktung entwickelt und finden stetig neue. Verkaufsautomaten, Hühner-Abos und der klassische Hofladen sind drei davon. Hinzu kommen pädagogische Angebote. Jedes der fünf Familienmitglieder kümmert sich um einen Teil im Großprojekt Familienbetrieb. Das funktioniert gut. Und manchmal probieren sie einfach mal was aus.

Miet‘ dir ein Huhn

Daniel Wack hält einen kleinen Gutschein-Coupon in den Händen. Er berechtigt zum Erwerb von sechs frischen Eiern direkt vom Hof und gehört zur neuesten Vermarktungsidee des Biolandhofs Wack, dem "Hühner-Abo". Kundinnen und Kunden können ein Huhn mieten und wöchentlich eine feste Anzahl Eier abholen. Ab einer Abolaufzeit von sechs Monaten gibt es ein Suppenhuhn obendrauf. Die Idee entstand, weil es gelegentlich Engpässe bei den Eiern gab und Kundinnen und Kunden vertröstet werden mussten. Nun bekommen Abonnentinnen und Abonnenten in jedem Fall ihre frischen Eier. "Das sorgt für Verlässlichkeit beim Kunden und bedeutet für uns eine bessere Planung", erklärt Daniel Wack, der zweitjüngste der drei Wack-Söhne.

Inzwischen grasen und picken 750 Legehennen in und um drei Hühner-Mobilställe herum, denn die Nachfrage nach Bioeiern in der Region wächst. Darauf muss man reagieren, so gut man es als Erzeuger und Direktvermarkter kann. Neben Eiern vertreibt der Gemischtbetrieb auch Fleisch- und Wurstwaren der eigenen Schweine. Die Milch der Kühe fließt nur wenige Meter entfernt in die Bliesgaumolkerei, die sich auf dem Gelände des Biolandhofs befindet. Da der Hof im Biosphärenreservat Bliesgau liegt, finden Kundinnen und Kunden Milchprodukte und Fleischwaren im "Bliesgau-Regal" im regionalen Lebensmitteleinzelhandel. Jedoch läuft das meiste der Wack’schen Erzeugnisse über andere, spezielle Kanäle.

Frische Milch für Pilger

Der Großteil der selbstproduzierten Waren wechselt über eine lokale Besonderheit den Besitzer: Die "Milich Heisjer". Auch außerhalb des Saarlandes lässt sich erahnen, dass es hierbei um Milch geht. Mit der Idee einer kleinen Raststätte für Pilgerinnen und Pilger fing alles an, wie Monika Wack erzählt: "Da der Jakobsweg gleich oben am Hof vorbeiführt, wollten wir den Pilgern frische Milch und diverse Kleinigkeiten als Verpflegung mit auf den Weg geben. So ist damals das erste Milich Heisje entstanden." Inzwischen bedienen sich hier Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Radlerinnen und Radler, Urlauberinnen und Urlauberinnen und Stammkundinnnen und -kunden. Sie können sich Eier, Biosnackriegel, Eis, Joghurt und Wurst herausnehmen und das Geld einfach da lassen. Verlust machen die Wacks damit nicht. Im Gegenteil. Das funktioniert so gut, dass sie gelegentliche Überschüsse spenden können und es mittlerweile ein weiteres Milich Heisje in Niederwürzbach gibt. Zusätzlich stehen drei Verkaufsautomaten in der Region, die nach ähnlichem Prinzip funktionieren.

Bei den Kunden gewinnen wir am meisten, wenn wir authentisch sind.

Der "Klassiker" der Direktvermarktung ist auch bei Familie Wack der Hofladen. Er ist seit 30 Jahren hauptsächlich in den Händen von Mutter Monika. Sie hat die Öffnungszeiten einerseits an die Hoforganisation und andererseits an die Kundschaft angepasst. "Wir können nicht jeden Tag acht Stunden öffnen und auch nicht bloß nach Absprache", erklärt sie. Für beide Seiten sei es wichtig, viel voneinander zu wissen: Die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden einerseits, die Umstände und Strukturen eines Biobetriebes auf der anderen Seite.

Für Familie Wack ist Transparenz grundsätzlich ein wichtiger Aspekt. "Wir stellen immer wieder fest: Bei den Kunden gewinnen wir am meisten, wenn wir genau erklären, was wir wie machen. Wenn wir authentisch sind", sagt Jochen Wack. Besucherinnen und Besucher sind willkommen, die Türen zu den Ställen stehen zu den Stall- und Ladenöffnungszeiten jedermann offen. Durch solche direkten Einblicke wächst das Verständnis der Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel dafür, ein paar Cent mehr für’s Ei oder den Liter Milch zu bezahlen.

Um Erfolg zu haben, muss man Sachen ausprobieren und kann nicht immer alles im Voraus kalkulieren.

Landwirtschaft allgemein und den Ökolandbau mit seinen Erzeugungsprozessen im Besonderen zu erklären, das steht bei einem weiteren Projekt von Daniel Wack im Zentrum: Erlebnisbauernhof mit Bauernhofpädagogik. Sein Anliegen ist in erster Linie, der zunehmenden Entfremdung der Menschen von ihren Lebensmitteln entgegenzuwirken. Deshalb gibt es Angebote für Kitagruppen und Schulklassen ebenso wie für Erwachsene. "Wir hatten hier schon Kinder, die noch nie ein lebendiges Huhn gesehen haben. Andererseits gibt es Erwachsene, die als recht gut informierte Biokonsumenten an Details interessiert sind." Daniel Wack nennt es Aufklärungsarbeit. Und diese müsse gerade die junge Generation von Ökolandwirtinnen und -landwirten bereit sein zu leisten.

Ob es nun um Vermarktung oder das Näherbringen von "Bio 3.0" geht: "Um Erfolg zu haben, muss man Sachen ausprobieren und kann nicht immer alles im Voraus kalkulieren", fasst es Vater Werner zusammen. Das bedeutet, in Bewegung zu bleiben, einen langen Atem zu haben und verlässliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden. Umso schöner, wenn diese aus der eigenen Familie kommen.

Autor: Oliver Z. Weber

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Biolandhof Wack

Der Biolandhof Wack in der Biosphäre Bliesgau im Saarland ist ein echter Familienbetrieb, der vier Generationen Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum bietet. Seit 1984 führen die Betriebsleiter Werner und Monika Wack den Eichelberger Hof nach Bioland-Richtlinien. Seit 2012 wird der Hof gemeinsam mit ihren drei Söhnen als Hofgemeinschaft geführt.
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