Biohof Jacobi

Biohof Jacobi: Die Saat der Vielfalt

Josef Jacobi vom gleichnamigen Biolandhof widmet sich seit fast vier Jahrzehnten dem Thema Saatgutgewinnung und -vermehrung. Bis zu 40 verschiedene Sorten Getreide und Leguminosen baut er an, bereitet selbst auf und verkauft das zertifizierte Saatgut an andere Biobetriebe – ein Teil seines Mottos "Freiheit für die Vielfalt". Die im Ökolandbau verwendeten Sorten müssen höchste Ansprüche erfüllen, robust und besonders keimfähig sein. Wie gelingt das, welche Kriterien müssen dafür erfüllt sein? In der Hofreportage beleuchtet Josef Jacobi diese Fragen und zeigt auf, welche Arbeitsschritte für eine optimale Saatgutqualität notwendig sind.

Gesunde Früchte auf gesundem Boden

Auf ökologischen Flächen wird in der Regel Biosaatgut ausgesät. Das ist nicht immer selbstverständlich gewesen. Seit den 90er Jahren wird eine volle Versorgung mit Biosaatgut im Ökolandbau angestrebt. Als Josef Jacobi vor Jahrzenten anfing, gab es kaum welches. Grund genug für den Landwirt, hier selbst aktiv zu werden. Erfahrung in der Saatgutvermehrung hatte er durch den Vater sammeln können, damals vor der Umstellung auf die Bioland-Richtlinien. Inzwischen ist der Betrieb in Borgentreich-Körbecke auf die Gewinnung von Saatgut spezialisiert.

Wie geht der Biopionier vor? Auch wenn Josef Jacobi heute mehr Zeit im Büro als auf Traktor und Feld zubringt, weiß er: "Ein garer Boden ist das Ziel. Also Boden, der krümelig, humos, gut durchlüftet, ausreichend feucht und leicht durchwurzelbar ist." Entscheidend für dieses Ziel ist die Fruchtfolge – auf jedem Biobetrieb die Basis für alles. "Erst recht für die Gewinnung von hochwertigem Saatgut. Die Fruchtwechsel sind ebenso notwendig, um das Bodenleben zu erhalten und um Pilzen und Schädlingen möglichst selten dieselbe Wirtspflanze zu bieten." Kleegras bildet die Grundlage. Wie alle Leguminosen bindet der Klee Stickstoff im Boden und macht ihn für die Folgefrüchte verfügbar. Es wird vier Mal pro Jahr gemäht, was auch der Unkrautbekämpfung dient. Auf demselben Feld folgen Weizen und Roggen, die vom hohen Stickstoffgehalt profitieren. Im nächsten Jahr Ackerbohnen und Triticale als Futter, dann Hafer, Dinkel oder Braugerste. Auch Zuckerrüben und Mais baut Jacobi an.

Kontrolliertes Korn

Auf dem Hof Jacobi kommt die Ernte von fünf weiteren Biobetrieben in die Reinigungsanlage. Hier wird das Korn per Absaugung und verschiedenen, den Korngrößen angepassten Sieben von unerwünschten Bestandteilen getrennt. Ein weiterer Reinigungsgang erfolgt über einen so genannten Trieur und einen Tischausleser. Steine, Samen von Beikräutern, Stroh und alles außer das reine Korn werden so entfernt. Am Ende landen so nur die besten, keimfähigen Körner im Sack. Das gereinigte Saatgut wird zudem streng kontrolliert, auf Sporen geprüft und durchläuft einen so genannten Kalttest. Eine sortenweise festgelegte Reinheit wie auch eine hohe Keimfähigkeit sind die Anforderungen an ökologisches Saatgut. Erst wenn all das gewährleistet ist, kann es an andere Biobäuerinnen und -bauern als zertifiziertes (Z-) Saatgut vermarktet werden. Jacobi erklärt: "Ich kann mit Stolz sagen, dass unser Saatgut regelmäßig eine hohe Qualität aufweist." Sollte eine Charge mal nicht den hohen Anforderungen gerecht werden, kann sie immer noch verfüttert werden, an die Rinder und Schweine auf dem Hof.

"Ich kann mit Stolz sagen, dass unser Saatgut regelmäßig eine hohe Qualität aufweist." (Josef Jacobi)

Der Markt für Biolebensmittel verlangt nach hochwertigem Saatgut. Die steigende Nachfrage nach Biolebensmitteln führte kontinuierlich zu mehr ökologisch bewirtschafteten Flächen, was wiederum den Bedarf an Öko-Saat- und Pflanzengut bis heute anwachsen lässt. Mittlerweile kann der Bedarf voll gedeckt werden. Allein bei Jacobi verlassen jährlich zwischen 450 und 600 Tonnen Saatgut den Hof an gut 400 Abnehmer. Nur für den Ausnahmefall, wenn nachweislich kein Biosaatgut verfügbar ist, dürfen Ökobäuerinnen und -bauern die Verwendung von konventionellem, ungebeizten Korn beantragen. "Der Verzicht auf das Beizen zur Reinigung ist einer der Hauptunterschiede zur konventionellen Saatguterzeugung", erklärt Jacobi. "Diese Stoffe will der Ökolandwirt ja gerade nicht im Boden und in der Natur haben." Und erst recht nicht im Essen von Mensch und Tier.

Freiheit für die Vielfalt

Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Spritzmittel und Kunstdünger werden die natürlichen Abwehrkräfte von Saatgut und Pflanzen gefördert. Deshalb braucht es Sorten, die sich für diese Bedingungen eignen und speziell auf Biohöfen entwickelt und vermehrt werden. Als Jacobi Anfang der 80er Jahre mit der biologischen Saatguterzeugung anfing, arbeitete er bereits in einem Saatgut-Projekt mit der Hochschule Bonn zusammen, um hier einen Anfang zu machen. Förderung und Erhalt von Vielfalt bilden im Ökolandbau ein zentrales Kriterium. Dem Ökolandwirt bringt dies eine gewisse Freiheit: "Freiheit für die Vielfalt heißt auch, als Bauer beim Thema Saatgut von der Agrarindustrie unabhängiger zu sein." Mittlerweile gibt es zahlreiche Sorten von Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste die ausschließlich unter Biobedingungen gezüchtet wurden und an den ökologischen Landbau angepasst sind. Josef Jacobi kann diese Tatsachen mit zu seinen Verdiensten zählen.

"Freiheit für die Vielfalt heißt auch, als Bauer unabhängiger zu sein."


Autor: Oliver Z. Weber

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Biohof Jacobi

Die Entwicklung des Bioanbaus konnte Josef Jacobi bereits in der Pionierphase mit prägen, seinen Betrieb stellte er 1980 um. Zusammen mit seiner Frau Heike und Mitarbeitern bewirtschaft er heute einen modernen, vielseitigen BiolandBetrieb am Rande der fruchtbaren Warburger Börde.
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Letzte Aktualisierung 05.12.2017

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