Biohof Büsch

Biohof Büsch: Artgemäß durch den Winter

Wer denkt, im Winter ist Ausruhen angesagt auf dem Biohof Büsch im niederrheinischen Weeze, der irrt: Wenn die Mutterkuhherde von der Weide auf den Hof zurückkommt, beginnt für Demonstrationsbetriebsleiter Johannes Büsch eine arbeitsreiche, erlebnisreiche Zeit. Dann müssen Kühe und Kälber getrennt und mehrmals täglich umfassend versorgt werden. Und gut 500 Meter vom Hof entfernt leben auch noch Büschs Hühner, artgerecht und innovativ gehalten, in ihren "Hühnermobilen". In und vor den flexiblen Stallanlagen bekommen sie alles, was sie brauchen, um viele, gute Bioeier zu legen. Schließlich ist die Zeit der Weihnachtsbäckerei traditionell die Hochzeit des deutschen Eierkonsums – auch im sortimentreichen Naturkostladen von Barbara und Johannes Büsch.

Immer im Dialog mit den Tieren

"Der Winter beginnt bei uns, wenn wir die Kühe aufstallen", an diesem Beispiel macht Johannes Büsch deutlich, wie die ökologische Tierhaltung seinen Tages- und Jahresablauf bestimmt. Dann ist es meistens Ende Oktober, Anfang November. Die Winterzeit endet bei Büschs in der Regel Anfang März, kein Jahr ist gleich am unteren Niederrhein. Aber die Tiere spüren, wann es so weit ist. Und der Biobauer auch. "Es ist schon oft vorgekommen, dass ich nach einigen kalten Regentagen dachte: Es wird Zeit, wir müssen die Kühe reinholen. Als ich dann auf die Weide kam, wartete die ganze Herde schon vor dem Stalltor."

Bei Wind und Wetter auf der "Kuh-Veranda"

"Soziale Interaktion" mit den Tieren nennt Johannes Büsch das. Nach fast 30 Jahren Erfahrung als Biobetriebsleiter weiß er: Im Winter ist das Zusammenleben zwischen Menschen und Tieren auf dem Demeterhof enger, und beide Seiten müssen sich erst wieder aneinander gewöhnen. Dabei helfen die Namen, die er seinen Kühen gibt, sobald sie das erste Mal gekalbt haben. Dickie ist mit elf Jahren die älteste, also die Oma unter den 20 Mütterkühen der Büschs. Sie leben in der Winterzeit artgerecht im hellen Offenfrontstall. Dort können sie jederzeit fressen, auf den dick mit Stroh eingestreuten Liegeplätzen und in den drei mal 20 Meter großen Auslauf vor dem Stall. Schlechtes Wetter macht ihnen nichts, viele stehen auch bei Regen und Schnee auf ihrer "Veranda", wie Johannes Büsch den Außenbereich gerne nennt. "Das hilft gegen Hauptparasiten und steigert das Lebensgefühl der Kühe." Nur wenn ein starker Südwestwind durch den Stall weht, schließt der Betriebsleiter den Ausgang für kurze Zeit.

Die Tierhaltung bestimmt den Tagesablauf

Ein "normaler" Arbeitstag im Winter beginnt bei Büschs in der Regel um viertel vor sechs – zunächst im Büro mit Administration, Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Internet und Dokumentationspflichten. Drei Mal am Tag ist Johannes Büsch danach bei den Kühen, um Heu und Kleegrassilage, den Kälbern auch Kraftfutter aus gequetschtem Ausputzgetreide, zu füttern. Er streut die Liegeplätze ein, mistet aus und schaut einfach nach dem Rechten. Im Winter produzieren die Tiere den wertvollen Mist für den Boden. Mitte Januar beginnt die Kalbzeit. In diesen vier bis sechs Wochen ist der Betriebsleiter permanent im Stall. Wenn alles gut läuft, schaffen die Kühe das alleine, manche brauchen Geburtshilfe. Dann ist Johannes Büsch zur Stelle.

Ökologische Hühnerhaltung – modern und mobil

Die 675 Hühner und 15 Hähne der Büschs leben gut 500 Meter vom Demeterhof entfernt auf dem Acker in drei mobilen, flexiblen Stallanlagen. In diesen "Hühnermobilen" stellt Biobauer Johannes Büsch alles bereit, was die Tiere artgemäß brauchen: Wasser, Zusatzfutter, Holzsitzstangen, Schlafplätze, einen Kaltscharrraum und bequeme spelzeingestreute Nester. Mehrmals am Tag muss er Präsenz zeigen, um gefährliche Greifvögel abzuschrecken. Die Hühner und Hähne sind oft mehrere Stunden am Stück draußen – bei jedem Wetter. Nur tiefen Schnee mögen sie nicht. Dann streut der Betriebsleiter Stroh vor jedem Mobil aus und füllt die Körnermenge im Stall auf. Alle zwei Wochen werden die mobilen Ställe umgestellt. Das verhindert Parasitenbefall und eine Überdüngung der Auslauffläche. Und die Grasnarbe bleibt erhalten.

Winterevents – auch die gehören zum Job

Bio-Glühwei(h)n-Nacht der Demonstrationsbetriebe, Weinprobe im Naturkostladen, Betriebsführungen – Barbara und Johannes Büsch schaffen bewusst solche Anlässe, um Interessierten vor Ort zu zeigen, wie ökologische Tierhaltung in der Praxis gelebt und organisiert wird. Die direkte Information ihrer Kunden ist den Büschs aufgrund der aktuellen Berichterstattung zum Thema ganz besonders wichtig.

Und Weihnachten? Ist das am Ende ein ganz normaler Arbeitstag? Nein. Damit an Weihnachten etwas mehr Ruhe als sonst ist, versorgt Johannes Büsch seine Tiere "rechtzeitig und gut". Und wenn er mit grundsätzlicher Überzeugung sagt: "Nur wenn Frieden im Stall herrscht, kann auch bei uns im Haus Frieden einkehren", dann steht dahinter eine Berufsauffassung, die über die Feiertage hinaus gilt.

Autorin: Ursula Kollritsch



Betriebsporträt: Demeterhof Büsch

Am unteren Niederrhein in Weeze gelegen, wird der Demeterhof Büsch seit 1984 ökologisch bewirtschaftet. Zusammen mit Barbara & Johannes Büsch sind seit 2016 Simone Schmitz & Daniel Schewe als außerfamiliäre Hofnachfolger mit von der Partie.
Weiterlesen

Letzte Aktualisierung 18.12.2012

Demonstrationsbetrieb Ökolandbau des Monats

Vier Menschen auf dem Feld.

Ökodorf Brodowin

Die BIOSpitzenköche empfehlen

Graupen-Tomaten-Risotto.

Graupen-Tomaten-Risotto

Nach oben