Bio-Bauernhof May

Bio-Bauernhof May: Landwirtschaft wird zum Erlebnis

Klara und Dietmar May sind Bauern mit Leib und Seele. Ihren Familienbetrieb in Junkershausen in der fränkischen Rhön bewirtschaften sie seit 1989 ökologisch nach Naturland-Richtlinien. Sowohl die Schweine als auch jährlich 800 Schüler, die zu Besuch kommen, fühlen sich auf dem Hof "sauwohl". Den Mays liegt die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen, ihr Betrieb ist ein LebensLernOrt Bauernhof.

Lernen fürs Leben

Dietmar May ist nicht nur Bauer, sondern auch ein guter Geschichtenerzähler: "Zwei Franzosen gehen zusammen einkaufen, sie wollen Käse kaufen. Gemeinsam gehen sie an die Käsetheke und lassen sich von der Bedienung mehrere Sorten zum Probieren anbieten. Nach dem Preis fragen sie nicht. Schlussendlich entscheiden sie, welcher Käse am Besten schmeckt und kaufen diesen. Es ist der Teuerste von allen, aber dies spielt keine Rolle. Anschließend geht ein Deutscher in den Supermarkt, alleine. Ausgerüstet ist er mit dem aktuellsten Sonderangebots-Prospekt. Er hält Ausschau. Was macht der Kunde nun?", fragt Dietmar May die Schülerinnen und Schüler. Den Kindern ist klar: Der Deutsche wird zum Kühlregal gehen, ohne vorher probiert zu haben, das günstigste Käseangebot herausgreifen und dann zielstrebig zur Kasse gehen.

Circa 800 Schülerinnen und Schüler aus dem benachbarten Schullandheim in Rappershausen kommen über das Jahr verteilt auf den Hof der Familie May. Dietmar May nennt seinen Betrieb einen Lebens- Lern-Ort. Die Mays haben einen Heuboden zur Theatebühne und zum Lernraum umgebaut. Ein knarzender Holzboden, viele Balken, Ecken und Winkel, ein fast verwunschener, gemütlicher Ort, an dem es für Kinder in angenehmer Atmosphäre etwas zu erleben gibt. "Ich möchte die Schülerinnen und Schüler im Herzen erreichen", sagt Dietmar May. "Die Inhalte, die ich vermitteln möchte, sollen in Fleisch und Blut übergehen." Beim Theater spielen, bei Erlebnisführungen über den Hof, beim Traktor fahren oder Besuch des Bienenstandes sollen die Kinder Achtung vor Lebewesen und Lebensmitteln lernen. Sie sollen den Bauernhof mit eigenen Fingern erfahren. "Die größte Herausforderung ist, dass dieses Wissen und Bewusstsein die Pubertät der Kinder übersteht", sagt Dietmar May nachdenklich. Er jedenfalls tut sein Bestes dafür.

Ich möchte die Schülerinnen und Schüler im Herzen erreichen.

Familienbetrieb in dritter Generation

Wenn man Dietmar May beobachtet, wie liebevoll und achtsam er mit seinen Schweinen umgeht, möchte man auch gerne Schwein sein. Der Landwirt und seine Familie sind wahre Überzeugungstäter. Eine tägliche Streicheleinheit für seine Tiere ist Pflicht. Mit dem Wunsch einen tiergerechten und nachhaltigen Betrieb zu führen, stellte Dietmar May 1989 direkt nach der Hofübergabe von seinen Eltern Stilla und Ildefons May den Betrieb auf Bio um. "Es ist ein tolles Gefühl, Bauer zu sein", sagt Dietmar May über sich selbst.

Die Mays leben mit der Natur und wirtschaften mit großem Respekt vor ihr. "Was wächst, wächst. Was nicht, das halt nicht. Ich bin jedes Jahr so dankbar für die Ernte", sagt Dietmar May. Selten hört man einen Bauern, der so zufrieden mit sich, Gott und der Welt ist. Wer denkt, Dietmar May wäre nach über 20 Jahren als Biolandwirt ein Routinier, der täuscht sich. Er selbst sagt, er lerne jedes Jahr dazu, kein Jahr sei wie das andere.

Mit seiner Familie bewirtschaftet er 73 Hektar, davon knapp 70 Hektar Ackerfläche. Hier bauen die Mays Weizen, Dinkel, Erbsen, Ackerbohnen, Triticale, Roggen und Sommergerste für die 50 Muttersauen mit ihren Ferkeln sowie 80 Mastschweine an. Täglich bekommen sie frisches heimisches Futter, unter anderem Silage mit Rohstoffen von den eigenen Feldern.

Unser Futter gibt dem Fleisch einen besonders intensiven Geschmack.

"Silage ist für die Schweine wie Sauerkraut. Und sauer macht bekanntlich lustig", schmunzelt Dietmar May. Bewusst verzichtet er auf Futtermittel aus Übersee. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist für ihn selbstverständlich.

Praxis Dr. Scheu

Der wichtigste Mitarbeiter auf dem Hof ist ohne Zweifel Dr. Scheu. Weil er tatsächlich in seiner Jugend ein sehr scheues Tier war, hat die Familie das einzige männliche Schwein auf dem Hof so getauft. Am meisten liebt der Eber, wenn man ihm die Augen streichelt. Dietmar May nimmt sich regelmäßig Zeit zu dieser speziellen Mitarbeiterpflege. Auf die Sauen wirkt der "Hahn im Korb" wie ein Ruhepol, wenn unter den vielen Damen ab und zu Zickenkrieg herrscht. Fleißig sorgt er auch für Nachwuchs: Jährlich kommen 900 von ihm gezeugte Ferkel auf die Welt.

Du bist, was du isst und hier kannst du ein Stück Liebe mitessen.

Rundum Öko – Einblicke in die artgerechte Tierhaltung

Gehen Sie auf digitale Entdeckungstour im Schweinestall! Erleben Sie dank Aufnahmen mit der 360-Grad-Technik, wie die Schweine auf dem Biohof May leben. Der Öko-Verband Naturland und Provieh e.V. haben dafür einen virtuellen Rundgang erstellt, den Sie sich hier anschauen können.

Kooperation zur Direktvermarktung

Kooperation zur Direktvermarktung So schön das Schweineleben auf dem Biohof May auch sein mag, irgendwann hat auch dieses ein Ende. Eine Zeit lang hat die Familie May selbst Fleisch und Wurstwaren aus ihren Schweinen hergestellt. Als die Arbeitsbelastung allerdings zu hoch wurde, musste Dietmar May nach einer anderen Lösung suchen. Gefunden hat er sie ganz in der Nähe bei der Landmetzgerei Kleinhenz in Unterleichtersbach. Das Bioschweinefleisch, das dort über die Ladentheke geht, stammt überwiegend vom Biohof May. Auch die Wurst für den Hofladen der Familie May wird von der Metzgerei handwerklich hergestellt. "Du bist, was du isst und hier kannst du ein Stück Liebe mitessen", sagt Bauer May aus tiefster Überzeugung.

Autorin: Nicole Weik



Betriebsporträt: Bio-Bauernhof May

Aus Überzeugung eine artgerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft betreiben zu wollen, stellten Dietmar und Klara May ihren Familienbetrieb 1989 auf ökologischen Landbau um. Sie legten Hecken, Feuchtbiotope und Streuobstwiesen an, um das Landschaftsbild zu bereichern und die Artenvielfalt zu fördern.
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