Ernährungsräte

Ernährungsräte für lokale Ernährungswende

Lokal und fair produzierte Bio-Lebensmittel für alle zu bezahlbaren Preisen – hört sich toll an! In der Realität sieht es jedoch häufig anders aus. Um daran etwas zu ändern, schlossen sich bereits 1982 die Einwohnerinnen und Einwohner von Knoxville, USA, zum ersten sogenannten Ernährungsrat zusammen. Das Konzept war so erfolgreich, dass auch an anderen Orten Ernährungsräte entstanden: Zunächst vor allem in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien.

Brasilien startete 1993 einen „Nationalen Rat für Ernährungssicherheit“, dessen Maßnahmen Hunger und Armut in weiten Teilen der Bevölkerung erfolgreich verringerten. In Deutschland gründeten sich 2016 die ersten Ernährungsräte in Berlin und Köln. 2019 boomten die Gründungen. Inzwischen gibt es über 40 Ernährungsräte in Deutschland.

Mitbestimmen in der Ernährungspolitik

Die in den Ernährungsräten ehrenamtlich Aktiven möchten in der Ernährungspolitik mitreden und gutes Essen für alle erreichen. Ihr langfristiges Ziel heißt Ernährungssouveränität. "Ernährungssouveränität bedeutet für mich, dass ich selbstbestimmt entscheiden kann, was ich esse, wo das Essen produziert wird und wie es produziert wird", erklärt Frank Nadler vom Berliner Ernährungsrat im Podcast der Initiative.

So bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Mitsprache, aber auch Verantwortung. Eine sozial und ökologisch nachhaltige Nahrungsmittelversorgung aufzubauen, erfordert neue Ideen, eine bessere Vernetzung und politische Rahmenbedingungen. Wie die Ernährungsräte organisiert sind, unterscheidet sich je nach Stadt: An manchen Orten entstehen sie als städtische Beiräte, in anderen als Vereine oder Initiativen.

Stadt und Land zusammenbringen

Ein Ernährungsrat besteht aus Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen. Jede und jeder kann sich im Ernährungsrat engagieren. Zunächst analysieren die Aktiven das aktuelle Ernährungssystem in der Region. Anschließend treffen sie sich in Versammlungen und Arbeitsgruppen, um gemeinsam konkrete Projekte zu entwerfen. Diese vernetzen dann zum Beispiel Bauernhöfe mit der Stadtbevölkerung, unterstützen lokale Foodsharing-Initiativen oder gründen gemeinschaftliche städtische Gärten. Außerdem stärken sie meist auch gezielt den regionalen Ökolandbau. Beispielsweise bringt der Berliner Ernährungsrat Kantinen mit regionalen Bauernhöfen zusammen, damit langfristig mehr bioregionale Lebensmittel in der Berliner Gemeinschaftsverpflegung auf den Tisch kommen.

Drei Fragen an Katharina Brandt, aktiv im Ernährungsrat Berlin

Katharina Brandt engagiert sich als interessierte Verbraucherin beim Berliner Ernährungsrat. Um mehr Menschen für ein nachhaltiges Ernährungssystem zu mobilisieren, produziert die studierte Biologin einen Podcast.

Oekolandbau.de: Warum machst Du im Ernährungsrat mit?

Katharina Brandt: Ich habe mich bereits während meines Studiums mit nachhaltiger Ernährung befasst. Als ich auf Jobsuche war, hatte ich die Zeit, auch ehrenamtlich daran weiterzuarbeiten. Zunächst war ich im Ernährungsrat Berlin eher Beobachterin. Ich fand es unheimlich spannend mitzuerleben, wie man als Bürgerin Politik mitgestalten kann und wie zivilgesellschaftliches, politisches Engagement funktioniert. Dann habe ich mich in die Podcast-Produktion eingearbeitet und mache jetzt den Podcast für den Ernährungsrat. In den vier Jahren habe ich viel Wissen über unser aktuelles Ernährungssystem gesammelt. Ich finde es unglaublich wichtig, Alternativen für die vielen Missstände in unserer gegenwärtig dominierenden Art der Nahrungsproduktion aufzuzeigen.

Oekolandbau.de: Wie läuft Dein Engagement ab?

Katharina Brandt: Zweimal im Jahr haben wir Vollversammlung. Dort stellen unsere Koordinatorin und unser Koordinator gemeinsam mit dem Sprecher*innenkreis vor, wo wir gerade stehen und wo wir hin wollen. Dann stimmt das Plenum darüber ab. Lange Zeit habe ich mich monatlich getroffen: zunächst in der Arbeitsgruppe regionale Landwirtschaft und Verarbeitung, dann in der Arbeitsgruppe Podcast. Hier planen wir neue Podcast-Folgen. Während der Produktion einer Podcast-Folge bin ich täglich mindestens eine Stunde beschäftigt. Ansonsten besuche ich sporadisch Stammtischtreffen und Veranstaltungen zu Ernährungsthemen. Hin und wieder helfe ich an einem Infostand mit, um den Ernährungsrat vorzustellen.

Oekolandbau.de: Was rätst Du anderen Verbraucherinnen und Verbrauchern?

Katharina Brandt: Wenn du ernährungspolitisch aktiv werden willst, engagiere dich im bereits bestehenden Ernährungsrat - oder gründe einen vor Ort.  Der erste Schritt ist auf jeden Fall, dich zu informieren, wie deine Lebensmittel hergestellt werden. Wo kommt das Gemüse her? Wann wächst unser Obst? Welche Betriebsmittel (Dünger, Pestizide) wurden dafür eingesetzt? Wie viel bekommt der Landwirt oder die Landwirtin für die Ernte? Wie viel der Supermarkt? Wir sollten uns alle fragen, was für eine Landwirtschaft wir wollen. Und welchen Fußabdruck wir auf der Erde zukünftigen Generationen mit unserem Lebensmittelkonsum hinterlassen möchten.


Letzte Aktualisierung 24.01.2020

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