Steigende Nachfrage nach Bio in der AHV

Steigende Nachfrage nach Bio in der AHV

Bislang gibt es keine fundierten Daten über den ökologischen AHV-Markt in Deutschland. Doch der Bio-Großhandel ist am Puls der Nachfrage. Die Ökolandbau-Redaktion hat deshalb eine Vertreterin und drei Vertreter von Bio-Großhändlern aus verschiedenen Regionen Deutschland danach gefragt, wie sie den Markt und seine Trends einschätzen.

  • Hermann Oswald, EPOS Bio Partner Süd GmbH, Pliening
  • Nina Schritt, Geschäftsleiterin der Kornkraft Naturkost GmbH, Großenkneten-Huntlosen
  • Alexander Seyboth, Regionalmarketing Naturkost Erfurt GmbH, Erfurt
  • Patrick Teuber, Vertrieb Gastronomie und GV bei Rinklin Naturkost GmbH, Eichstetten am Kaiserstuhl

Oekolandbau.de: Wie hat sich Ihrer Erfahrungen nach die AHV-Nachfrage in den letzten zwei Jahren entwickelt? Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft?

Nina Schritt: Die Nachfrage im AHV Bereich ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. In allen Bereichen konnten wir neue Kunden gewinnen: Hotels, Restaurants, Schulküchen und Betriebskantinen. Wir erwarten, dass der Trend so weiter geht.

Hermann Oswald: Die Nachfrage entwickelt sich laufend stärker und dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren nicht abreißen. Immer mehr Betriebe der AHV werden immer mehr Bio-Produkte einsetzen.

Patrick Teuber: Wir gehen davon aus, dass der positive Trend aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und den Ernährungstrends verbunden mit dem Interesse für Klima- und Umweltschutz anhält.

Alexander Seyboth: Es gibt hier zwar große Unterschiede zwischen Nord und Süd beziehungsweise Ost und West. Doch auch wir in Ostdeutschland stellen fest, dass in der Außer-Haus-Verpflegung die Nachfrage nach Bioprodukten deutlich wächst. Dieser Trend wird nach unserer Einschätzung auch in Zukunft so weitergehen. Das ist  ein Grund, warum wir als Bio-Großhandel nicht nur den LEH und Fachgeschäfte beliefern, sondern auch die AHV im Blick haben.

Oekolandbau.de: Welche Faktoren beeinflussen den Markt maßgeblich? Ist beispielsweise spürbar, dass immer mehr Kommunen bei Ausschreibungen für Verpflegungsdienstleistungen auch Bio-Kriterien verankern?

Hermann Oswald: Kommunen und Landesregierungen haben mit der Möglichkeit, verpflichtende Bio-Anteile in Ausschreibungen festzusetzen, einen großen Hebel in der Hand, der immer mehr genutzt wird. Diesen Hebel hätten auch viele Unternehmensführungen, die sich von externen Caterern die Betriebsgastronomie bewirtschaften lassen – aber hier ist das Bewusstsein noch sehr schwach ausgeprägt.

Patrick Teuber: Oft braucht es Vorgaben von "oben", gerade in Kantinen und Schulküchen findet eine Umsetzung dann schneller statt. Leider nicht immer aus Überzeugung, aber ein erster Schritt ist getan. Bei einigen Kommunen (Freiburg, Karlsruhe...) ist es bereits spürbar, aber auch kirchliche Einrichtungen folgen festen Vorgaben. Auch hier würde ich die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen wie Klima-, Umwelt-, Tierschutz und damit auch Ernährung als wichtigen Faktor sehen. Viele selbstständige Gastronomen und Caterer werden von sich aus aktiv.

Nina Schritt: Grund für den wachsenden Bio-Anteil in der AHV ist das steigende Bewusstsein in der Bevölkerung, dass ökologische Ernährung und Landwirtschaft wichtig ist für Gesundheit und Wohlbefinden von Mensch und Natur. Das führt auch dazu, dass immer mehr öffentliche Träger feste Bio-Kriterien verankern wie zum Beispiel die Biostadt Bremen.

Alexander Seyboth: Verbraucherinnen und Verbraucher interessieren sich immer mehr für biologisch produzierte Lebensmittel. Und diese Nachfrage kommt jetzt auch bei den Küchen an. Dass Kommunen bei Ausschreibungen Biokriterien verankern, ist bei uns in Ostdeutschland bisher noch selten zu finden. Doch wir stellen fest: In den Ballungszentren entstehen neue Impulse. Leipzig und Erfurt sind dem Bio-Städte-Netzwerk beigetreten und in Dresden hat sich ein Ernährungsrat gebildet. Diese Strukturen und Akteure führen dazu, dass in diesen Kommunen ein Prozess des Umdenkens stattfindet. Das wird den lokalen Markt in Zukunft noch stärker beeinflussen.

Oekolandbau.de: Können Sie bestimmte Nachfrage-Trends feststellen?

Patrick Teuber: Regionalität und Nachhaltigkeit bleiben die absoluten Nachfrage-Trends, dazu kommt eine nach wie vor starke Nachfrage nach Veggie und veganen Produkten. Grundsätzlich versuchen wir das Angebot regionaler Anbieter so hoch wie möglich zu halten; glücklicherweise habe wir eine breite Auswahl in unserem Liefergebiet. Allgemein hat auch die Nachfrage nach Convenience-Produkten zugenommen (Stichwort: Fachkräftemangel), verstärkt bei großen Kantinen und Caterern.

Hermann Oswald: Regionalität gehört seit Jahrzehnten zur Biobranche – und mittlerweile steigt auch hier die Nachfrage. Wir versuchen diese wo immer möglich zu bedienen – mit passenden Herkünften, Produkten, Gebinden – je nach Saison und Produkt. Und meist gelingt uns das sehr gut, vor allem wenn zwischen den beteiligten Partnern eine Verbindung und Verbindlichkeit entsteht.

Alexander Seyboth: In den Kantinen und Mensen geht der Trend in Richtung einer gesunden und abwechslungsreichen Kost. Das beinhaltet auch vegetarische und vegane Angebote. Zudem steigt die Nachfrage nach regionalen Bioprodukten aus dem Großhandel. Wir müssen deshalb noch daran arbeiten, regionale Lieferketten aufzubauen und das regionale Angebot an Bioprodukten zu verbessern.

Nina Schritt: Wir stellen fest, dass es besonders den Küchen leicht fällt auf Bio umzusteigen, in denen noch echt gekocht wird. Umso höher der Convenience-Grad, desto schwieriger und teurer ist die Umstellung.

Oekolandbau.de: Was sind Ihrer Meinung nach die "Stellschrauben", um mehr Bio in die AHV zu bringen?

Hermann Oswald: Die Aufnahme einer festen Bio-Quote in öffentliche und private Ausschreibungen ist sicher die größte Schraube. Darüber hinaus gilt es nach wie vor, Vorbehalte und Vorurteile abzubauen und die Verantwortlichen in Küche, Einkauf und Marketing mitzunehmen in die Welt der Bioprodukte und des Ökolandbaus.

Alexander Seyboth: Für die Großküchen spielen die vorverarbeiteten Produkte eine große Rolle (Stichwort: Ready Cut-Produkte). Da braucht es professionelle Verarbeiter als Ebene zwischen Produzenten und Handel. Hier klaffen in Ostdeutschland noch häufig Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Das muss sich unbedingt noch stärker entwickeln.

Nina Schritt: Ganz klar mehr feste Quoten von Bio in öffentlichen Einrichtungen. Das hat eine Sogwirkung für private Küchen, macht Bio präsenter in der öffentlichen Wahrnehmung und führt damit jede Menge Endverbraucherinnen und Endverbraucher an das Thema Bio heran. Damit die Umsetzung klappt, braucht es umfangreiche Fortbildungsangebote für die Küchenkräfte vor Ort.

Patrick Teuber: Ganz wichtig wird es auch in Zukunft sein, in den Betrieben vor Ort zu beraten und zu motivieren. Dann brauchen wir noch einen kontinuierlichen Ausbau der Großgebinde, welche auch für die Unverpackt-Läden attraktiv sind.

Alexander Seyboth: Eine ganz wichtige Stellschraube ist die prozessbegleitende Beratung von Küchen der Gemeinschaftsverpflegung. Beispiele wie Kopenhagen und andere zeigen, dass die Küchen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit häufig überfordert sind und Unterstützung brauchen, zum Beispiel bei der Speiseplanung. Wenn hier entsprechende Angebote geschaffen werden, kann das starke Impulse für den Einsatz von Bioprodukten in der AHV bringen.

Letzte Aktualisierung 27.11.2019

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