Österreich: Mehr Bio in der AHV

Österreich: Mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung ist machbar

Eine Studie zur Gemeinschaftsverpflegung in Österreich liefert Daten und Argumente für den Einsatz von mehr Bioprodukten. "60 Prozent Bio in öffentlichen Einrichtungen sind bis 2025 machbar" – so der Verband Bio Austria.

Ausgangslage: Mindestens 30 Prozent Bio

Im Durchschnitt setzen die öffentlichen Einrichtungen in Österreich bereits heute (mindestens) 30 Prozent Bioprodukte ein. Spitzenreiter ist die Stadt Wien mit einem Bioanteil von 40 Prozent in Schulmensen (gemessen am Gewicht) und 50 Prozent im Vorschulbereich (monetär). Diese politisch gewollten Vorgaben werden im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Biokontrollen auch geprüft. "Alle Warenflüsse sind transparent und können von den Kontrolleuren eingesehen werden", weiß Claus Holler. Er ist beim Verband Bio Austria für die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung zuständig. Eine  von Bio Austria und dem Verein zur Förderung von Lebensmitteln mit erhöhter Qualität (VQL) veröffentlichten Studie zur Gemeinschaftsverpflegung liefert neue Daten und Argumente für die Steigerung des Bioanteils.

Ergebnisse einer Umfrage

"Bewusstsein für Qualitätslebensmittel vorhanden, Einsatz ausbaufähig" – so lautet das Fazit der Studie, an der 118 Entscheidungspersonen aus der ganzen Bandbreite der österreichischen Gemeinschaftsverpflegung teilgenommen haben.

Zentrale Ergebnisse:

  • 95 Prozent der befragten Einrichtungen setzen bereits heute Bioprodukte ein.
  • Nur 40 Prozent davon müssen die von der Politik gesetzten Vorgaben erfüllen. Das heisst 60 Prozent - vor allem Küchen im Privatsektor - setzen auch ohne politische Vorgaben Bioprodukte ein.
  • Hauptargumente für den Einsatz von Bioprodukten sind die Qualität, gefolgt von der persönlichen Überzeugung der Küchenverantwortlichen beziehungsweise der Betriebsphilosophie.
  • Die Produktgruppen, bei denen am häufigsten auf Bio umstellt wird, sind die Milchprodukte gefolgt von Gemüse, Fleisch und Trockenwaren.

Preis als Haupthemmnis?

Großküchen, die keine Bioprodukte einsetzen, nannten in der Umfrage meist den Preis als ausschlaggebenden Grund oder können keinen Unterschied zu konventioneller Ware feststellen. Für Claus Holler ist der Preis zwar ein häufig genanntes Argument, das aber bei näherer Betrachtung an Gewicht verliert. "Denn relative Preisunterschiede beim Einkauf führen ja nicht automatisch zu einem Anstieg der Gesamtkosten um diesen Prozentsatz", argumentiert der Experte für die Außer Haus Verpflegung.

Für eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Bioprodukten in einem österreichischen Landeskrankenhaus hat er die monetären Effekte berechnet und evaluiert. Im 13 Monate umfassenden Projektzeitraum konnte der Anteil der Bioprodukte kontinuierlich auf 25 Prozent gesteigert werden. Die sich daraus ergebenden Mehrkosten beim Einkauf von Bioprodukten erhöhten – rein statistisch berechnet – die Gesamtkosten um 3,55 Prozent. Die tatsächlichen Mehrkosten lagen jedoch nur bei 2,8 Prozent. Dieser Unterschied entstand durch kostengünstigen saisonalen Einkauf, Einsparungen beim Fleischeinsatz durch geringere Garverluste und einen minimierten Einsatz von Convenienceprodukten während der Studienzeit.

"60 Prozent Bio bis 2025"

Viele Verantwortliche in der österreichischen Gemeinschaftsverpflegung haben bereits Maßnahmen ergriffen, um den Anteil von regionalen und biologischen Produkten zu erhöhen. Auf den erreichten Bioanteilen in der Gemeinschaftsverpflegung will sich Bio Austria jedoch nicht ausruhen. Der Verband fordert bis zum Jahr 2025 einen Anteil von 60 Prozent Bio in den öffentlichen Einrichtungen. "Das dies machbar ist, zeigen inzwischen immer mehr Beispiele aus der Praxis", so Holler. Damit dies in der Fläche umgesetzt wird, braucht es seiner Ansicht nach einen neuen Anlauf, um Küchenkräfte durch Schulungen in Theorie und Praxis für das Biothema zu sensibilisieren. "Dies ist eine entscheidende Stellschraube, um den Bioanteil in der Gemeinschaftsverpflegung weiter voranzubringen".


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Letzte Aktualisierung 21.02.2020

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