Frankreich: ökologische AHV im Aufwind

Frankreich: ökologische AHV im Aufwind

Die ökologische Außer-Haus-Verpflegung ist in Frankreich seit Jahren auf dem Vormarsch. Zwei von drei Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung bieten ihren Gästen inzwischen Bio-Produkte an. Der Einsatz von biologischen Lebensmitteln wächst hier sogar schneller als der gesamte Bio-Markt in Frankreich. Eine aktuelle Studie der "Agence Bio" zeigt interessante Details.

Im Auftrag der französischen Agentur zur Entwicklung des Ökolandbaus "Agence Bio" wurden Ende 2019 insgesamt 1040 Verantwortliche aus der privaten und öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung zum Einsatz von Bio-Produkten in ihren Einrichtungen befragt. Die Studie (PDF-Dokument zur Studie) berücksichtigte dabei private und öffentliche Großküchen etwa zu gleichen Teilen.

In dieser Breite und Tiefe gibt es in Deutschland bisher keine vergleichbaren Daten zur ökologischen Gemeinschaftsverpflegung.

Großküchen mit Bio-Angebot

Der Einsatz von Bio-Produkten in der Gemeinschaftsverpflegung in Frankreich verzeichnet seit 2008 ein starkes Wachstum und erhielt durch seither verabschiedete Öko-Programme nochmals einen starken Schub (Ambition Bio 2017 und 2022). Inzwischen bieten 65 Prozent der Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung ihren Tischgästen Bio-Produkte an. Damit setzte sich auch 2019 der positive Trend der vergangenen Jahre stetig fort.

Am meisten verbreitet ist das Bio-Angebot im Bereich Bildung (Schulen, Kitas, Hochschulen): 86 Prozent von ihnen bringen bereits Bio-Produkte auf den Teller. In der Betriebsgastronomie sind es 58 Prozent der Küchen und im Sozial- und Gesundheitswesen immerhin 38 Prozent. Somit sind auch in Frankreich die Schulen und Kitas ein wichtiger Treiber für den Einsatz von Bio-Produkten in der AHV. Diese positive Entwicklung wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft weiter anhalten: 22 Prozent der befragten Einrichtungen gaben an, dass sie in 2020 Bio-Produkte einführen möchten.

Bio-Anteile am Wareneinsatz

Bei der Umfrage wurde erhoben, welchen Anteil die Ausgaben für Bio-Produkte beim Einkauf von Lebensmitteln ausmachen. Im Durchschnitt geben die Küchen mit Bio-Angebot beim Wareneinkauf 16 Prozent für Bio-Produkte aus. Bei jeder dritten Einrichtung liegt der Bio-Anteil am Wareneinsatz bei 20 Prozent oder mehr. Diese "Vorreiter" haben das formulierte politische Ziel in Frankreich ("20 Prozent Bio in der GV bis 2022") bereits erreicht oder übertroffen.

Umsätze in der ökologischen AHV

Insgesamt werden in der Außer-Haus-Verpflegung in Frankreich rund 555 Millionen Euro mit Bio-Produkten umgesetzt (Zahlen 2018, ohne Steuern). Ein interessantes Detail betonte die Agence Bio in einer Presseerklärung Ende 2019: Zum ersten Mal seit einigen Jahren stiegen die Umsätze mit Bio-Produkten in der Gemeinschaftsverpflegung stärker an als im Bio-Markt insgesamt (+28 Prozent gegenüber +15 Prozent). Damit entwickelt sich die AHV in Frankreich immer mehr zu einem Motor für den Bio-Markt insgesamt.

Produktgruppen in Bio-Qualität

In den Küchen mit Bio-Angebot werden vor allem folgende Produkte in Bio-Qualität angeboten:

  • 90 Prozent der Einrichtungen bieten Bio-Obst an, vor allem Bio-Äpfel.
  • 82 Prozent servieren frisches Bio-Gemüse, vor allem Karotten
  • 76 Prozent verwenden Milchprodukte in Bio-Qualität.
  • 51 Prozent Bio-Produkte aus dem Trockensortiment.

Ähnlich wie in Deutschland beginnen auch in Frankreich die meisten Küchen mit der Einführung pflanzlicher Bio-Produkte. Es fällt allerdings auf, das drei von vier Küchen bereits biologische Milchprodukte einsetzen.

Herkunft der Bio-Produkte

Dass die Landwirtschaft in Frankreich eine wichtige Rolle spielt und inzwischen 7,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet werden, zeigt sich auch bei der Herkunft der Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung: Die Küchen beziehen 72 Prozent ihrer Bio-Produkte aus Frankreich. Der Wunsch, Bio-Produkte möglichst aus der Region zu beziehen, kann zumindest zur Hälfte realisiert werden.

Maßnahmen um Mehrkosten zu verringern

Die wichtigsten drei Gründe, warum Küchen bisher keine Bio-Produkte im Angebot haben, sind: Mehrkosten beim Einkauf (60 Prozent), Bevorzugung lokaler Produkte (19 Prozent) und mangelnde Nachfrage (15 Prozent). Das heißt, ähnlich wie in Deutschland sind auch in Frankreich die Kosten ein zentraler Faktor bei der Entscheidung für oder gegen Bio in der AHV. Interessant ist, wie die Küchen damit umgehen. Bei der Umfrage wurde erhoben, welche Maßnahmen die Einrichtungen umsetzen, um Mehrkosten beim Einkauf von Bio-Produkten zu reduzieren (Mehrfachnennungen möglich).

MaßnahmeEinrichtungen, die diese Maßnahme nutzen (in Prozent)
Speiseabfälle vermeiden 88
mehr Frischprodukte einsetzen71
lokale Partnerschaften entwickeln68
Wettbewerb zwischen Dienstleistern anregen65
Produkte durch preiswertere Alternativen ersetzen64
Rahmenverträge mit Lieferanten schließen 62
Einkäufe bündeln62
Personal qualifizieren60
mehr vegetarische Gerichte anbieten55
Logistik optimieren47
Portionsgrößen reduzieren40

Bio-Anteil wird weiter steigen

Mehr als die Hälfte der Einrichtungen mit Bio-Angebot gehen davon aus, dass der Bio-Anteil in ihren Einrichtungen in Zukunft weiter steigen wird. 45 Prozent prognostizieren eine Stagnation des Bio-Einsatzes und nur drei Prozent eine "Abnahme" (ein Prozent: weiß nicht). Insgesamt rechnen die Einrichtungen damit, dass der Bio-Anteil von aktuell 16 Prozent auf 22 Prozent (2020) beziehungsweise 30 Prozent (2022) steigen wird. Interessantes Detail: Bei diesen Prognosen gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den 13 Regionen. Die ökologische AHV ist in Frankreich auf dem Vormarsch. Vor allem die Küchen der öffentlichen Einrichtungen sind dabei wichtige Akteure und nehmen eine Vorreiterrolle ein.


Letzte Aktualisierung 10.02.2020

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