RegioBioKüche am Kaiserstuhl

RegioBioKüche am Kaiserstuhl

Mit der RegioBioKüche am Kaiserstuhl soll eine Infrastruktur für eine nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in der ganzen Region geschaffen werden. Das innovative Projekt setzt stark auf Kooperationen, die regionale Lieferbetriebe, den Handel und die Nachfrageseite besser miteinander vernetzen. Gleichzeitig sollen damit krisensichere Arbeitsplätze in einer systemrelevanten Branche entstehen.

Grundidee

Am Anfang stand eine Idee: Allen Menschen in der Region soll es möglich sein, sich in der Gemeinschaftsverpflegung gesund und ökologisch ernähren zu können. Die Lebensmittel dafür sollen zu 100 Prozent aus ökologischer Produktion und langfristig mindestens zu 50 Prozent aus der Region stammen. Dafür möchte die RegioBioKüche eine notwendige Infrastruktur schaffen. Durch ein gemeinsames Vorgehen sollen Ressourcen besser genutzt, Kosten gespart und gleichzeitig Synergien für alle gewonnen werden. Dazu stellt die Regionalwert Immo GmbH und Co KG mit einer Großküche die notwenige Infrastruktur bereit, die später von einer oder einem oder mehreren Akteurinnen und Akteuren betrieben werden kann.

Akteurinnen und Akteure und Synergien

Kommanditisten der Regionalwert IMMO, einer Tochter der Regionalwert AG, sind mehrere Unternehmen aus der Bio-Branche beziehungsweise mit Bezug zur Nachhaltigkeit und eine Privatperson. Wer die Küche später einmal betreiben wird, ist noch offen. Unter dem Dach der RegioBioKüche soll es möglich sein, dass verschiedene Betreiberinnen oder Betreiber Platz finden. Das können beispielsweise regionale Catering-Unternehmen für die Schul- und Kita-Verpflegung sein. Denkbar ist aber auch eine Einmachküche, um das Lebensmittelhandwerk im Südwesten zu stärken. Das Küchenkonzept bietet dafür die notwendige Flexibilität. Für alle Betreiberinnen und Betreiber hätte das Vorteile: Über Synergie- und Skaleneffekte sparen sie Kosten, wenn sie Basis-Infrastrukturen wie beispielsweise die Spülküche gemeinsam nutzen oder ihren Einkauf bündeln. Nach internen Hochrechnungen könnte das Einsparpotenzial bei 15 Prozent oder mehr liegen. Die so eingesparten Beträge können die Betreiberinnen und Betreiber über die Preise an die Kundschaft weitergeben, für den Einkauf hochwertiger Lebensmittel verwenden oder für Investitionen zurücklegen.

Weitere Beteiligte mitnehmen

Für den Erfolg wird entscheidend sein, noch weitere Beteiligte mit ins Boot zu nehmen: Regionale Betriebe aus den Bereichen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel, Kommunen und – bei Interesse – auch Privatpersonen. Die Regionalwert AG kann dabei ihre Kontakte zur ihren Mitgliedsbetrieben nutzen. Ein Beispiel: So konnte ein regionaler Bio-Gemüsebetrieb gerade mit Unterstützung der Regionalwert AG ein neues Lager bauen. Durch die erhöhten Lagerkapazitäten kann der Betrieb in Zukunft mehr Bio-Gemüse anbauen und an Großküchen liefern. So greifen die verschiedenen Bereiche ineinander, wenn die Akteurinnen und Akteure eine gemeinsame Vision haben und koordiniert vorgehen.

Küchenkapazität und Zeitplan

Nach dem Kauf des Grundstücks Anfang November 2021 rechnen die Initiationen damit, Ende 2022 mit dem Bau zu beginnen. "Wir planen sportlich, die Küche Ende 2023 beziehungsweise Anfang 2024 in Betrieb zu nehmen", so Dominik Seidler, Geschäftsführer der Regionalwert IMMO. Am Ende soll die Küche täglich rund 5.000 Mittagessen für Einrichtungen vornehmlich aus dem sozialen Bereich produzieren. Diese Kapazität könnte theoretisch den gesamten Bedarf der Freiburger Kitas und Schulen decken. Der größte Teil dieser Essen soll über ein Cook and Chill-Verpflegungskonzept ausgegeben werden. Nur ein kleinerer Teil davon im Cook and Hold-Verfahren. Das entspricht den Wünschen der potenziellen Kundschaft, wie vorher eruiert wurde.

Langer Atem beim Thema Regionalität

Die RegioBioKüche entsteht auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern auf der Gemarkung der Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl. Diese Region war bereits in den 1960er und 70er Jahren eine Keimzelle des organisch-biologischen Landbaus in Deutschland. Entsprechend stark ist die Bio-Branche hier aufgestellt. Trotzdem ist die Versorgung mit bioregionalen Produkten auch hier kein Selbstläufer. Eine 2016 im Auftrag der Stadt Freiburg erstellte Studie hatte gezeigt, dass die Region bislang nur maximal 20 Prozent des Lebensmittelbedarfs deckt.

Doch für die Vermarktung regionaler Lebensmittel im Regierungsbezirk Freiburg bestehen noch nicht erschlossene Potenziale. Um die Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte voranzubringen, spielen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen und Strukturen eine besondere Rolle, so die Studie. Genau hier setzen die Initiatorinnen und Initiatoren der RegioBioKüche an. Es geht nicht allein darum, eine Großküche mit Bio-Konzept aufzubauen. Vielmehr müssen sich in der ganzen Region Betriebe weiterentwickeln sowie die Vernetzung und Kooperationen gestärkt werden. Das braucht langfristige Ziele, viel Ausdauer und aktive Player vor Ort. "Wir sind uns im Klaren", so Dominik Seidler, "dass wir hier auch selbst gefordert sind, diese Strukturen weiter mit aufzubauen". Die Verantwortliche haben sich deshalb realistisch zum Ziel gesetzt, (erst) langfristig mindestens 50 Prozent Bio-Produkte aus der Region zu erreichen.

Modell für andere Regionen?

Grundsätzlich könnte so ein Konzept auch für andere Regionen interessant sein. Aber es lässt sich sicher nicht einfach übertragen. Denn so eine RegioBioKüche kann nur funktionieren, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Es braucht eine Vision, die möglichst breit getragen wird, konkrete Beschlüsse, engagierte Bio-Betriebe, eine absehbare Nachfrage sowie aktive Kümmerinnen und Kümmerer, die sich dauerhaft für den Aufbau von Strukturen und Netzwerken einsetzen.


Letzte Aktualisierung 02.11.2021

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