Algen

Algen: Vom Meer auf den Teller

Noch sind Gerichte mit Meeresalgen in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung nur vereinzelt zu finden. Doch das k├Ânnte sich bald ├Ąndern. "Algen werden in den kommenden Jahren als besonders n├Ąhrstoffreiches Gem├╝se auch auf unseren Tellern Karriere machen", schreibt die Trendforscherin Hanni R├╝tzler in ihrem Food Report 2017. Und das nicht nur als H├╝lle f├╝r Maki (Sushi-Rolle), sondern auch in Pasta, frischen Salaten oder als interessante Geschmacksbereicherung bei vegetarischen Gerichten. Dass Meeresalgen in den n├Ąchsten Jahren zu einem Trendprodukt werden k├Ânnten, glaubt auch Michael Radau, Vorstand der regionalen Kette SuperBioMarkt mit etwa 25 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Ulrich Hees, Gesch├Ąftsf├╝hrer der maBitec GmbH, h├Ąlt aktuell Meeresalgen zwar noch f├╝r ein Randthema. "Doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Nachfrage gewaltig gesteigert", wei├č der auf Algenprodukte spezialisierte H├Ąndler, der vor allem die Lebensmittelindustrie beliefert. Deshalb ist auch er sich sicher: "Das n├Ąhrstoffreiche Gem├╝se aus dem Meer wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen".

Ein bis zwei Gramm am Tag

Meeresalgen enthalten nicht nur mehr Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe als herk├Âmmliches Fleisch oder Gem├╝se. Besonders in der vegetarischen und veganen K├╝che tragen sie dazu bei, essentielle Inhaltsstoffe wie beispielsweise das Vitamin B 12, Zink oder Jod zu liefern. W├Ąhrend Landpflanzen in der Regel nur jeweils bestimmte N├Ąhrstoffe enthalten, bringen Meeresalgen ein ganzes Spektrum an ern├Ąhrungsphysiologisch wichtigen Inhaltsstoffen auf den Teller. Sie entfalten deshalb ihre Wirksamkeit, auch wenn sie nur als eine kleine Zutat in Gerichten verwendet werden. "Ein bis zwei Gramm Meeresalgen am Tag machen einen riesigen Unterschied f├╝r unsere Ern├Ąhrung", wei├č Simon Ranger, der Gr├╝nder der britischen Seaweed Health Foundation. Die 2010 gegr├╝ndete NGO setzt sich im Vereinigten K├Ânigreich f├╝r die Forschung, Qualit├Ątsstandards und ├ľffentlichkeitsarbeit zum Thema "Meeresalgen" ein.

Inhaltsstoffe der Meeresalgen

Im Hinblick auf unserer Ern├Ąhrung sind Meeresalgen wahre Allesk├Ânner und eignen sich daher sehr gut auch als Alternative zu Fleischprodukten:

  • bis zu 47 Prozent Proteine in roten und gr├╝nen Meeresalgen (zum Vergleich: Sojabohne: 36 Prozent),
  • hoher Gehalt an Omega-3 Fetts├Ąuren, die sonst vor allem in Fisch und teilweise in Pflanz├Âlen vorkommen,
  • hohe Gehalte an Vitaminen A, C, E und B12 sowie Ballaststoffen
  • viel Mineralstoffe und Spurenelemente, wie Calcium, Eisen, Zink und Jod.

Umami-Geschmack

Aber nicht nur aus ern├Ąhrungsphysiologischer Sicht punkten die Makroalgen. Biospitzenkoch Konrad Geiger sieht in den Meeresalgen auch geschmacklich gro├če Potenziale, um das kulinarische Angebot zu bereichern. Aufgrund ihres Umami-Geschmacks lassen sie sich mit Kreativit├Ąt in der K├╝che vielf├Ąltig einsetzen. Ob eine Miso-Suppe mit Seidentofu-St├╝ckchen und Nori-Algen zum Fr├╝hst├╝ck, Algenspaghetti oder ein leckerer S├╝ddeutscher Heringssalat (bei denen Algen den Fischgeschmack liefern) - Konrad Geiger schw├Ąrmt von den vielf├Ąltigen kulinarischen M├Âglichkeiten. Dabei empfiehlt der K├╝chenprofi, sich im wahrsten Sinne des Wortes "in kleinen H├Ąppchen" dem Thema Algen zu n├Ąhern. Allerdings sollten seiner Erfahrung nach die Neugierde und Offenheit der G├Ąste keinesfalls untersch├Ątzt werden.

Nachhaltige Algenproduktion

Last but not least haben Makroalgen von Natur aus viele ├Âkologische Vorteile: Die Zucht erfordert in der Regel nur einen geringen Einsatz externer Stoffe (keine Futtermittel, keinen oder kaum D├╝nger, kein Einsatz von Medikamenten) und auch die Wildsammlung kann, sehr nachhaltig gestaltet werden. In den aktuell g├╝ltigen EU-Rechtsvorschriften zur ├Âkologischen Produktion finden sich Vorschriften f├╝r die Sammlung und die Zucht von Meeresalgen.

Darin wird unter anderem gefordert,

  • dass die Gew├Ąsser eine hohe ├Âkologische Qualit├Ąt aufweisen (keine Kontamination unerw├╝nschter Stoffe),
  • dass die Erntemengen keinen gravierenden Eingriff in die aquatische Umwelt darstellen,
  • die Best├Ąnde nachhaltig bewirtschaftet werden und dies auch detailliert dokumentiert wird,
  • bei Algenkulturen im Meer nur nat├╝rlich vorkommende N├Ąhstoffe verwendet werden,
  • bei Anlagen an Land der N├Ąhrstoffgehalt der abflie├čenden Gew├Ąsser nicht den des zuflie├čenden Wassers ├╝bersteigt.

Der Naturlandverband hat im Jahr 2013 eigene Makroalgen-Richtlinien festgelegt, die in einigen Punkten ├╝ber die EU-Verordnung hinausgehen.


Letzte Aktualisierung 08.06.2020

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